Vorsorge

Konkubinat oder Ehe: Lohnt sich heiraten?

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| von Leo Hug |
Bild: iStock / Peopleimages

Das Eherecht regelt die Verhältnisse unter Verheirateten. Konkubinatspartner müssen sich selbst organisieren. Besonders wenn Frauen wegen der Kinderbetreuung beruflich kürzertreten, ist eine zusätzliche private Absicherung nötig.

Warum heiraten, wenn es auch anders geht? Weil Konkubinatspaare nicht die gleichen Rechte habe wie Verheiratete und eingetragene Partnerschaften. Wer ohne offiziellen Trauschein zusammenlebt, muss selbst für eine finanzielle Absicherung sorgen. Es braucht u.a. ein Testament. Auch die Pensionskasse muss entsprechend instruiert werden.

Die traditionelle Familie mit einem verheirateten Ehepaar und gemeinsamen Kindern ist nicht mehr das einzig «normale» Familienmodell. Viele moderne Familien funktionieren auch ohne Trauschein. Nicht immer leben die eigenen Kinder im gleichen Haushalt. Es gibt Patchworkfamilien mit Partnern, die eine frühere Ehe gar nicht aufgelöst haben.

Grundsätzlich gilt: Wer Sicherheit sucht, sollte heiraten. Verheiratete oder auch gleichgeschlechtliche eingetragene Partner sind im Todesfall oder bei Invalidität finanziell besser abgesichert. Paare, die ohne den staatlichen Segen zusammenleben, müssen selbst aktiv werden, wenn sie gegenseitig für sich vorsorgen wollen. Besonders wenn Frauen wegen der Kinderbetreuung beruflich kürzertreten, ist eine sorgfältige Überprüfung der gegenseitigen Absicherung nötig.

Daran müssen Konkubinatspaare denken:

  • Testament: Für den Todesfall müssen Konkubinatspartner sich gegenseitig testamentarisch begünstigen. Dabei müssen sie gesetzliche Pflichtteile berücksichtigen. Wer Kinder hat, muss diesen drei Viertel seines Vermögens vererben. Sind keine Kinder da, die Eltern leben aber noch, haben diese Anspruch auf die Hälfte der Erbmasse. Dem Konkubinatspartner dürfen nur freie Erbteile testamentarisch vermacht werden. Dabei ist zu beachten, dass in einigen Kantonen sehr hohe Erbschaftssteuern für Konkubinatspartner anfallen.

  • Erbvertrag: Sie können mit den Kindern verbindlich vereinbaren, dass sie bis zum Tod des Konkubinatspartners auf das Erbe verzichten.

  • AHV: Auch bei der AHV sind Konkubinatspartner den Eheleuten nicht gleichgestellt. Die AHV behandelt Konkubinatspartner völlig getrennt. Bei Erreichen des Rentenalters erhält jeder seine ordentliche Rente. Diesbezüglich sind Konkubinatspartner bessergestellt als Verheiratete oder eingetragene Partnerschaften. Bei Eheleuten ist die Paarrente auf 150 Prozent der AHV-Maximalrente limitiert. Dafür erhalten Konkubinatspartner im Todesfall keine Witwen- der Witwerrente.

  • Säule 3a und Pensionskasse: Auch bei der Pensionskasse müssen Konkubinatspartner von sich aus aktiv werden. Nicht alle Pensionskassen bieten eine Konkubinatslösung an. Dort wo das Pensionskassenreglement eine Regelung für sie vorsieht, muss der Verstorbene über seine Lebensgemeinschaft informiert und klar mitgeteilt haben, dass er für seinen Lebenspartner vorsorgen will. Dasselbe gilt für die Säule 3a. Die Pensionskasse und die Säule 3a dürfen das Vorsorgegeld nur dann dem Konkubinatspartner auszahlen, wenn der Verstorbene keinen Ehegatten oder Kinder (bis 18 oder 25 Jahre, falls in Ausbildung) zurücklässt. Sonst muss die Auszahlung an diese erfolgen.

  • Säule 3b: Sie können Ihren Lebenspartner durch eine reine Todesfallversicherung absichern. Eine solche Versicherung drängt sich zum Beispiel auf, wenn ein Partner für den Haupterwerb der Familie aufkommt und der andere sich verstärkt der Familie widmet.

  • Erziehungsgutschrift: Die Erziehungsgutschrift wird bei Eheleuten und Partnern mit gemeinsamem Sorgerecht geteilt. Wenn ein Partner den Hauptteil der Kinderbetreuung übernimmt, oder eine Partei auch ohne die Gutschrift die AHV-Maximalrente erreichen kann, können sie schriftlich vereinbaren, dass die Erziehungsgutschriften nur einem Elternteil angerechnet werden.

  • Erbschaftssteuer: In einigen Kantonen ist die Erbschaftssteuer bei Konkubinatspartnern sehr hoch. Möglicherweise lohnt sich ein Umzug. Die Erbschaftssteuer fällt am Hauptwohnsitz des Verstorbenen an. Ausnahme: Immobilien werden immer an ihrem Standort besteuert.
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Vorteile

 


Verheiratet
Konkubinat

AHV


Die Ehepartnerin erhält eine AHV-Hinterlassenenrente, falls Kinder vorhanden sind oder die Ehefrau älter als 45 Jahre ist und mindestens 5 Jahre mit dem Verstorbenen verheiratet war.

Witwer erhalten eine Rente, solange sie Kinder unter 18 Jahren haben.

Ein Konkubinatspaar erhält maximal 56’880 Franken AHV-Rente im Jahr, Verheiratete nur maximal 42’660 Franken. (Stand 2019)

Pensionskasse

Die Pensionskasse bezahlt Hinterbliebenenrente.

Eine Konkubinatspartnerrente ist in einigen Vorsorgeeinrichtungen mit Einschränkungen vorgesehen.

Erbschaft

Der Ehepartner steht erbrechtlich an erster Stelle und hat als gesetzlicher Erbe Anspruch auf einen Pflichtteil.

Säule 3a

Hinterbliebene Ehegatten sind  bei der Auszahlung die Erstbegünstigten. 

Trennung


Die Beziehung ist ohne formelle Vorgaben auflösbar.

Nachteile


Verheiratet
Konkubinat

AHV



Keine Witwen- oder Witwerrente.

Säule 3a
und 3b


Hinterlässt der oder die Verstorbene keine Ehepartner, aber Kinder, bekommen diese einen Pflichtteil von 75 Prozent.

Steuern

«Heiratsstrafe»: Bei der Steuer werden beide Einkommen zusammengezählt. Je nach Kanton kann die steuerliche Belastung bei besser Verdienenden höher ausfallen als im Konkubinat.
In vielen Kantonen gibt es eine hohe Erbschaftssteuer für Konkubinatspartner.
Erben

Ohne Testament geht der Konkubinatspartner leer aus. Eine testamentarische Begünstigung des Konkubinatspartners ist aufgrund der Ansprüche von pflichtteilsberechtigten Familienmitgliedern nicht immer vollumfänglich möglich.

Scheidung

Die finanzielle Belastung bei Scheidung ist sehr hoch.