Krankheiten & Symptome

Psychische Störungen: häufige Erkrankungen und Ursachen

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Psychische Störungen: Meist sind sie mit einer geeigneten Psychotherapie und Medikamenten gut behandelbar. Bild: iStock / Tzido

Depressionen, Suchtverhalten, Angstzustände – psychische Krankheiten gehören, genau wie körperliche Krankheiten, zum Leben dazu: Jeder zweite Mensch in der Schweiz ist im Laufe seines Lebens einmal von einer psychischen Erkrankung betroffen. Doch was bedeutet es, psychisch erkrankt zu sein und was sind die häufigsten psychischen Störungen?

Nicht immer läuft das Leben so, wie man es sich wünscht. Dass sich negative Gefühle im Alltag bemerkbar machen, ist normal. Manchmal haben wir Angst, sind traurig oder wütend – und dies aus den unterschiedlichsten Gründen. Doch wann sprechen wir von einer psychischen Störung, einer Erkrankung, die einer Behandlung bedarf?

Was sind «Psychische Störungen»?

In der klinischen Psychologie und Psychotherapie wurde die Bezeichnung «psychische Krankheit» oder «psychische Erkrankung» von der Bezeichnung «psychische Störung» abgelöst. Diese gilt als wertneutraler und unterstreicht bis heute fehlendes Wissen über Ursachen und Behandlung.

Alltägliche negative Gefühle grenzen sich von einer psychischen Störung ab. Fühlen sich Betroffene im Alltag beeinträchtigt und weicht ihr Verhalten und Empfinden über einen gewissen Zeitraum deutlich von der Norm ab, kann von einer psychischen Störung gesprochen werden. «Atypisches, störendes, unangepasstes und rational nicht zu rechtfertigendes Verhalten» – so beschreibt das Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik die Erkrankung.

Häufige psychische Störungen

Häufige psychische Störungen sind:

Angststörungen

Zwar ist die Angst kein angenehmes Empfinden, sie warnt uns jedoch in der Regel vor Gefahren und kann demnach ein wichtiger Begleiter in gefährlichen Situationen sein. Wird die Angst jedoch aus verschiedensten Gründen krankhaft, können Betroffene kaum mehr einem normalen Tagesablauf nachgehen. 

Angststörungen lassen sich unterscheiden in:

Soziale Ängste

Der immer wiederkehrende Gedanke «Was denken die anderen von mir?» hat Einfluss auf das Empfinden, die Wahrnehmung und das Verhalten der Betroffenen. Hinzu können körperliche Beschwerden kommen, wie Herzpochen, Bauchweh, nasse Hände, rote Flecken am Hals. Die normalsten Tätigkeiten, wie Essen, Trinken und Sprechen werden in der Öffentlichkeit zur Tortur. Das Selbstwertgefühl wird geringer, genau wie die Teilnahme am sozialen Leben.

Phobien

Haben Betroffene unbegründet grosse und unkontrollierbare Angst vor einem Gegenstand oder einer bestimmten Situation, spricht man von einer Phobie. Eine Phobie ist in Grenzen normal. Beeinträchtigt sie jedoch den Alltag der Betroffenen und erfinden diese Strategien, um den Gegenstand oder die Situation zu vermeiden, bedarf es Hilfe.

Panik

Panikattacken treten ganz plötzlich und ohne Vorwarnung ein. Betroffene haben schlagartig Angst vor einer Katastrophe oder dem Tod, obwohl eigentlich keine unmittelbare Gefahr besteht.

Generalisierte Angststörung

Eine generalisierte Angststörung liegt vor, wenn Betroffene über Monate hinweg Angst und Besorgnis verspüren – und das nicht in Zusammenhang mit einer bestimmten Situation, sondern in allen Lebenslagen: im Job, in der Familie und im Freundeskreis.

Depressionen

Wie eine Depression entsteht und wie man ihr vorbeugen kann, lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel zum Thema «Volkskrankheit Depression».

Zwangsstörungen

Leiden Betroffene unter Zwangsstörungen, haben sie wiederkehrende und unerwünschte Gedanken und Ideen, die nur schwer loszuwerden sind und unkontrollierbar sein können (Obsessionen). Oder sie haben wiederkehrende Verhaltensweisen, oft Rituale genannt, und gedankliche Tätigkeiten, von denen sie denken, sie ausführen zu müssen (Zwangshandlungen). Sowohl Obsessionen als auch Zwangshandlungen nehmen oft mindestens eine Stunde des Tages in Anspruch und beeinträchtigen die Funktionstüchtigkeit der Betroffenen enorm.

Manisch-depressive Störungen

Bei einer manisch-depressiven Störung schwankt die Stimmung der Betroffenen phasenweise zwischen zwei Extremen: massloser Euphorie und abgrundtiefer Niedergeschlagenheit. Während der Manie verspüren Betroffene beispielsweise eine gute, aber gereizte Stimmung, sind ruhelos und benötigen wenig Schlaf, überschätzen sich selbst und legen ein riskantes Verhalten an den Tag. Während der depressiven Phase fühlen sich Betroffene hingegen zum Beispiel antriebslos und niedergeschlagen, müde und gefühlslos, sie können sich nur schwer konzentrieren, haben Schlafstörungen, Schuldgefühle und denken immer wieder an den Tod.

Schizophrenie

Bei einer Schizophrenie sind Gedanken und Wahrnehmungen der Betroffenen verändert. Realitätsverlust, Wahrnehmungs-, Denk- und Antriebsstörungen, Sprachprobleme und Störungen in der Bewegung sind für diese Art der Psychose typisch. Eine häufige Form der Schizophrenie ist die paranoide Schizophrenie, bei der Betroffene Stimmen hören oder unter anderen Wahnvorstellungen und Halluzinationen leiden.

Suchtverhalten

Auch Abhängigkeitserkrankungen fallen unter psychische Erkrankungen: Alkohol, illegale Drogen, Tabak und Medikamente, aber auch Glücksspiel und Onlinekonsum können abhängig und eine Behandlung erforderlich machen. Eines der auffälligsten Zeichen, die für eine Sucht der Betroffenen sprechen, ist ein immer wiederkehrender Konsum, um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Oft gehen weitere psychische Erkrankungen mit der Sucht einher.

Essstörungen

Betroffene einer Essstörung haben weder ihr Sättigungs-, noch ihr Hungerfühl unter Kontrolle. Sie stellen eigene Regeln bezüglich der Nahrungsaufnahme auf und kontrollieren genau ihr Essverhalten. Häufige Essstörungen sind Magersucht, Bulimie (Ess-/Brechsucht) und Binge-Eating (Ess-Attacken).

Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Die Borderline-Störung beschreibt eine Persönlichkeitsstörung, bei der sich Betroffene sprunghaft in sozialen Beziehungen, in ihrem Selbstbild und in ihrer Stimmung verhalten. Starke Erregung, Angst, Verzweiflung, Wut, innere Leere – Betroffene sind emotional-instabil und zeigen oft ein selbstgefährdendes Verhalten, beispielsweise durch Drogenkonsum oder Schnittverletzungen.

Der Begriff «Borderline» geht darauf zurück, dass sich Betroffene im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose bewegen. Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich Neurose und Psychose unterscheiden.

Wie unterscheiden sich Neurose & Psychose?

Der Begriff der «Neurose» ist veraltet und wird heute so nicht mehr verwendet. Ursprünglich war dieser der Oberbegriff einer psychischen Störung ohne erkennbare physische Auslöser. Heutzutage teilt man die Neurosen in unterschiedliche Gruppen wie die oben beschriebenen Angststörungen, Zwangsstörungen und Persönlichkeitsstörungen ein, da diese zu verschieden sind und sich nicht alle gleich äussern. 

Früher wurde die Neurose als Gegenteil der Psychose angesehen: Während sich Betroffene einer Neurose ihres Zustands bewusst sind (z.B. bei Spinnenphobie), wissen Betroffene einer Psychose nicht oder nur eingeschränkt, dass sie krank sind (z.B. bei Halluzinationen). 

Ursachen für psychische Störungen

Am häufigsten wird eine psychische Störung durch eine Belastungssituation ausgelöst. Die Faktoren, die eine psychische Erkrankung auslösen können, sind jedoch vielfältig. Man unterscheidet:

Biologische Ursachen,

wie zum Beispiel genetische Einflüsse, ein Ungleichgewicht des Hormonhaushalts, Veränderungen des Gehirns oder andere physische Erkrankungen, die sich auf das Gehirn auswirken.

Psychologische Ursachen,

wie zum Beispiel ein geringes Selbstvertrauen oder eine niedrige Frustrationstoleranz, nicht verarbeitete traumatische Ereignisse, neurotische Fehlhaltungen.

Soziale Ursachen,

wie zum Beispiel eine nicht funktionierende Partnerschaft, eine belastende Arbeitsplatzsituation, Schicksalsschläge. 

Spirituelle Ursachen,

wie der eigene Lebenssinn oder die eigene Religion.

Psychische Störungen in der Schweiz

Es ist bewiesen, dass es heutzutage nicht mehr psychisch Kranke gibt, als vor 70 Jahren. Jedoch lassen sich mehr Betroffene behandeln: eine halbe Million Schweizer jedes Jahr. Gleichzeitig sind krankheitsbedingte Ausfälle von Schweizer Angestellten laut der Krankenversicherung Swica in den letzten Jahren wegen psychischer Erkrankungen stark gestiegen. Die Gründe sind oft steigender Arbeitsdruck und viele Überstunden.

Dass heute offener mit einer psychischen Erkrankung umgegangen und diese als Volkskrankheit angenommen wird, ist eine positive Entwicklung. Schliesslich kann es jeden aus unterschiedlichsten Gründen treffen.

Haben auch Sie das Gefühl, selbst von einem psychischen Problem betroffen zu sein, zögern Sie nicht: Suchen Sie Hilfe und lassen Sie sich behandeln. Psychische Störungen sind mit einer geeigneten Psychotherapie und Medikamenten behandelbar und in vielen Fällen heilbar.

Beobachten Sie das Problem nicht bei sich, sondern bei einer angehörigen Person, motivieren Sie auch diese, sich an eine Fachperson oder in einem ersten Schritt an den Hausarzt zu wenden.

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