Versicherung

Cabrio-Schäden: Wie Sie diese vermeiden und wann die Versicherung greift

TIPPS
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In der Abendsonne Cabrio fahren: Wer träumt im Sommer nicht davon? Bild: iStock.com / courtneyk

Cabrios machen Spass. Aber sie sind nicht wirklich praktisch. Wer mit einem Cabrio liebäugelt, sollte darum für einen Moment gründlich das Hirn einschalten – und erst dann das Herz entscheiden lassen. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen und für welche Schäden die Versicherung aufkommt.

Kaum zeigt sich im Frühling die Sonne, schon bekommt man kaum genug von ihr. Also weg mit dem Dach beim Auto. Wer schon ein Cabrio hat, fährt offen, sobald es geht. Doch Cabrios brauchen mehr Pflege, als andere Autos. Sonst entstehen teure Schäden. Es gibt einige Schäden, die für Cabrios typisch sind – doch nicht immer greift die Versicherung:

Typische Cabrio-Schäden

1. Regen im Auto

Szenario:
Sie werden von plötzlichem Platzregen überrascht.

Versicherung:
In diesem Fall muss die Versicherung nicht aufkommen. In der Teilkaskodeckung sind zwar Elementarereignisse gedeckt, diese beschränken sich für Wasser jedoch auf Hochwasser und Überschwemmung, sodass der plötzliche Regenguss von oben nicht in den Deckungsbereich fällt.

Tipp:
Fahren Sie bei extrem schwülen Wetter oder bei regnerischen Wettervorhersagen besser nicht mit offenem Dach. Sofern Sie das Fahrzeug abstellen, schützen Sie es, indem sie das Dach stets schliessen und unterstellen.

2. Aufschlitzen des Fahrzeugdaches

Szenario:
Das Autodach des Cabrios wird aufgeschlitzt. 

Versicherung:
Hier kommt es auf die Absicht und die Folgen an: Handelt es sich um einen reinen Vandalenakt, tritt für dieses Ereignis die Teilkaskoversicherung nicht ein. Wer keine Parkschadenversicherung hat, muss den Schaden selbst oder den Selbstbehalt der Vollkasko zahlen – hinzu kommt ein Anstieg der Bonusstufe. Anders verhält es sich, wenn nach Aufschlitzen des Cabriodachs ein Diebstahl erfolgt. Die Diebstahldeckung der Teilkaskoversicherung deckt in den meisten Fällen auch die Schäden eines (versuchten) Diebstahls, sodass die Dachschäden gedeckt wären.

Für gestohlene Gegenstände gilt folgende Regel: Sind sie fest im Auto verbaut, greift die Versicherung. Handelt es sich wiederum um Fahrhabe sollten Sie prüfen, ob Sie den einfachen Diebstahl auswärts in einer Hausratspolice eingeschlossen oder zuvor über eine Deckung der mitgeführten Sachen nachgedacht haben. 

Tipp:
Die Deckung "Einfacher Diebstahl auswärts" hat auch elektronische Geräte in ihrem Deckungsumfang. Die Deckung mitgeführter Sachen verlangt oftmals eine weitere Zusatzdeckung, nämlich "Mitgeführte Sachen Plus".

3. Die weggeworfene Zigarette

Szenario:
Sie haben das Cabrio parkiert und aus den Augen gelassen. Zurück beim Fahrzeug entdecken Sie ein riesen Brandloch, verursacht durch eine weggeschnippte Zigarette.

Versicherungen:
Es handelt sich um einen Sengschaden, der üblicherweise nicht über die Teilkaskoversicherung versichert ist. Auch bei den Feuergefahren kennen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen eine abschliessende Aufzählung – es gibt jedoch vereinzelte Versicherer, die dies explizit in die Gefahrenaufzählung miteinbeziehen. 

Tipp:
Schliessen Sie Ihr Autodach, wenn Sie das Fahrzeug abstellen.

4. Vogelkot

Szenario:
Vögel verdrecken die Cabriositze. Was auf dem Lack stört, ist auf den Sitzen noch störender: Vogelkot verhält sich oft ätzend und frisst sich in die Materialen. 

Versicherung:
Ein solcher Fall ist nicht gedeckt – auch nicht von der Vollkaskoversicherung. Das Problem: Es handelt sich nicht um eine plötzliche Schadenentwicklung.

Tipp:
Schliessen Sie das Dach, sobald das Fahrzeug abgestellt ist. Auf dem Stoffdach oder dem Lack lässt sich der Kot besser entfernen und unschöne Gerüche bleiben ausserhalb vom Fahrzeug. Wenn Sie Kot entdecken, entfernen Sie diesen sofort! Klappt dies nicht restlos, führen Sie zu Hause eine gründliche Wäsche durch. 

Geheimtipp: Wechselschild und Sistierung

Die wenigsten fahren ihr Cabrio das ganze Jahr lang. Warum also 12 Monate lang die Versicherung zahlen?

Deshalb gibt es zwei Lösungen:

  1. Ist das Cabrio ihr Zweitfahrzeug? Sobald Sie einsteigen, steht das andere Fahrzeug in der Garage? Dann macht ein Wechselschild Sinn, das Sie selbstständig vom einen zum anderen Auto wechseln können. Ein Fahrzeug profitiert von starken Rabatten in der Tarifierung.

  2. Profitieren Sie von Sistierung in den Wintermonaten, also in den Monaten, in denen Sie das Cabrio nicht fahren. So lösen Sie Ihr Fahrzeug für die Monate aus, in denen Sie es nicht fahren. Durch das abgegebene Kontrollschild geniessen Sie in ihrer Garage weiterhin einen Teilkasko- und Haftpflichtschutz, jedoch ist die Prämie für diesen Zeitpunkt stillgelegt und wird bei der Einlösung im Frühling angerechnet. 

Sie besitzen noch kein Cabrio, wünschen sich aber eins?

Viele, die noch kein Cabrio haben, wünschen sich jetzt in den warmen Monaten des Jahres eins.

Wenn Sie jetzt ein Cabrio kaufen wollen, dann sollten Sie unbedingt vorher gründlich nachdenken: Cabrios brauchen mehr Pflege als andere Autos. Sonst entstehen teure Schäden. Auf gute Pflege sollten Sie deshalb auch beim Kauf achten. In der Regel gilt: Nur ein gepflegtes Dach ist ein gutes Dach. 

Wer zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt mit einem Cabrio liebäugelt, sollte sich aber zuerst einmal diese Frage stellen: Passt ein Cabrio überhaupt zu mir?

Passt ein Cabrio zu Ihnen?

Ob ein Cabrio zu Ihnen passt, hängt ganz stark davon ab, was Sie mit Ihrem Auto eigentlich vorhaben:

Wollen Sie mit dem Cabrio verreisen? Bei einem Cabrio ist der Kofferraum grundsätzlich schon klein. Und wenn das Dach offen ist, dann wird er oft noch kleiner. Was machen Sie dann? Reisen Sie mit geschlossenem Dach, damit Ihr Gepäck Platz hat? Oder beschränken Sie ihr Gepäck – aber geniessen frische Luft?

Fahren Sie Ihr Cabrio auch im Winter? Kann man machen. Bei Cabrios mit Faltdach aus Metall oder Kunststoff problemlos. Und wenn Sie ein Stoffdach haben: mit einem Hardtop als Zubehör wird Ihr Cabrio wirklich winterfest. Das braucht allerdings jeweils ein wenig Aufwand bei der Montage.

Sehen Sie genug bei geschlossenem Dach? Aus einem Cabrio ist die Sicht in der Regel beschränkt, vor allem bei geschlossenem Dach. Fühlen Sie sich wohl mit dem, was Sie sehen? Reicht Ihnen die Sicht zum Parkieren? Achten Sie bei Ihrer Probefahrt unbedingt darauf.

Augen auf beim Cabrio-Kauf

Sind Sie jetzt wild entschlossen? Haben Sie schon eine Occasion ins Auge gefasst? Dann prüfen Sie nicht nur all die anderen Punkte auf der Checkliste. Sondern ausserdem ganz genau das Dach:

Öffnen und Schliessen. Was hilft das beste Cabrio, wenn das Dach nicht auf oder zu geht? Prüfen Sie darum als Erstes, ob sich das Dach ohne Probleme öffnen und schliessen lässt. Gestänge und Gelenke sollten frei sein von Rost.

Frisch oder muffig? Riecht es im Innenraum muffig? Dann dringt vermutlich schon monate- oder gar jahrelang Feuchtigkeit ein. Wahrscheinlich ist das Dach undicht.

Knicke ohne Risse? Undichte Stellen gibt es bei einem Stoffdach vor allem dort, wo der Stoff beim Schliessen immer wieder geknickt wird. Achten Sie auf Risse. Aber auch sonst auf poröse Stellen.

Bündig oder verbogen? Die harten Faltdächer haben andere Probleme. Die Oberflächen sind in der Regel dicht. Aber manchmal passen nicht mehr alle Teile wirklich bündig aneinander.

Weich und elastisch? Zwischen den Teilen der Faltdächer, an der Kante zu Seitenfenstern und Frontscheiben: Gummidichtungen halten die Feuchtigkeit draussen. Wenn sie noch weich und elastisch sind. Suchen Sie darum gezielt nach Rissen oder nach Stellen, an denen der Gummi porös ist und bröckelt.

Pfeift‘s und zieht‘s? Wo Wasser durchs Dach kommt, kommt oft auch Luft rein. Das hört man. Lauschen Sie darum bei der Probefahrt genau auf die Windgeräusche und achten Sie auf Luftzug an Stellen, wo es keinen geben sollte. Wenn der Verkäufer es erlaubt, fahren Sie bei der Probefahrt durch eine Waschanlage. (Ja, das kann man machen. Aber dazu gleich mehr.)

Diese Pflege braucht ein Cabrio

Einmal pro Jahr sollten Sie Ihr Cabriodach gründlich pflegen. Idealerweise im Herbst, bevor es den Winter über geschlossen bleibt. Sie könnten die Pflege aber auch im Frühjahr nachholen, wenn Sie das erste Mal wieder offen fahren wollen. So gehen Sie am besten vor:

Kontaktflächen reinigen. Klappen Sie zuerst das Dach herunter. Reinigen Sie mit einem feuchten Tuch alle Kontaktflächen zur Frontscheibe und zu den Seitenfenstern.

Verdeckkasten saugen. Holen Sie Laub und Staub und alles andere heraus, was nicht in den Verdeckkasten gehört. Am besten geht das mit dem Staubsauger.

Silikon auf die Dichtungen. Sprühen Sie ein wenig Silikonspray auf ein weiches Tuch. Wischen Sie damit die Kontaktflächen und alle Gummidichtungen.

Gelenke schmieren. Geben sie einen winzigen Tropfen Öl auf die Gelenke und auf die Verschlüsse, mit denen das Dach an der Frontscheibe verriegelt wird. Bewegen Sie die Teile, damit das Öl eindringen kann.

Öffnen und schliessen. Prüfen Sie Schrauben und Bolzen auf korrekten Sitz. Öffnen und schliessen Sie das Dach mehrmals. Schauen Sie nach allfällig überschüssigem Öl und wischen es ab.

Verdeck und Heckscheibe reinigen. Puristen behaupten, man dürfe nie in eine Waschanlage – sondern das Dach nur abbürsten und ausklopfen. Das mag für historische Roadster stimmen. Wer’s praktisch mag, kann mit einem modernen Stoffdach auch durch die Waschstrasse. Tipp: Oft kann man die oberen Bürsten abschalten lassen. Hochdruckreiniger sollten Sie meiden.

Flächen pflegen. Für jedes Material gibt es spezielle Reinigungsmittel. Niemals Kunststoffpflege auf ein Stoffdach aufbringen oder Textilreiniger auf ein Vinylverdeck. Kaufen Sie das richtige Mittel und halten Sie sich an die Gebrauchsanleitung.

Stoffdach imprägnieren. Bei neuen Cabrios müssen Sie ein Stoffverdeck spätestens nach zwei Jahren zum ersten Mal imprägnieren, anschliessend jedes Jahr. Dann bleibt die Oberfläche dicht. Nicht nur bei Regen. Sondern eben auch in der Waschanlage.

Ohne Pflege geht es nicht

Finger weg von ungepflegten Cabrios. Wenn Sie eine Occasion kaufen, dann eine gepflegte: Denn nur ein gepflegtes Dach funktioniert auch gut.

Wenn Sie Ihr eigenes Cabrio besitzen, sollte eines klar sein: dass Sie es gut pflegen. Das bedeutet zwar jedes Jahr Aufwand. Aber der lohnt sich: Nur so erhalten Sie den Wiederverkaufswert. Und haben lange Freude am Fahren – ganz gleich ob geschlossen oder offen.