Neu in der Schweiz

Quellensteuer zurückfordern: Das müssen Deutsche wissen

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Belege sammeln, Antrag ausfüllen – und einen Teil der gezahlten Quellensteuer zurückerhalten.

Die Steuerlast in der Schweiz ist schon weitaus geringer als in vielen anderen Ländern. Trotzdem können Expats noch Quellensteuer zurückfordern. Welche Abzüge im Einzelnen quellensteuerpflichtige Ausländer geltend machen können, und wie das Prozedere funktioniert, zeigt comparis.ch.

Vorweg: Quellensteuerpflichtig sind Ausländer mit einer Aufenthaltsbewilligung B. Dagegen gibt es Ausländer, die ordentlich besteuert werden wie Schweizer. Das sind vor allem: Personen mit einer unbefristeten Niederlassungsbewilligung C, Immobilienbesitzer, Arbeitnehmer mit mehr als 120‘000 Franken Bruttoeinkommen sowie alle Ausländer, die einen Ehepartner mit Schweizer Pass oder Ausweis C haben.

Deutsche kennen es aus ihrer Heimat. Zum Jahresbeginn machen sie ihre Einkommenssteuererklärung fürs Vorjahr und dann hoffen sie auf eine Lohnsteuerrückzahlung.

Auch in der Schweiz kann man bezahlte Quellensteuer zurückfordern. Aber es gibt Unterschiede, und zwar nicht nur bei den Begriffen.

Welche Abzüge kann ich geltend machen?

Die Art der Abzüge sowie deren Höhe unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Erkundigen Sie sich über Details bei den dortigen Steuerbehörden. Denn die Unterschiede können gross sein.

Die wichtigen Abzüge für quellensteuerpflichtige Ausländer regeln beispielweise die vier grenznahen Kantone Aargau, Basel-Stadt, Thurgau und Zürich wie folgt:

Weiterbildung: Geltend gemacht werden können Weiterbildungskosten, wenn sie der Ausübung des Berufs förderlich sind, allerdings nicht solche für die Ausbildung wie Lehre, Schule oder Studium. Die Abgrenzung ist manchmal schwierig und spitzfindig, am besten vorher bei der Steuerverwaltung nachfragen, ob die entsprechende Fortbildung dazu gehört.

Entfernungspauschale für den Weg zur Arbeit: Grundsätzlich können Arbeitnehmer nur Fahrtkosten für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs abziehen. Diese müssen zum Beispiel im Kanton Zürich jährlich mindestens 2100 Franken betragen.

Und was machen Autopendler? Sie können lediglich Fahrtkosten in Höhe eines ÖV-Abo absetzen. Auto-Kilometer werden nur unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt. Beispiel: Der Kanton Aargau akzeptiert Auto-Fahrtkosten, wenn der Arbeitsweg mehr als 20‘000 Kilometer im Jahr ausmacht und die Fahrt mit dem Auto gegenüber Bus und Bahn eine Zeitersparnis von mehr als einer Stunde bringt.

Vorsorge: Einzahlungen in die Säule 3a sind absetzbar, ebenso Einkäufe in die Pensionskasse (2. Säule) zur Deckung von Vorsorgelücken. Anmerkung zur Säule 3a: Für 2015 können Arbeitnehmer maximal 6768 Franken absetzen.

Unterhaltsleistungen für Ex-Partner und Kinder können angebracht werden – nicht aber Scheidungskosten.

Durch Dritte betreute Kinder: Eltern können die Betreuung ihrer Kinder in Krippen oder durch Tagesmütter bei ihrem Rückerstattungsgesuch angeben.

Krankheitskosten und Arztausgaben werden von den Finanzbehörden erst ab einer gewissen Höhe berücksichtigt. In den Kantonen Aargau und Basel-Stadt müssen diese mehr als fünf Prozent des Nettoeinkommens ausmachen. Nicht abziehbar sind die Krankenkassen-Prämien.

Schuldzinsen: Wer einen Kleinkredit oder ein Darlehen abstottert, darf als Schuldner die anfallenden Kreditzinsen bei der Quellensteuer-Rückerstattung anmelden.

Kontoführungsgebühren werden von den Schweizer Steuerbehörden nicht anerkannt.

Spenden: Spenden und Mitgliedsbeiträge an gemeinnützige Organisationen sind abziehbar. Die Kantone setzen allerdings Mindestgrenzen, oftmals ab insgesamt 100 Franken.

Wie läuft die Rückerstattung ab?

Die Formulare werden mitsamt der Ausgabenbelege ans Steueramt des Wohnkantons geschickt. Die Behörde prüft das Gesuch, stellt dem Steuerpflichtigen einen Bescheid zu und zahlt den Betrag zurück.

Liste der kantonalen Steuerverwaltungen

Wo erhalte ich die notwendigen Formulare?

Eine Anlaufstelle im Internet sind die Websites der Kantone. Dort können Sie die Formulare herunterladen, nebst wichtigen Informationen zum Ablauf, zu Fristen und benötigten Unterlagen.

Kanton Aargau

Kanton Basel-Stadt (Noch kein aktueller Link vorhanden)

Kanton Luzern (Noch kein aktueller Link vorhanden)

Kanton Thurgau

Kanton Zürich

Im Kanton Bern zu beachten: Quellenbesteuerte, die eine Rückerstattung wollen, müssen genauso wie Einheimische eine ordentliche Steuererklärung ausfüllen. Dazu ist ein Antrag erforderlich:

Kanton Bern

Bis wann muss der Antrag beim Fiskus vorliegen?

Die Fristen sind je nach Kanton unterschiedlich: Im Kanton Zürich etwa müssen Steuerpflichtige die Belege für 2014 bis 31. März einreichen. Verpasst man diese Frist, lehnt das Steueramt die Rückzahlung ab. Andere Kantone haben weniger knappe Fristen. So bleiben Ausländern im Aargau fünf Jahre Zeit, die Quellensteuer zurückzufordern.

Wann zahlt die Steuerbehörde das Geld zurück?

Üben Sie sich in Geduld. Mit der Rückerstattung der Quellensteuer lassen sich die Kantone bisweilen Zeit, in Zürich beispielweise bis zu 18 Monate.

Was mache ich, wenn das Steueramt Abzüge nicht anerkennt?

Fragen Sie direkt bei der Steuerbehörde nach einer Begründung. Sie können auf dem Rechtsweg Einspruch gegen die Entscheidung erheben. Genaue Informationen dazu finden Sie auf dem Steuerbescheid. In Zweifelsfällen können Ihnen Steuerberater oder Anwälte helfen. 

 

Häufige Fragen und Antworten zur Quellensteuer