Kredit

Über eine halbe Million Personen in der Schweiz überschuldet

STUDIE
| von Michael Kuhn |
Bild: iStock / skynesher

Die Überschuldung der Schweizerinnen und Schweizer steigt. 2019 ist sie so hoch wie nie zuvor. Seit 2016 ist die Anzahl überschuldeter Personen um 119'000 auf 561'000 gestiegen. Das zeigt eine Analyse von Comparis gemeinsam mit der Wirtschaftsauskunftei CRIF.

Die Überschuldung in der Schweiz hat einen Höchststand erreicht. 6,5 Prozent der Bevölkerung – gut eine halbe Million Personen – sind überschuldet. Schulden machen, wird für immer mehr Erwachsene normal. Zwar zahlen die meisten ihre Leasing- und Kreditschulden pünktlich zurück. Eine Minderheit schafft das jedoch nicht und rutscht in die Überschuldung.

Männer sind stärker überschuldet als Frauen

In der Analyse zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer sind deutlich höher belastet als Frauen. In der Altersgruppe 46 bis 50 Jahre beträgt die Schuldnerquote bei den Männern 12 und bei den Frauen nur rund 8 Prozent. Zudem wird die Schuldnerquote bei den Frauen ab dem 40. Lebensjahr stetig kleiner. Bei den Männern ist sie zwischen 40 und 60 Jahren stabil hoch.

Den Titel für die höchste Schuldnerquote halten entsprechend auch die Männer – und zwar die 36- bis 40-jährigen. Bei Frauen wie Männern ist die Wahrscheinlichkeit, sich zu verschulden zwischen 26 und 30 Jahren am grössten. Zwischen 18 und 25 Jahren machen Frauen und Männer fast gleich häufig Schulden.

Die Schuldnerquote erfasst alle in der Schweiz lebenden Privatpersonen, die schon einmal Konkurs anmelden mussten, gepfändet wurden, einen Verlustschein haben oder in einer Betreibungsfortsetzung sind.

Welche Kriterien beeinflussen die Bonität?

Die Zahlungswürdigkeit oder Bonität setzt sich aus verschiedenen messbaren Kriterien zusammen. Wirtschaftsauskunfteien sammeln dazu Daten zum Zahlungsverhalten und zur Identifikation. Als Quelle werden einerseits öffentlich zugängliche Daten herangezogen, andererseits Zahlungserfahrungsdaten von Tausenden Firmen. Aus diesen Informationen wird ein Kredit-Score pro Person berechnet.

Die Bewertung ihrer Zahlungswürdigkeit können Konsumenten auf der Comparis-Bonitätsauskunft anfragen. Die persönliche Identifikation, die aus rechtlichen Gründen notwendig ist, wird durch sichere, digitale Übertragung vereinfacht.

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Folgen schlechter Bonität sind Schweizern nicht bewusst

Der lockere Umgang mit Schulden kann böse Konsequenzen haben. Rund 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben schon einmal einen negativen Kreditentscheid erhalten, wie eine repräsentative Umfrage von Comparis zeigt. Fast einem Drittel war dabei nicht bewusst, dass eine schlechte Bonität ein häufiger Ablehnungsgrund ist.

Ein vergleichbares Bild bei den Kreditkartenanträgen: 12 Prozent der Befragten haben schon vergeblich einen Kreditkartenantrag gestellt. Rund ein Viertel vermutete andere Gründe als eine ungenügende Kreditwürdigkeit.

Eine solche erschwert aber den Zugang zu Krediten und Leasings massiv: Jeder Antrag für eine Kreditkarte, einen Kredit oder ein Leasing führt zu einer Prüfung der Kreditwürdigkeit.

Eine schlechte Bonität schränkt die Betroffenen auch im Alltag ein, zum Beispiel beim Online-Shopping. Denn die Unternehmen prüfen anhand von Bonitätsdaten in Echtzeit, wie gut oder schlecht die Zahlungsmoral des Kunden ist. Genügt diese den Anforderungen der Firma nicht, wird zum Beispiel die Option «Bezahlen auf Rechnung» gar nicht erst angezeigt.