Schwangerschaft & Geburt

Antibabypille: Wirkung, Vor- und Nachteile, Alternativen

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Viele Frauen fragen sich, ob die Einnahme der Antibabypille die richtige Verhütungsmethode für sie ist. Bild: iStock / Vertigo3d

In den westlichen Industriestaaten ist die Antibabypille bis heute das am häufigsten verwendete empfängnisverhütende Mittel. In der Schweiz verhütete 2017 jede vierte 15- bis 49-jährige Frau mit der Pille, die vor Jahrzehnten die Welt veränderte. Medien berichten vermehrt von bedenklichen Nebenwirkungen – was Frauen immer häufiger auf die Einnahme verzichten lässt. comparis.ch nimmt Sie mit in die Geschichte der Antibabypille und klärt Sie über Vor- und Nachteile sowie hormonfreie Alternativen auf.

Die Geschichte der Antibabypille

Das Bestreben, eine Schwangerschaft wirksam zu verhindern, reicht bis in die Antike zurück. Schon in den vergangenen Jahrhunderten wurden zu diesem Zweck einige kreative Verhütungsmittel erfunden: von Krokodilkot-Zäpfchen, über Schwämmchen bis hin zu Unterspritzduschen. Effektive Wirksamkeit? Fehlanzeige. Um 1800 herum wurden Schafdarmkondome zur Verhütung verwendet. Diese waren zwar effektiv, doch teuer und nur begrenzt verfügbar. 1870 stellte Charles Goodyear das erste qualitativ hochwertige Gummi-Kondom her, das serienmässig produziert wurde und viel günstiger als zuvor war. 

Von nun an dauert es noch 90 Jahre, bis in den USA die erste Antibabypille auf den Markt kommt. Eine gesellschaftliche Revolution, ein Symbol der Emanzipation im Jahre 1960: Die Pille bedeutete für die Frau sexuelle Selbstbestimmung, höhere Sicherheit und zeitliche Unabhängigkeit vom Liebesakt. Als Pionierinnen der Antibabypille gelten die Frauenrechtlerin Margaret Sanger und Wissenschaftlerin Katherine McCormick.  

Durfte die Pille mit dem Namen Enovid zunächst nur zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden eingesetzt werden, erteilte die Behörde 1960 schliesslich die Zulassung von Enovid als hormonelles Verhütungsmittel. Der Ansturm in den Apotheken war enorm: Bereits 1967 nahmen 13 Millionen Frauen weltweit die Pille zur Verhütung ein.  

Laut einer Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts verhütete 2017 jede vierte 15- bis 49-jährige Frau in der Schweiz mit der Antibabypille.

Quelle: comparis.ch

 

Welche Pillenarten gibt es?

Es gibt viele unterschiedliche Präparate von unterschiedlichen Herstellern. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Pillentypen mit unterschiedlicher Zusammensetzung und Dosierung:

  • Mikropillen, auch Kombinationspillen genannt
  • Minipillen

Mikropillen enthalten die beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen. Minipillen hingegen enthalten nur Gestagen. Der Gynäkologe entscheidet, welche Pillentyp zu welcher Frau passt. 

Wie wirkt die Antibabypille?

Die künstlich hergestellten Geschlechtshormone in der Pille bewirken, dass …

  • der Eisprung (Ovulation) unterdrückt wird.
  • die Eileiter stillgelegt werden.
  • die Konsistenz des Schleims am Muttermund dicker wird, sodass Spermien nicht bis zur Gebärmutter hervordringen können.
  • sich die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr aufbaut.

Somit hat selbst ein eventuell befruchtetes Ei keine Chance, sich einzunisten.

Die Vorteile der Antibabypille

Neben sexueller Selbstbestimmung bringt die Antibabypille noch weitere Vorteile mit sich:

  • Sicherheit bei regelmässiger Einnahme: Die Antibabypille liegt auf Platz zwei der sichersten Verhütungsmethoden (Quelle: welt.de) Der Pearl-Index liegt zwischen 0,1 und 0,9 bei Mikropillen – heisst: von 1000 Frauen, die über einen Zeitraum von einem Jahr die Pille nehmen und sexuell aktiv sind, wird mindestens eine schwanger.
  • Sofortige Wirksamkeit
  • Menstruationsbeschwerden lassen nach: schwächere und kürzere Monatsblutung, Linderung von Unterleibschmerzen
  • Verbesserung des Hautbilds
  • Kontrolle über den Zyklus
  • Keine Beeinflussung der Fruchtbarkeit
  • Günstige Beeinflussung diverser Krebsarten (Quelle: Apotheken Umschau

Die Nachteile der Antibabypille

Damit man sich auf den Schutz der Antibabypille verlassen kann, ist die regelmässige Einnahme des Präparats unumgänglich. Diese Verantwortung und der Druck, täglich zur gleichen Uhrzeit das Präparat einnehmen zu müssen, kann auf Dauer anstrengend werden.

Weitere Nachteile: 

  • Die Pille schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • Starker Durchfall, Erbrechen und die Einnahme bestimmter Medikamente können die Wirksamkeit beeinträchtigen.
  • Reisen und Zeitverschiebungen erschweren die genaue Einnahme und beeinträchtigen somit den Schutz.  
  • Nach dem Absetzen kann es bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich der Körper von den künstlichen Hormonen „erholt“ hat.

Hinzu kommen diverse andere Nebenwirkungen. Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, weniger Lust auf Sex, oder gar Thrombose. Immer mehr Frauen verzichten wegen Nebenwirkungen wie dieser auf die Einnahme der Antibabypille. Besonders Teenager reagieren laut einer langjährigen Beobachtung des Gynäkologen Lidegaard empfindlicher mit Depressionen auf die hormonelle Verhütungsmethode. 

Mögliche Nebenwirkungen der Pille im Überblick:

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen und gesteigerte Hungergefühl
  • Schmier- und Zwischenblutungen
  • Spannungsgefühle in den Brüsten
  • Stimmungsschwankungen
  • erhöhtes Thromboserisiko, vor allem bei Raucherinnen
  • erhöhtes Risiko hinsichtlich Herz- und Kreislaufkrankheiten, Bluthochdruck
  • sexuelle Unlust (Libidoverlust)
  • Depressionen, Stimmungsveränderungen, eingeschränkte Empathie
  • negativer Einfluss auf das eigene Wohlbefinden
  • Veränderung der Gehirnstruktur

Zu betonen ist, dass Nebenwirkungen wie diese auftreten können, aber nicht partout auftreten müssen. Jeder Körper reagiert anders und in unterschiedlichem Ausmass auf die Inhaltsstoffe des hormonellen Verhütungsmittels.

Welche hormonfreien Alternativen gibt es zur Antibabypille?

Das Image der Pille hat gelitten, die Skepsis der Frauen wird grösser. Vielen wurden die gesundheitlichen Risiken der Pille erst durch die stärkere Medienpräsenz bewusst. In den letzten Jahren ist der Absatz der Pille um mehr als 20 Prozent gesunken.

Wer auf die Wirkung künstlicher Hormone verzichten möchte, steht nicht ohne Verhütungsmittel da. Heutzutage gibt es eine ganze Reihe hormonfreier Verhütungsmethoden:

Mechanische und chemische Wirkung

  • Kondom (Pearl-Index: 2 bis 12)
  • Kupferspirale/-kette (Pearl-Index: 0,3 bis 0,8)
  • Diaphragma (Pearl-Index: 1 bis 20, wenn dieses zusammen mit einem Verhütungsgel angewandt wird)
  • Chemische Verhütung (Pearl-Index: 3 bis 21) 

Natürliche Wirkung

  • Symptothermale Methode (Pearl-Index: 0,4)
  • Temperaturmethode (Pearl-Index: 0,8 bis 3)
  • Verhütungscomputer (Pearl-Index: 0,6 bis 4), z.B. Persona Verhütungsmonitor 

Welche Verhütungsmethode letztendlich für Sie die richtige ist, entscheiden Sie am besten mit Ihrem Gynäkologen. Vereinbaren Sie gleich einen Beratungstermin. 

Comparis hilft Ihnen, einen guten Gynäkologen und Frauenärzte in Ihrer Nähe zu finden. 


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