Gesundheit & Prävention

Was KMU in der Coronakrise wissen sollten

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Das Coronavirus und die Massnahmen zur Eindämmung bedeuten für viele Unternehmer massive Einschnitte und Herausforderungen. Wie schützt man das Geschäft und Mitarbeiter? Und welche Hilfe steht dem Unternehmen zu? Comparis hat Fragen und Antworten für Arbeitgeber zusammengestellt.

Fragen und Antworten: Sozialversicherungen

Welche Verpflichtungen hat das Unternehmen gegenüber den Sozialversicherungen?

Der Arbeitgeber muss die vollen gesetzlich vereinbarten Sozialversicherungsbeiträge auf 100 Prozent des Lohnes entrichten. Arbeitgeberanteile an die AHV, IV, EO und ALV werden von der Arbeitslosenkasse für die Ausfallzeiten via Kurzarbeitsentschädigungen rückvergütet.

Ohne andere Vereinbarung sind die Unternehmen berechtigt, die Beitragsanteile der Arbeitnehmenden auf Basis des 100-Prozent-Lohns abzuziehen.

Falls ein Unternehmen aufgrund von Liquiditätsengpässen die Lohnzahlung nicht gewährleisten kann, kann es per Formular «COVID-19 Antrag und Abrechnung Kurzarbeitentschädigung» bei der Arbeitslosenkasse Vorschüsse beantragen.

Bezahlt die Betriebsunterbruchsversicherung bei Pandemie?

Ausfallversicherungen für Betriebe sind sowohl bei Sportveranstaltern, Wirten oder Eventveranstaltern beliebt. Diese bezahlen zwar oft bei Epidemiefällen. Pandemie ist jedoch nicht abgedeckt. Inzwischen hat die Versicherungsbranche den Abschluss von Ausfallversicherungen eingestellt. Helvetia bietet den Kunden, die gegen Epidemie versichert sind, für die Zeit vom 16.März bis Ende Mai auf individueller Basis Ausgleichszahlungen an. Diese Zahlungen in Höhe von 50 Prozent der ungedeckten Kosten und des Gewinnausfalls ist an eine Vertragsanpassung gebunden, welche künftig Pandemiefälle explizit ausschliesst. Ein ähnliches Vorgehen wie bei Helvetia haben auch Mobiliar und AXA in Aussicht gestellt.

Wie grenzen sich Krankentaggeldversicherungen und Kurzarbeit ab?

Die Kurzarbeitsentschädigung ist subsidiär. Bezieht die anspruchsberechtigte Person bereits Leistungen aus einer anderen Sozial- oder Privatversicherung, hat sie keinen Anspruch auf die Entschädigung. Krankheit, Unfall oder Mutterschaft während der Kurzarbeit müssen von den entsprechenden anderen Sozialversicherungen bzw. vom Arbeitgeber bezahlt werden. Diese Fälle dürfen nicht über die Kurzarbeitsentschädigung abgerechnet werden.

Gibt es ein Entgegenkommen, wenn die Firma wegen der Pensionskassenbeiträge in Liquiditätsschwierigkeiten gerät?

Der Bundesrat hat am 25. März eine Verordnung erlassen. Demnach dürfen die BVG-Arbeitgeberbeitragsreserven ausser für Arbeitgeberbeiträge vorläufig auch für Arbeitnehmerbeiträge genutzt werden. Diese Regelung gilt für die Dauer von sechs Monaten. Für die Arbeitnehmenden hat die Massnahme keine Auswirkungen. Ihnen wird wie bisher ihr Beitragsteil vom Lohn abgezogen, und die gesamten Beiträge werden ihnen von der Vorsorgeeinrichtung gutgeschrieben.

Im Übrigen gelten bei Liquiditätsschwierigkeiten die Bestimmungen für COVID-19-Kredite.

Ist der Arbeitgeber verpflichtet, sich gegebenenfalls an der Sanierung der Pensionskasse zu beteiligen?

Ein Deckungsgrad unter 90 Prozent gilt als erhebliche Unterdeckung und erfordert Sanierungsmassnahmen.

Folgende Massnahmen betreffen die Arbeitnehmenden:

  • Reduktion der Verzinsung der obligatorischen Altersguthaben
  • Reduktion/Streichung der Verzinsung der überobligatorischen Altersguthaben (häufig angewendetes Vorgehen)
  • Reduktion des Umwandlungssatzes für überobligatorische Altersguthaben
  • Sistierung von Vorbezügen für die Finanzierung von Wohneigentum

Folgende Massnahmen betreffen auch den Arbeitgeber:

  • Einlagen des Arbeitgebers
  • Erhebung von Sanierungsbeiträgen von aktiven Arbeitnehmern und Arbeitgebern (eine Sanierung allein durch Arbeitnehmerbeiträge ist nicht zulässig)

Unüblich ist die Erhebung von Sanierungsbeiträgen von Rentenbezügern.

Eine rechtliche Verpflichtung, sich an der Sanierung zu beteiligen besteht demnach einzig bei einer Erhebung von Sanierungsbeiträgen.

Im Übrigen gelten bei Liquiditätsschwierigkeiten die Bestimmungen für COVID-19-Kredite.

Meine Firma möchte die überobligatorischen Pensionskassenbeiträge aus aktuellen Gründen aussetzen. Darf sie das?

Im überobligatorischen Vorsorgebereich ist ein solcher Schritt zulässig. Allerdings sind die überobligatorischen Pensionskassenbeiträge Lohnbestandteile und Teil des Arbeitsvertrags. Ihre Sistierung setzt das Einverständnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraus.

Fragen und Antworten: Steuern

Welche Unterlagen, die im Zusammenhang mit Corona-Massnahmen stehen, müssen für die nächste Steuererklärung aufbewahrt werden?

Die Herkunft des Geldes und die Legitimierung dieser Transaktion als eine Corona-Massnahme muss dokumentiert werden können (also Antragsformulare; Bestätigungen; Schriftverkehr) Zudem muss die Aufbewahrungsfrist nach Art. 70 des Mehrwertsteuergesetzes beachtet werden.

Fragen und Antworten: Mietzahlungen

Ich darf aktuell wegen der Zwangsschliessung meine Geschäftsräume nicht mehr nutzen. Muss ich weiter Miete bezahlen?

Pandemiebedingt angeordnete Betriebsbeschränkungen oder -schliessungen sind kein «Mangel am Mietobjekt». Die Frist für Zahlungsrückstände bei den Mieten ist mittels Verordnung des Bundesrates vom 27. März 2020 von 30 auf 90 Tage verlängert worden. Die Fristverlängerung gilt für Mieten und Nebenkosten, die zwischen dem 13. März und dem 31. Mai 2020 fällig werden.

Ich habe einen kleinen Blumenladen und durfte den Laden wegen der Corona-Krise vorübergehend nicht mehr öffnen. Einen kleinen Teil des früheren Umsatzes erzielte ich mit Hauslieferungen. Kann ich meine Miete für den Laden und für die Wohnung etwas später bezahlen?

Der Bundesrat hat am 8. April bekannt gegeben, dass er in Mietfragen nicht mittels Notrecht eingreifen will. Er ruft Mieter und Vermieter auf, sich gegenseitig zu einigen. Bei Zahlungsrückständen, die zwischen dem 13. März und 31. Mai fällig werden, wird die vom Vermieter zu setzende Frist von 60 auf mindestens 90 Tage verlängert.

Fragen und Antworten: Lohnausfall

Wer hat Anspruch auf die Corona-Erwerbsersatzentschädigung?

Sofern keine weiteren Entschädigungen oder Versicherungsleistungen ausgezahlt werden, haben folgende Personen Anspruch auf die Corona-Erwerbsersatzentschädigung:

  • Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Fremdbetreuung der Kinder nicht mehr gewährleistet ist,
  • Eltern, die ihre Kinder mit Beeinträchtigungen bis zum 20. Lebensjahr zu Hause betreuen müssen,
  • Personen, die wegen einer Quarantänemassnahme ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen,
  • Selbständigerwerbende, die aufgrund einer bundesrechtlich angeordneten Betriebsschliessung oder des Veranstaltungsverbotes direkt oder indirekt betroffen sind und deshalb einen Erwerbsausfall erleiden.

Die Entschädigungen werden in Anlehnung an die Erwerbsersatzordnung geregelt und als Taggeld ausgerichtet. Dieses entspricht 80 Prozent des Einkommens und beträgt höchstens 196 Franken pro Tag bzw. 5’880 Franken pro Monat. Die Anzahl Taggelder für Selbstständige ist auf 30 Tage befristet. Die Prüfung des Anspruches und die Auszahlung der Leistung wird von den AHV-Ausgleichskassen vorgenommen. Sie können das Formular hier online ausfüllen und per Mail an die Ausgleichskasse senden. Ihr Anspruch beginnt am 4. Tag, an dem alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind; für Selbständigerwerbende und Quarantäne also frühestens am 17. März und für die Kinderbetreuung frühestens am 19. März 2020.

Ich bin Schauspieler ohne feste Anstellung. Nun sind all meine Engagements bis in den Sommer abgesagt worden. Mein Erspartes reicht noch bis Ende April. Wer hilft mir jetzt finanziell über die Runden?

Zum Hilfspaket des Bundesrates gehören auch die Selbständigerwerbenden im Kulturbereich. Sie erhalten die Corona-Erwerbsentschädigung.

Ich bin selbständige Putzfrau und einige meiner Kunden haben abgesagt. Habe ich Anspruch auf die Corona-Erwerbsentschädigung?

Ihre Beschäftigung ist ein Stundenlohn-Arbeitsvertrag im Angestelltenverhältnis, sofern Sie von Ihren Kunden ordentlich bei der Sozialversicherung angemeldet wurden. Die Arbeitgeber sind entsprechend zur Lohnzahlung verpflichtet, wenn Sie ihnen Ihre Arbeitskraft weiter zur Verfügung stellen. Dasselbe gilt auch, wenn Sie zur Risikogruppe gehören und nicht weiter arbeiten können.

Wie sieht es für Kleinunternehmer aus, wenn sie Verdienstausfall haben, weil Kunden Termine absagen oder der Betrieb ganz geschlossen wurde?

Der Bund hat am 20. März die Auflagen für die Kurzarbeitsentschädigung gelockert und die Beantragung vereinfacht. Die Kurzarbeitsentschädigung deckt jedoch nicht den Umsatzausfall, sondern 80 Prozent des wegfallenden Lohnes. Darüber hinaus hat der Bund darum betroffenen Betrieben Soforthilfe mittels verbürgten COVID-Überbrückungskrediten zugesichert. Sie sollen Kreditbeträge bis zu 10 Prozent des Umsatzes bzw. maximal 20 Millionen Franken erhalten. Beträge bis zu 0,5 Millionen Franken sollen von den Banken sofort ausbezahlt und vom Bund zu 100 Prozent garantiert werden. Die grosse Nachfrage hat den Bundesrat veranlasst, weitere 20 Milliarden Franken zu sprechen.

Zum Kurzarbeitsrechner

Ich habe ein Restaurant und würde gerne meine Angebote online anbieten. Was kann ich tun?

Lieferdienste für Mahlzeiten sind gemäss COVID-Verordnung 2 ausdrücklich zugelassen. Sie müssen einzig sicherstellen, dass Sie bei der Ausübung Ihrer Dienstleistungen die Empfehlungen des BAG betreffend Hygiene und Distanzhaltung sicherstellen. Weitere Coronavirus-bedingte Auflagen gibt es nicht.

Wie lange habe ich Anspruch auf Erwerbsersatz?

Der Bundesrat hat am 22. April 2020 den Anspruch der Selbständigerwerbenden auf Entschädigung des Erwerbsausfalls für die Betriebe, die am 27. April oder am 11. Mai wieder öffnen können, bis zum 16. Mai verlängert. Wer bereits Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz beantragt hat, braucht nichts zu unternehmen. Die AHV-Ausgleichskasse verlängert in diesem Fall den Anspruch gemäss der neu beschlossenen Frist.

Ab wann gilt die am 16. April beschlossene Erwerbsausfallentschädigung für Selbstständige?

Gemäss Beschluss des Bundesrates vom 16. April können indirekt von den Massnahmen des Bundesrates betroffene Selbstständige rückwirkend eine finanzielle Unterstützung beantragen. Die Entschädigung beträgt 196 Franken pro Tag, bzw. maximal 5880 Franken pro Monat. Voraussetzung ist, dass die Antragsteller im Jahr 2019 ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von 10‘000 Franken bis maximal 90‘000 Franken hatten. Der Anspruch entsteht rückwirkend ab dem ersten Tag des Erwerbseinbruchs und frühestens ab dem 17. März 2020. Die geänderte Regelung für die Erwerbsausfallentschädigung gilt bis zum 16. Mai. Eine Verlängerung dieser Praxis liegt gemäss Aussagen des Bundesrats im Ermessen des Parlaments.

Fragen und Antworten: Angestellte

Welche Unternehmen können wegen COVID-19 Kurzarbeit beantragen?

Antragsteller müssen den Arbeitsausfall von mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden in einem Kausalzusammenhang mit dem Virus begründen können. Darum haben nur Unternehmen, die per Bundesratsentscheid geschlossen wurden, Anrecht auf einen COVID-19-Kredit.

Seit Mitte April haben auch Selbstständigerwerbende, die nur indirekt von den behördlichen Corona-Massnahmen betroffen sind, Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung. Dabei handelt es sich etwa um Taxifahrer. Anspruch haben aber nur Personen, deren AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen höher ist als 10’000 Franken, aber 90’000 Franken nicht übersteigen.

Kurzarbeit wurde vom 1.4.20 bis 15.6.20 bewilligt. Wenn der Lockdown vorher aufgehoben wird, wird dann die Kurzarbeit verkürzt?

Die Zahlungen für Kurzarbeit erfolgen aufgrund der regelmässigen Meldungen des Arbeitgebers an die AV. Die vereinfachten Bewilligungen für Kurzarbeit gelten sicher bis Mitte Juni, sofern der Bundesrat die Frist nicht verlängert. Zudem hat der Bundesrat am 8. April die maximale Bezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigungen bei einem Arbeitsausfall von 85 Prozent für die Dauer der ausserordentlichen Lage aufgehoben.

Wann darf ich als Arbeitgeber meine Angestellten zur Weiterarbeit verpflichten?

Arbeitnehmer sind zur Weiterarbeit vor Ort verpflichtet, sofern Sie als Arbeitgeber alle erforderlichen und geeigneten Massnahmen getroffen haben. Wer von einer Reise in ein Risikogebiet zurückkommt oder entsprechende Krankheitssymptome aufweist, kann verpflichtet werden, zwei Wochen von zu Hause aus in Quarantäne zu arbeiten.

Hat der Arbeitgeber die Ansteckungsgefahr möglichst reduziert und wurde seitens der Behörden keine entsprechende Anordnung erlassen, verlieren Mitarbeitende bei unbegründeter Arbeitsverweigerung den Anspruch auf Lohnfortzahlung und können unter Umständen fristlos entlassen werden.

Wann dürfen Angestellte die Weiterarbeit oder bestimmte Tätigkeiten verweigern?

Mitarbeitende dürfen Geschäftsreisen verweigern, wenn für die Zieldestination eine entsprechende Reisewarnung des EDA vorliegt.

Die Arbeitgeber müssen zudem besonders gefährdete Personen schützen. Falls Homeoffice nicht oder nur beschränkt möglich ist, wird der Arbeitnehmer beurlaubt. Der Lohn muss Ihnen vom Arbeitgeber weiter bezahlt werden. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber mitteilen, dass Sie zur Risikogruppe gehören. Der Arbeitgeber darf ein Arztzeugnis verlangen, das bestätigt, dass Sie zur Risikogruppe gehören. Bei Unklarheiten oder Problemen kann Ihnen auch die BAG-Hotline weiterhelfen: +41 58 462 21 00.

Wie wird die Stellenmeldepflicht in der Zeit von Corona gehandhabt?

Die Stellenmeldepflicht ist seit dem 26. März 2020 für sechs Monate aufgehoben. Damit entfällt für diese Zeit die Pflicht für Arbeitgeber, offene Stellen in Berufen mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 5 Prozent bei der öffentlichen Arbeitsvermittlung zu melden. Arbeitgebende können jedoch weiterhin über die Stellenplattform der Arbeitslosenversicherung, www.job-room.ch, Arbeitskräfte suchen und kontaktieren.

Wie muss mich mein Arbeitgeber schützen? Wie muss ich mein Personal schützen?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt Arbeitgebern Folgendes:

  • Der Arbeitgeber soll ermöglichen, dass alle Mitarbeitenden ihrer persönlichen Hygienemassnahmen, wie regelmässiges Händewaschen, nachgehen können.
  • Im Betrieb müssen Mitarbeitende gegenseitig Abstand halten können. Das kann durch eine räumliche Anpassung, Homeoffice, Tele- oder Videokonferenzen sowie Office-Splitting ermöglicht werden
  • Wenn möglich sollten Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten können
  • Arbeitgeber sollen erst ab dem fünften Tag ein Arztzeugnis verlangen.
  • Arbeitgeber sollen Mitarbeitende stets über die aktuelle Lage wie auch über die getroffenen Schutzmassnahmen informieren. Auch soll der Arbeitgeber Mitarbeitende darauf hinweisen, nicht während der Stosszeiten mit dem ÖV zu fahren. Dazu soll der Arbeitgeber die Arbeitszeiten möglichst flexibel gestalten.
  • Der Arbeitgeber wie die Mitarbeitenden sollen sich an die Empfehlungen des BAG halten.

Wer muss die Schutzmaske bezahlen, wenn der Betrieb das Tragen von Masken vorschreibt?

Der Arbeitgebende hat für die Mitarbeitenden zu sorgen. Daraus folgt, dass er gegebenenfalls auch die Masken zur Verfügung stellen muss. Dies gilt innerhalb des Betriebs, aber nicht für den Arbeitsweg.

Ich habe als Arbeitnehmer bereits lange vor dem Ausbruch der Corona-Krise Ferien beantragt und genehmigt bekommen. Jetzt aber sind keine Reisen möglich. Kann ich die Ferien zurückziehen oder kann mich mein Arbeitgeber zwingen, die Ferientage zu nehmen?

Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien, hat aber die Wünsche des Arbeitnehmenden zu berücksichtigen. Es besteht zudem ein Recht des Arbeitnehmenden auf frühzeitige Zuteilung der Ferien. Die Verschiebung von bereits vereinbarten Ferien ist aus schwerwiegenden Gründe gerechtfertigt. Der Lockdown dürfte ein schwerwiegender Grund sein. In der aktuellen Rechtslage kann der Arbeitgeber auch Arbeitnehmende kurzfristig dazu veranlassen, Ferien zu nehmen als Alternative zur Kurzarbeit. Mitarbeitende, die dann während der Kurzarbeit Ferien beziehen, erhalten 100 Prozent des Lohnes. Eine einvernehmliche Lösung ist also in dieser Krise sehr zu empfehlen: Viele Arbeitgeber kämpfen jetzt um die Existenz der Arbeitsplätze.

Mein Arbeitgeber organisiert Veranstaltungen – während der nächsten Wochen gibt es nun keine Arbeit für mich. Habe ich trotzdem Anspruch auf Lohn?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Stellt er einen Antrag auf Kurzarbeit, bekommen Angestellte 80 Prozent des weggefallenen Verdienstes plus vertraglich vereinbarte regelmässige Zulagen.

Kann ich zuhause bleiben, wenn ich glaube, dass ich das Coronavirus habe?

Bleiben Sie aus rein persönlicher Angst vor einer Ansteckung von der Arbeit fern, entfällt jeglicher Anspruch auf Lohnfortzahlung. Es droht sogar die fristlose Entlassung. Eine Ausnahme besteht einzig, wenn Ihr Arbeitgeber im Hinblick auf eine Pandemie Hygienevorschriften missachtet bzw. keine geeigneten Massnahmen zum Schutz des Personals ergreift.

Wenn Sie aber die typischen Symptome der Krankheit (COVID-19) wie Müdigkeit, Fieber und trockenen Husten bemerken, sollten Sie zu Hause bleiben und den Hausarzt bzw. ein telemedizinisches Zentrum anrufen und die Anweisungen des Bundes zum Thema Selbstisolation beachten. Wird der Verdacht einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) bestätigt, müssen Sie getestet werden. Bestätigt das Labor eine Ansteckung, werden Sie gemäss Vorgaben des kantonsärztlichen Dienstes isoliert.

Habe ich ein Recht darauf, im Homeoffice zu arbeiten?

Grundsätzlich dürfen Sie nicht einfach aus Angst vor einer Ansteckung nur noch von zu Hause aus arbeiten. Sprechen Sie sich am besten mit Ihrem Arbeitgeber ab, ob Sie im Homeoffice arbeiten dürfen. Je nach Unternehmen herrschen unterschiedliche Vorgaben. Mit den momentanen Schutzmassnahmen geben einige Arbeitgeber ihrem Personal die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Arbeitgeber dürfen aber auch Homeoffice anordnen, wenn sie die entsprechenden Arbeitsgeräte und Zugänge zur Verfügung stellen. Die Anordnungen müssen befolgt werden.

Kann mich mein Chef gegen meinen Willen nach Hause schicken?

Unter besonderen Umständen, zum Beispiel im aktuellen Pandemiefall, kann der Arbeitgeber für eine begrenzte Zeit Flexibilität erwarten. Das heisst er darf Ihren Arbeitsort verlegen oder Sie ins Homeoffice schicken. Wenn es bei Ihnen sogar einen Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus gibt, besteht zwar kein Anspruch auf Arbeit, der Lohn muss aber weiter gezahlt werden

Kann ich mich als Arbeitnehmer weigern, wenn mich mein Chef für eine Geschäftsreise in ein Risikogebiet schicken will?

Wenn der Auftrag für die Versorgungssicherheit im Risikogebiet wichtig ist und der Schutz des Personals gewährleistet ist, dürfen Arbeitgeber ihr Personal in Risikogebiete schicken. Das Eidgenössische Departement des Äusseren, EDA, und der Bundesrat empfehlen auf Auslandsreisen zu verzichten.

Muss jemand nach einer Geschäftsreise in Quarantäne oder Isolation, ist die Lohnfortzahlung gegeben.

Quarantäne ist für gesunde Personen, die Kontakt mit COVID-19-Erkrankten hatten. Isolation ist für an COVID-19 erkrankte Personen.

Wie kann der Verwaltungsrat die GV durchführen, wenn Veranstaltungen vom Bundesrat verboten wurden?

Die OR-Artikel 687 und 689 verlangen, dass Generalversammlungen physisch abgehalten werden. Am 16. März hat der Bundesrat in einer Verordnung festgelegt, dass die Mitgliedschaftsrechte vorübergehend auch auf schriftlichem Weg oder elektronisch ausgeübt werden können.

Ich bin auf Kurzarbeit gesetzt, möchte aber in meiner freien Zeit einen Job annehmen. Darf ich den dafür bezogenen Lohn behalten?

Wer seine Kurzarbeit für eine Zwischenbeschäftigung nutzt, darf den Zusatzverdienst für sich behalten. Theoretisch ist es somit möglich, zusammen mit der Kurzarbeitsentschädigung mehr zu verdienen als während der Normalanstellung. Zurzeit werden vor allem in der Landwirtschaft und in der Logistik zusätzliche Arbeitskräfte gesucht. Hier finden Sie mehr Informationen.

Wie will der Bund sicherstellen, dass mit den COVID-19-Krediten kein Missbrauch getrieben wird?

Der Bund hat am 15. Mai ein vierstufiges Kontrollsystem verabschiedet:

1. Der Antrag für einen COVID-19-Kredit erfolgt über die Unternehmensidentifikationsnummer (UID). Da jedes Unternehmen mit der UID in einem zentralen Register des Bundesamtes für Statistik erfasst ist, kann schon bei der Anmeldung für den COVID-19-Kredit geklärt werden, ob sich die Firma in Konkurs oder in Liquidation befindet.

2. Die kreditgebende Bank muss den Antragsteller gemäss dem Bundesgesetz über die Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung identifizieren.

3. Eine durch die Bürgschaftsorganisationen eingerichtete Zentralstelle prüft die von den Banken eingereichten Unterlagen auf formale Fehler und auf Doppelanträge. Bei Verdacht auf Missbrauch leitet diese straf- und zivilrechtliche Verfahren ein und berichtet dem SECO regelmässig über den Stand der Verfahren.

4. Die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK vergleicht die Angaben für die vergebenen Bürgschaften mit den ihr bekannten Steuerdaten (Verrechnungs- und Mehrwertsteuer) und kontrolliert die Einhaltung des Tantiemen- und Dividendenverbots.

Fragen und Antworten: Kredite

Wo kann ich mein Kreditgesuch einreichen?

Eine schrittweise Anleitung über das Vorgehen beim Antrag auf Liquiditätshilfen für Unternehmen sowie das Antragsformular finden Sie auf der eigens dafür vom Eidgenössischen Finanzdepartement bereitgestellten Seite über COVID-19-Kredite. Anträge für Überbrückungskredite können bis zum 31. Juli 2020 eingereicht werden.

Darf ich meinen Kontokorrent-Kredit durch einen COVID-19-Kredit ablösen?

Die COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung lässt einzig die Refinanzierung von seit dem 23. März 2020 aufgelaufenen Kontoüberzügen zu. Zudem darf die Refinanzierung nur bei denjenigen Banken erfolgen, die den COVID-19-Kredit gewähren. Die Liste finden sie hier.

Ich werde meine Bar wohl trotz Kredit und Kurzarbeit nicht über die Runden bringen. Was kann ich noch tun?

Mit den Bürgschaften für Kredite und Kurzarbeit will der Bund eine Konkurswelle und Arbeitslosigkeit verhindern. Das Bundesamt für Justiz schlägt nun vor, dass Corona-geschädigte Betriebe eine erleichterte Nachlassstundung für drei Monate erhalten sollen.

Haben auch Start-Ups Anspruch auf Unterstützung durch die öffentliche Hand?

Vom 7. Mai bis zum 31. August 2020 können «aussichtsreiche Start-Ups» mit Corona-bedingten Liquiditätsengpässen Bürgschaftskredite bis zu einem Volumen von 1 Million Franken beantragen. Der jeweils verbürgte Betrag darf höchstens einem Drittel der laufenden Kosten von 2019 des jeweiligen Start-Ups entsprechen. Eine vom Kanton bezeichnete Stelle prüft Anträge und leitet ihre Beurteilung an die zuständige Bürgschaftsorganisation weiter. Diese entscheidet dann zusammen mit dem Kanton über die Bürgschaft. Bei einem positiven Entscheid kann das Unternehmen bei einer beliebigen Bank einen verbürgten Kredit beantragen. Die Bürgschaften für Schweizer Start-Ups werden zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von den Kantonen geleistet. Die Gesamtsumme darf 154 Millionen Franken nicht überschreiten (Stand 3. Mai 2020).

Haben Sie weitere Fragen rund um das Thema Corona? Hier finden Sie weitere Fragen und Antworten zu Krankenkasse, Arbeitsbedingungen, Vorsorge und Reisen. Des Weiteren finden Sie hier ebenfalls mehr zum Thema Privatkredite, Wohnen und Umzug und Hypotheken, sowie Lohn.