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Wann brauche ich einen Vorsorgeauftrag?

TIPPS
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Bild: iStock / Daisy-Daisy

Beim Verlust Ihrer Urteilsfähigkeit können Sie vieles nicht mehr selbst bestimmen. Mit dem Vorsorgeauftrag stellen Sie die Berücksichtigung Ihrer Wünsche im Bezug auf Ihr eigenes Wohlbefinden, Ihr Vermögen und Ihre rechtliche Vertretung sicher.

Zum Ratgeber: Leben im Alter

Was ist ein Vorsorgeauftrag?

Mit dem Vorsorgeauftrag bestimmen Sie im Fall einer Urteilsunfähigkeit Ihre persönlichen Wünsche und Interessen im Bereich Personensorge, Vermögensverwaltung und rechtliche Vertretung. Zudem definieren Sie, wer Ihre Angelegenheiten und Entscheidungen gemäss Ihren Anforderungen übernimmt. Die Aufgaben im Vorsorgeauftrag müssen detailliert und klar beschrieben sein.

Was bedeutet Urteilsfähigkeit?

Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, Artikel 16, definiert als urteilsfähig, wer vernunftmässig handeln kann. Der Zustand der Urteilsunfähigkeit kann auch vorübergehend sein.

Brauche ich einen Vorsorgeauftrag?

Ein Vorsorgeauftrag ist für jede Person sinnvoll. Sie können nicht vorausplanen, ob und wie lange Sie urteilsfähig bleiben. Ein Unfall oder eine Krankheit wie z.B. Demenz oder eine psychische Störung können schlagartig Ihren Zustand verändern. Deshalb sollten Sie sich frühzeitig mit Ihren Wünschen auseinandersetzen. Mit einem rechtsgültigen Dokument können sie kostspielige und aufwändige Massnahmen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB verhindern.

Was passiert, wenn kein Vorsorgeauftrag vorliegt?

In einer Ehe erhält Ihr Partner auch ohne einen Vorsorgeauftrag das Vertretungsrecht für alltägliche Handlungen. Ehepartner müssen im gleichen Haushalt wohnen oder regelmässig und persönlich Beistand leisten können. Bei aussergewöhnlichen Rechtshandlungen (z.B. Verkauf von Liegenschaften) braucht es eine Bewilligung von der KESB.

Sind Sie eine alleinstehende Person, liegt es im Ermessen der KESB, ob eine externe Beistandschaft organisiert wird oder die nächsten Verwandten die Verantwortung erhalten.

Was beinhaltet der Vorsorgeauftrag?

Der Vorsorgeauftrag beinhaltet drei Vertretungsbereiche.

  1. Personensorge: Sie beinhaltet Anweisungen rund um das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden. Die Personensorge beschreibt ähnliche Inhalte wie die Patientenverfügung. Darum sollten Sie wenn möglich zur Willensdurchsetzung die gleiche Person verwenden.
  2. Vermögenvorsorge: Hier bestimmen Sie Aufgaben und Verantwortlichkeiten bei finanziellen Angelegenheiten. Darunter fallen etwa Rechnungszahlungen oder die Vermögensverwendung. Sie können diese Verantwortung neben Privatpersonen auch Banken oder anderen juristischen Personen zuteilen.
  3. Vertretung im Rechtsverkehr: Die stellvertretende Person setzt Ihre Anliegen in rechtlichen Angelegenheiten gegenüber Banken, Behörden, Geschäftspartnern oder Familie durch.

Wann ist der Vorsorgeauftrag gültig?

Der Vorsorgeauftrag kommt erst zum tragen, wenn die betroffene Person als urteilsunfähig eingestuft wird. Die KESB prüft, ob ein Vorsorgeauftrag erstellt wurde und ein Original-Dokument vorhanden ist. Bei Einhaltung der Formschriften und einer anerkannten Urteilsfähigkeit zum Verfassungszeitpunkt ist das Dokument wirksam. Zusätzlich kontrolliert die KESB die vertretende Person auf deren Urteilsfähigkeit und ob sie den Aufgaben gewachsen ist. Wenn der Vorsorgeauftrag nicht wirksam, nicht vorhanden oder die vertretende Person nicht berechtigt ist, trifft die KESB die Entscheidungen für die betroffene Person.

Sie können den Vorsorgeauftrag jederzeit abändern oder wiederrufen. Die vertretende Person kann den Vorsorgeauftrag unter Berücksichtigung der dreimonatigen Kündigungsfrist bei der KESB kündigen.

Wie erstelle ich einen Vorsorgeauftrag?

Der Vorsorgeauftrag muss persönlich erstellt und handgeschrieben sein. Alternativ können Sie den Vorsorgeauftrag zusammen mit einem Notar schreiben und das Dokument beurkunden lassen. Ein Muster finden Sie hier.

Wo kann ich den Vorsorgeauftrag hinterlegen oder aufbewahren?

Bewahren Sie den Vorsorgeauftrag sicher auf und informieren Sie die vertretenden Personen über den Aufbewahrungsort. Zur Sicherheit können Sie den Hinterlegungsort für 75 Franken auch beim Zivilstandsamt melden. Alternativ können Sie das Original bei Organisationen wie etwa Caritas, Pro Senectute, KESB gegen eine einmalige Gebühr hinterlegen. Sie können auch von einem Notar beglaubigte Kopien anfertigen und den vertretenden Personen ein Dokument geben.

Was ist der Unterschied zu Patientenverfügung

Die Patientenverfügung beinhaltet die konkrete Regelung von medizinischen Massnahmen. Der Vorsorgeauftrag hingegen bestimmt über administrative Aufgaben, das körperliche Wohlbefinden (z.B. persönliche Pflege) im Allgemeinen und die Vermögensverwaltung. Sowohl der Vorsorgeauftrag als auch die Patientenverfügung sind Teil des Vorsorgedossiers.

Was ist der Unterschied zur Vollmacht?

Sowohl bei der Erstellung der Vollmacht als auch des Vorsorgeauftrages muss der Vollmachtgeber urteilsfähig sein. Die Vollmacht tritt sofort nach der Erstellung einer gültigen Version in Kraft. Der Vorsorgeauftrag ist hingegen erst ab Verlust der Urteilsfähigkeit gültig. Einige Dienstleister wie etwa Banken akzeptieren die Vollmacht nur, solange die Person urteilsfähig ist.

Wer soll mich bei Eintritt der Urteilsunfähigkeit vertreten?

Sie brauchen absolutes Vertrauen in Ihren Vertreter. Suchen Sie im Vorfeld Ihres Entscheides das Gespräch und stellen Sie kritische Fragen; etwa wie die Entschädigung festgelegt werden soll. Machen Sie sich auch Gedanken, wer Ihre Vertretungsperson im Notfall stellvertreten soll.

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