Krankheiten & Symptome

Sorgfaltspflicht und Behandlungsfehler: Was kann ich als Patient tun?

INFO
|
Bild: iStock / Morsa Images

Klagen Patienten über unerwartete Schmerzen und Komplikationen, liegt ein Verdacht auf eine Verletzung der Sorgfaltspflicht nahe. Wann liegt ein Behandlungsfehler vor? Und was können Sie in solchen Fällen tun?

Behandlungsfehler im Schweizer Gesundheitssystem

Ärzte und medizinisches Personal haben die Pflicht, Behandlungsfehler unter allen Umständen zu vermeiden. Gesundheit ist ein höheres Gut als die Wirtschaftsfreiheit. Deshalb brauchen Fachleute und Institutionen im Gesundheitsbereich kantonale Praxis-Bewilligungen. Diese Zulassungen, aber auch Kontrollen durch Kantonsärzte und gegebenenfalls disziplinarische Massnahmen der Kantone sollen Patienten schützen. Von den Kantonen zugelassene medizinische Leistungserbringer (Ärzte, Spitäler etc.) müssen laut Krankenversicherungsgesetz die Qualität ihrer Leistungen transparent ausweisen. Nur so ist eine freie Arztwahl möglich und Behandlungsfehler können auf ein Minimum reduziert werden.

Im Medizinalberuferegister (Medreg) werden die gesperrten Ärzte veröffentlicht. Allerdings sind Strafen oder Massnahmen nicht einsehbar.

Zum Comparis-Ärzteverzeichnis

Was bedeutet die Sorgfaltspflicht bei Ärzten?

Als Patient haben Sie das Recht auf eine sorgfältige medizinische Diagnose, Beratung, Betreuung und Behandlung. Medizinischen Behandlungen sind mit Risiken verbunden und können auch bei sorgfältiger Arbeit zu Komplikationen oder sonstigen Schäden führen. Nur wenn die Sorgfaltspflicht nachweislich verletzt worden ist, lohnt sich die Einleitung rechtlicher Schritte.

Wann liegt eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor?

Für eine Verletzung der Sorgfaltspflicht muss der Schaden durch Unwissenheit, Nachlässigkeit, Ungeschicklichkeit oder Absicht des Arztes entstanden sein. Wenn die Handlungen eines Arztes nicht dem Normalverhalten anderer Ärzte in gleicher Lage entspricht oder sein ärztliches Vorgehen nicht dem aktuellen Wissensstand gerecht wird, liegt ein Behandlungsfehler vor.

Im Einzelfall spielen weitere Faktoren eine Rolle:

  • Um welche Art des Eingriffs oder der Behandlung handelt es sich?
  • Liegt die Entscheidung des Arztes in seinem Ermessensspielraum? Die Entscheidung muss nicht optimal, aber vertretbar sein.
  • Welche Mittel und wie viel Zeit hatte der Arzt in der Situation zur Verfügung?
  • Hat der Arzt sein Fachwissen durch Fortbildungen aktuell gehalten?
  • Hat der Arzt seine fachliche Kompetenz überschritten?

Wann besteht eine Haftpflicht seitens Arzt?

Für einen Haftpflichtfall müssen drei Kriterien erfüllt sein. Erst dann kann ein Patient Schadenersatz verlangen.

  1. Es muss ein Fehler vorliegen.
  2. Es muss ein Schaden entstanden sein (z.B. Behandlungskosten, Pflegekosten, Erwerbsausfall, Invalidität).
  3. Der Fehler muss den vorliegenden Schaden verursacht haben (ursächlicher Zusammenhang).
Zur Hausrat- & Privathaftpflicht-Versicherung

Wie gehe ich bei Verdacht auf Behandlungsfehler vor?

Die Beweislast für einen Behandlungsfehler liegt immer beim Patienten. Seien Sie sich bewusst, dass die Erfolgschancen auf Schadensersatz grundsätzlich eher gering sind. Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler empfehlen sich folgende Schritte:

  1. Gespräch suchen: Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt. Teilweise klärt das bereits Ihr Unbehagen.Vielleicht wusste der Arzt gar nicht, dass Sie mit der Behandlung oder dem Resultat unzufrieden sind. Teils haben Patienten zu hohe Erwartungen an eine Heilung oder unterschätzen die Risiken. Darum lohnt es sich, diese nochmals mit dem Arzt zu klären. Finden Sie keinen gemeinsamen Nenner, empfiehlt es sich, eine Zweitmeinung einzuholen.
  2. Rechtsschutzversicherung abklären: Klären Sie ab, ob Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, und melden Sie den Schaden der entsprechenden Versicherung. Rechtsschutzversicherungen bieten z.B. Zusatzversicherung bei Krankenkassen oder die Schweizerische Patientenschutzorganisation (SPO) an.
  3. Gutachterstelle einbeziehen: Lassen Sie sich von einer Gutachterstelle beraten. Mögliche Kunstfehler-Gutachten können Sie bei der SPO oder FMH-Gutachterstelle einholen. Bei einer vorgängigen Einigung zwischen Ihnen und Ihrem Arzt auf einen medizinischen Gutachter steigt die Chance auf eine Einigung. Alternativ können Sie auch selbst eine Zweitmeinung bei einem Fachspezialisten für das betreffende Problem einholen. Eine weitere Möglichkeit bietet das gemeinschaftliche Gutachter-Konsilium (GGK). Dieses hat sich auf rechtliche Fragen im medizinischen Bereich spezialisiert.
  4. Meldung an den Kantonsarzt: Bei wiederholt auftretenden Ungereimtheiten muss der Kantonsarzt einschreiten. Dieser kann den Arzt verwarnen, einen Verweis aussprechen, ihn büssen, ihm Auflagen erteilen oder ihm befristet oder unbefristet die Betriebsbewilligung entziehen und es ihm verbieten, eine eigene Praxis zu führen oder auch als angestellter Arzt tätig zu sein.
  5. Rechtliche Schritte einleiten: Aufgrund des fachlichen Gutachtens lässt sich abschätzen, wie hoch ihre Erfolgschancen bei einer aussergerichtlichen Einigung oder einem Gerichtsprozess sind. Rechtliche Schritte sollten Sie erst einleiten, wenn Sie wissen, was bei einem Verfahren auf Sie zukommen kann (inkl. Kosten).

Hinweis: Die Gutachterstelle behandelt keine Streitigkeiten zwischen Patient und Versicherung (Krankenkassen, Unfallversicherungen, Invalidenversicherung, Militärversicherung etc.).

Was muss ich bei gerichtlichen Konflikten beachten?

Gemäss der SPO werden schätzungsweise 98 Prozent der Konflikte zwischen Patienten und Ärzten aussergerichtlich gelöst.

Die gerichtlichen Kosten sind für die meisten Patienten nicht tragbar. Darüber hinaus müssen Patienten eine Vorschusszahlung machen, wenn ein Fall vor Gericht kommt. Informieren Sie sich also frühzeitig über eine Patientenrechtsschutzversicherung, die Sie bei der Finanzierung eines solchen Falles unterstützen kann.

Beachten Sie auch, dass sich gerichtliche Fälle oft in die Länge ziehen. Bei Prozessen sollten Sie die Verjährungs- und Verwirkungsfrist beachten. Haftpflichtansprüche verjähren innerhalb von zehn Jahren. Bei Fällen gegen ein öffentliches Spital können die Verwirkungs- und Verjährungsfristen noch kürzer sein.

Zum Comparis-Ärzteverzeichnis