Systemmängel bei Rabatten in Grundversicherung führen zu 3,1 Milliarden Franken Quersubventionierung

Comparis-Kurztagung zu Alternativen Versicherungsmodellen


Comparis präsentierte heute an einer Kurztagung gravierende Systemmängel bei den Rabatten der Grundversicherung: Vor allem alternativ Versicherte subventionieren Standardversicherte, weil die Krankenkassen nicht voll den ihnen zustehenden Rabatt weitergeben können. «Die Versicherer benötigen unbedingt mehr Spielraum zur Förderung der integrierten Versorgung, um so nachhaltig das Kostenwachstum zu stabilisieren», fordert darum Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly.

Zürich, 23. September 2019 – An der diesjährigen gesundheitspolitischen Kurztagung am 23. September in Bern befasste sich der Online-Vergleichsdienst comparis.ch mit dem Thema «Alternative Versicherungsmodelle» und präsentierte gravierende Systemmängel bei der geltenden Ermässigungspolitik der obligatorischen Grundversicherung.

Heute müssen die Versicherten mit Rabatten somit eine Unterdeckung des Standardversicherungsmodells von gut 3,1 Milliarden Franken ausgleichen. Hauptgrund sind die Rabattierungsregeln bei Wahlfranchisen und AVM. Der kombinierte Rabatt setzt sich zusammen aus einem fixen Frankenbetrag von maximal 1'540 Franken bei der Wahl der Höchstfranchise von 2’500 Franken sowie einer ergänzenden prozentualen Ermässigung auf die Standardprämie für ein alternatives Versicherungsmodell (AVM).

Halb so viel Rabatt für alternative Modelle in Appenzell Innerrhoden wie in Basel-Stadt

Die Rabattlimite von 50 Prozent führt dazu, dass Versicherte mit Höchstfranchise und AVM in Kantonen mit tiefen Standardprämien für ihr AVM nicht den Rabatt bekommen, der ihnen aufgrund der Kostenersparnis durch den Verzicht auf die freie Arztwahl zustehen würde. In Appenzell Innerrhoden erhalten AVM-Versicherte mit einer Maximalfranchise von 2'500 Franken konkret nur halb so viel Rabatt für ihr Versicherungsmodell (14 Prozent) wie Versicherte in Basel-Stadt (29 Prozent).

Abschaffung von Standardprämie als Referenz und Aufhebung von Maximalbetrag

«Alternative Versicherungsmodelle bewirken risikobereinigt Kosteneinsparungen zwischen rund 5 und 25 Prozent. Die Versicherer benötigen darum unbedingt mehr Spielraum zur Förderung der integrierten Versorgung», fordert Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Um mehr Anreize für die Wahl alternativer Versicherungsmodelle zu schaffen, sei zum einen die Prämie der Standardgrundversicherung als Referenzprämie für alle AVM-Prämien abzuschaffen. «Die Prämienkalkulation für ein Produkt soll sich nicht mehr an einem anderen Produkt wie der Standardgrundversicherung orientieren, sondern an der Risikostruktur – also im wesentlichen medizinische Kosten und Risikoausgleich – des Versichertenkollektivs, das dieses Produkt gewählt hat», verlangt er.

Das sei gerechtfertigt, weil die Referenzpopulation immer kleiner wird: Nicht einmal mehr 20 Prozent der Versicherten wählen das Standardmodell mit Minimalfranchise. Zudem verbessere sich der Risikoausgleich stetig. Zum anderen fordert Comparis eine Aufhebung der fixen Begrenzung des Wahlfranchisen-Rabattes auf 1'540 Franken. Stattdessen schlägt Schneuwly eine Fixierung auf 25 Prozent vor. «Damit wird verhindert, dass der Franchisenrabatt bei tiefen Prämien prozentual höher ist als bei hohen Prämien».

«Die Prämienregeln bei der Grundversicherung bremsen die integrierte Versorgung»

Der Gesundheitsökonom Pius Gyger hat im Auftrag von Comparis die Prämiengestaltungs-möglichkeiten der Grundversicherung untersucht. Das Fazit seines Reports «Die Prämienregeln bei der Grundversicherung bremsen die integrierte Versorgung»: Gesetzliche Einschränkungen bei der Prämiengestaltung führen dazu, dass Krankenkassen zu wenig starke Anreize für die Etablierung effizienter Versorgungssysteme zur Verfügung haben. Das bremst die integrierte medizinische Versorgung. Im Besonderen sind seines Erachtens alternative Versicherungs-modelle benachteiligt. Weil der maximale Rabatt bei den Franchisen in absoluten Beträgen limitiert wird, der Gesamt– und der AVM-Rabatt hingegen prozentual, wirken beide Rabatt-Elemente je nach Kanton unterschiedlich. In Kantonen mit relativ tiefen Kosten, ist der maximale Rabatt der Wahlfranchisen relativ hoch. Das kann dazu führen, dass trotz höheren Einsparungen in alternativen Versicherungsmodellen nicht der entsprechende Rabatt gewährt werden kann. Er zeigt in seiner Analyse zwei Lösungsvarianten auf. Zum einen kann eine Prämienflexibilisierung innerhalb der 50-Prozent Rabattlimite gemeinsam mit der Abschafffung des Kosteneinsparungnachweises eine stärkere Förderung alternativer Versicherungmodelle bewirken. Zum anderen schlägt Gyger eine Aufhebung der fixen Begrenzung des Wahlfranchisen-Rabattes auf 1’540 Franken vor. Stattdessen soll er auf 25 Prozent fixiert werden. Und letztlich soll die Vertragsfreiheit bei alternativen Versicherungsmodellen sowohl für Versicherer wie für Leistungserbringer gleichermassen gelten.

Weitere Informationen:
Felix Schneuwly
Krankenkassen-Experte
Mobile: 079 600 19 12
E-Mail: media@comparis.ch
comparis.ch

 

Über comparis.ch
Mit über 80 Millionen Besuchen im Jahr zählt comparis.ch zu den meistgenutzten Schweizer Websites. Das Unternehmen vergleicht Tarife und Leistungen von Krankenkassen, Versicherungen, Banken sowie Telecom-Anbietern und bietet das grösste Schweizer Online-Angebot für Autos und Immobilien. Dank umfassender Vergleiche und Bewertungen bringt das Unternehmen Transparenz in den Markt. Dadurch stärkt comparis.ch die Entscheidungskompetenz der Konsumenten. Gegründet 1996 vom Ökonomen Richard Eisler beschäftigt das Unternehmen heute rund 180 Mitarbeiter in Zürich.

 

Kontakt

Medienstelle
Tel +41 44 360 53 91
Email media@comparis.ch