Für unteren Mittelstand lohnt sich maximale Säule 3a in diversen Kantonen nicht

Comparis-Analyse zu Säule-3a-Einzahlungen


Einzahlungen in die Säule 3a lohnen sich im aktuellen Tiefzinsumfeld wegen der steuerlichen Begünstigung. Das gilt aber nicht immer für den unteren Mittelstand. Grundsätzlich ist hier die Steuerrendite tiefer als bei höheren Einkommen. Die Steuerersparnis beträgt zudem auch bei einer Einzahlung des Maximalbetrags von 6’826 Franken in diversen Kantonen nicht einmal 1’000 Franken. Das zeigt eine Analyse von comparis.ch. «Statt das Geld bis zum Rentenalter zu binden, wäre es für Sparwillige besser, das Geld in der frei zugänglichen Säule 3b anzulegen», empfiehlt Comparis-Finanz-Experte Frédéric Papp.

 

Zürich, 28. Februar 2019 – Die Banken verzinsen Einlagen in der Säule 3a aufgrund des allgemein tiefen Zinsniveaus kaum noch. Die wahre Rendite liegt denn auch in der Steuerersparnis. Im Durchschnitt nimmt die prozentuale Steuerersparnis mit sinkendem Einkommen zwar zu. Eine Analyse des Online-Vergleichsdienstes Comparis zeigt jedoch: Gerade für den unteren Mittelstand lohnt sich je nach Wohnort selbst eine maximale Einzahlung steuerlich nicht.

 

Grundsätzlich fällt laut der Analyse die Rendite bei Einkommen der untersten Mittelschicht im Verhältnis zur maximal möglichen Säule-3a-Einzahlung von derzeit 6’826 Franken tiefer aus als bei der obersten Mittelschicht. Im schweizerischen Durchschnitt beträgt sie für Alleinstehende mit einem Bruttoeinkommen von 47’160 Franken 17,6 Prozent (Tabelle siehe Report). Der oberste Mittelstand hingegen erzielt im Schnitt rund 10 Prozent mehr Rendite, nämlich 27,5 Prozent mit einem Bruttoeinkommen von 101’052 Franken (Tabelle siehe Report).

 

Gutverdienende Familien erzielen doppelt so hohe Rendite

 

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Verheirateten mit zwei Kindern. Sie erzielen mit einem Bruttoeinkommen von 99’036 Franken (unterste Mittelschicht) bei maximaler Säule-3a-Einzahlung im Schnitt 17,6 Prozent Rendite. Familien der obersten Mittelschicht mit einem Bruttoeinkommen von 212’220 Franken generieren mit rund 34 Prozent fast die doppelte Rendite (Tabellen siehe Report).

 

Das Bundesamt für Statistik definiert die Spanne der Schweizer Mittelstandseinkommen ab einem Bruttoeinkommen von 47’160 Franken bis 101’052 Franken für Alleinstehende und von 99’036 bis 212’220 Franken für Familien. Anhand diese Werte berechnete der Online-Vergleichsdienst comparis.ch das Steuersparpotenzial in Franken und Prozent für die 26 Kantonshauptorte.

 

Neuenburger an der Spitze

 

In verschiedenen Kantonen kann es sich auch für weniger verdienende Familien lohnen, möglichst viel Geld in die Säule 3a einzuzahlen – sofern es ins Budget passt. Mit 1’728 Franken fällt das Steuergeschenk in Neuenburg am grössten aus. Die Rendite auf Säule-3a-Einzahlungen ist hier dank dem Steuergeschenk mit 25,3 Prozent auch am höchsten. Allerdings bezahlt eine Familie hier mit 8’736 Franken auch überdurchschnittlich viel Steuern (Durchschnitt Kantonshauptorte: 4’908 Franken) nach Abzug der maximal für Angestellte erlaubten Säule-3a-Einzahlung von 6’826 Franken.

 

An zweiter Stelle folgen Basel und Liestal mit 1’612 beziehungsweise 1’543 Franken und einer Rendite von 23,6 beziehungsweise 22,6 Prozent. Im Mittelfeld liegen Fribourg, Bern, Frauenfeld, Chur, Luzern, St. Gallen, Bellinzona, Glarus, Stans und Aarau mit Renditen zwischen 15 und 19 Prozent sowie Steuerersparnissen zwischen 1’087 und 1’289 Franken.

 

Demgegenüber gibt es Kantone, wo der untere Mittelstand gleich doppelt abgestraft wird und nebst einer hohen Einkommensbelastung durch die Einzahlung in die Säule 3a auch praktisch keine Steuerersparnis bekommt. Kleiner als 1’000 Franken oder unter 15 Prozent Rendite ist das Steuergeschenk in den Kantonshauptorten Zürich (992 Franken), Sarnen (972 Franken), Schwyz (898 Franken) und Zug (433 Franken).

 

Der entscheidende Faktor für die Höhe des Steuerabzugs ist dem sogenannten Grenzsteuersatz geschuldet. Er zeigt, wie stark ein zusätzliches Einkommen besteuert wird. «In Kantonen und Gemeinden mit hoher Steuerlast sollte man die Sparmöglichkeiten der Säule 3a nutzen, sofern man genügend Geld vorrätig hat», rät Comparis-Finanz-Experte Frédéric Papp.

 

Säule 3b als Alternative

 

In Kantonen mit tieferer Steuerlast sollten sich jedoch besonders Personen der unteren Mittelklasse eine maximale Einzahlung in die Säule 3a gut überlegen. «Steuerpflichtige unterer Einkommensklassen binden im Vergleich zur gutverdienenden Schicht überproportional viel Kapital, um Steuern zu senken», warnt Papp. Das Geld fehle dann womöglich für anderweitige Investitionen, beispielsweise für Ausbildungen. Deshalb rät er in diesen Fällen eher zum Sparen in der Säule 3b.

 

«Die Säule 3b ist zwar nicht steuerprivilegiert. Dafür haben Sparer jederzeit Zugriff auf das Kapital. Einzahlungen können auf das persönliche Budget abgestimmt werden», so der Comparis-Finanz-Experte. Ein Einzahlungslimit wie bei der Säule 3a gäbe es zudem nicht.

 

Gutverdienende haben mehr Vorsorge-Möglichkeiten

 

Die Progression bewirkt hingegen, dass gutverdienende Familien und Alleinstehende deutlich mehr Steuern bezahlen müssen als Steuerpflichtige der unteren Mittelschicht. Zum Vergleich: Gutverdienende Familien mit einem Bruttoeinkommen von 212’220 Franken zahlen nach Abzug der maximalen Säule-3a-Einzahlung von 6’826 Franken im Schnitt 31’036 Franken Steuern. Familien mit einem Bruttoeinkommen von 99’036 Franken zahlen durchschnittlich 4’908 Franken. Ähnlich sieht das Bild bei Alleinstehenden aus. Die obersten Einkommen der Mittelschicht (101’052 Franken) werden vom Fiskus im Schnitt mit 13’214 Franken belastet. Bruttoeinkommen von 47’160 hingegen mit durchschnittlich 2’739 Franken.

 

Der gutverdienenden Mittelschicht bleibt nach Steuern naturgemäss mehr im Portemonnaie. «Der Aufbau einer Säule 3a oder 3b ist somit finanziell besser verkraftbar als bei Steuerpflichtigen mit geringeren Bruttoeinkommen», so Papp.

 

Guthaben in der Säule 3a dürfen frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter (Frauen 59. Altersjahr, Männer 60. Altersjahr) bezogen werden. Ausnahmen bestehen unter anderem für den Erwerb von Wohneigentum, den Gang in die Selbstständigkeit oder dem endgültigen Verlassen der Schweiz. Bei der Auszahlung fällt zudem eine einmalige Kapitalsteuer an. Diese ist je nach Wohnkanton unterschiedlich hoch.

 

Politik in der Pflicht

 

«Die demografische Entwicklung der Schweizer Bevölkerung und die anhaltend tiefen Kapitalmarktzinsen belasten die Alters- und Hinterlassenenversicherung sowie die berufliche Vorsorge mehr denn je», warnt Papp. Eine nachhaltige Finanzierung dieser ersten beiden Säulen im hiesigen Vorsorgesystem sei nur über geringere Renten und mehr Beitragsjahren zu erreichen. Im Wissen darum gewinne die 3. Säule deshalb immer mehr an Bedeutung für Vorsorgesparer.

 

Der Aufbau einer dritten Säule ist laut dem Experten für den untersten Mittelstand indes kein einfaches Vorhaben. Jede vierte Person der unteren Mitte ist laut Bundesamt für Statistik mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert.

 

Die dritte Säule bedarf laut Papp somit auch einer Reform. «Ein mögliches Instrument wäre, Einzahlungen in die Säule 3a rückwirkend für beispielsweise zehn Jahre zu erlauben. Eine solche Option würde dem Umstand gerecht, dass man einkommensschwache Jahre mit einkommensstärkeren Jahren kompensieren könnte», fordert er.

 

Vollständiger Report im Comparis Download Center verfügbar. 

 

Methodik

comparis.ch hat auf Basis einer Einzahlung in die Säule 3a in Höhe von 6’826 Franken (Maximalbetrag für 2019) die Steuerersparnis in den 26 Kantonshauptorten berechnet. Angewendet wurden die Berechnungen für Verheiratete ohne Konfession mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 99’036 und 212’220 Franken. Für Alleinstehende ohne Kinder und Konfession diente als Berechnungsbasis ein Bruttoeinkommen von 47’160 und 101’052 Franken. Die Einkommensdaten stammen von der Haushaltsbudgeterhebung 2016 des Bundesamtes für Statistik. Wer ein Bruttoeinkommen innerhalb dieser Spannbreiten verdient, gehört laut dieser Erhebung zum Schweizer Mittelstand. Zur Steuerberechnung wurde der Steuerrechner der UBS verwendet.

 

Weiterführende Links

 

Comparis-Analyse zu Sparen in der Säule 3a


Comparis-Studie zu 3a-Splitting

 

 

Weitere Informationen:

Frédéric Papp

Finanz-Experte

Telefon: 41 44 360 34 30
E-Mail: media@comparis.ch

comparis.ch

 

 

Über comparis.ch

Mit über 80 Millionen Besuchen im Jahr zählt comparis.ch zu den meistgenutzten Schweizer Websites. Das Unternehmen vergleicht Tarife und Leistungen von Krankenkassen, Versicherungen, Banken sowie Telecom-Anbietern und bietet das grösste Schweizer Online-Angebot für Autos und Immobilien. Dank umfassender Vergleiche und Bewertungen bringt das Unternehmen Transparenz in den Markt. Dadurch stärkt comparis.ch die Entscheidungskompetenz der Konsumenten. Gegründet 1996 vom Ökonomen Richard Eisler beschäftigt das Unternehmen heute rund 180 Mitarbeiter in Zürich.

 

 

Kontakt

Medienstelle
Tel +41 44 360 53 91
Email media@comparis.ch