Pflegekosten: Schweizer geben wegen Unwissen bis zu 22'560 Franken jährlich zu viel aus

Umfrage zu Pflegewissen zeigt massive Wissenslücken


Das Wissen über das Pflegesystem Schweiz ist mangelhaft: So ist vier Fünftel der Bevölkerung unbekannt, dass die Hilflosenentschädigung unabhängig von Einkommen oder Vermögen greift. Patienten und Angehörige lassen sich so bis zu 22'560 Franken jährlich entgehen. Das zeigt eine Umfrage von Comparis und der Universität Luzern.

Zürich, 14. Dezember 2018 – Fast 350’000 Personen in der Schweiz werden heute zuhause gepflegt. Der Anteil hat sich seit 2011 verdreifacht. Doch das Wissen über das Pflegesystem ist in der Bevölkerung mangelhaft. Eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch und der Universität Luzern zeigt: Vier Fünftel der Befragten ist unbekannt, dass einzig der Bedarf an Unterstützung für die Hilflosenentschädigung relevant ist. Einkommen oder Vermögen spielen dabei keine Rolle. Durch mangelndes Wissen über finanzielle Unterstützung entstehen Patienten und Angehörigen Kosten von bis zu 22'560 Franken jährlich (Beitrag bei maximalem Grad an Hilflosigkeit). Das gilt auch für den Anspruch auf Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe. «Der Finanzierungsdschungel im Gesundheits- und Sozialwesen führt dazu, dass primär die Leute maximale finanzielle Unterstützung bekommen, die sich auskennen oder gut beraten werden. Wichtiger wäre aber, dass vor allem Unterstützung bekommt, wer tatsächlich Unterstützung braucht», sagt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly.

Ausserdem kennen zwei Drittel der Spitexklienten und Personen, die in den letzten zwei Jahren für Angehörige Spitexleistungen gesucht haben, nicht die Höhe des eigenen Selbstbehalts an den Pflegekosten. 15 Prozent aller Befragten geben an, gar keine Kenntnisse über die Pflegefinanzierung zu besitzen. Nur ein Drittel der restlichen Befragten weiss, dass die Finanzierung von Pflegeleistungen kantonal unterschiedlich geregelt ist.

Preis-Leistungsverhältnis als zentrales Auswahlkriterium

Tatsächlich ist eine gute Kenntnis zu Preisen, Leistungen und Finanzierungsmodi zentral. Denn der ambulante Pflegemarkt ist stark fragmentiert und intransparent. So sind heute bereits hunderte von öffentlichen und privaten Anbieter im Markt.

Das Preis-Leistungsverhältnis ist für die Wahl des Spitexanbieters ein zentrales Kriterium. So zählen 35 Prozent der Befragten, die entweder für sich selbst oder andere Spitexleistungen beziehen, ein stimmiges Preis-Leistungsverhältnis zu den drei Hauptkriterien (nebst Anerkennung des Anbieters durch die Krankenkasse mit 39 Prozent und Freundlichkeit des Pflegepersonals mit 37 Prozent). Fast die Hälfte der Leistungsbezüger nutzt nach eigenen Angaben einen öffentlichen Spitexdienst. Ein Drittel hat sich für die private Spitex entschieden. Für eine verbesserte Orientierung der Konsumenten im Pflegedschungel hat comparis.ch deshalb neu einen Spitexvergleich lanciert. «Mit dem neuen Produkt baut Comparis das Angebot für Leute aus, die sich mit der Angebotsvielfalt überfordert fühlen», so Comparis-Krankenkassenexperte, Felix Schneuwly.

 

Nur die Hälfte weiss vom Versorgungsauftrag der öffentlichen Spitex

Im nationalen Durchschnitt kostet eine Stunde Pflege inklusive aller Zuschüsse der öffentlichen Hand bei einer staatlichen Spitex doppelt so viel wie die eines privaten Anbieters. Allerdings erhalten die öffentlichen Spitexdienste auch Subventionen für die Versorgungs- und Ausbildungspflicht. Das wissen nur 52 Prozent der Befragten. Nur ein Drittel weiss, dass Patienten je nach Kanton und Anbieter unterschiedlich viel an die Pflegekosten beitragen müssen. Die Höhe der maximalen Patientenbeteiligung für Pflegeleistungen von 15.95 Franken täglich kennen bloss 14 Prozent der Befragten. Selbst 65 Prozent der Leistungsbezüger konnten die Frage nicht richtig beantworten.

Das wäre aber wichtig zu wissen. Denn private Anbieter haben bezüglich der Restfinanzierung meist das Nachsehen. Sie sind auf die nichtkostendeckenden Beiträge der Krankenversicherung für die Langzeitpflege und dem entsprechenden Selbstbehalt der Patienten von maximal 20 Prozent angewiesen. Für die Kostenberechnung muss deshalb der gesamte Leistungsmix berücksichtigt werden.

60 Prozent wissen nicht, dass Haushaltshilfe nicht gedeckt ist

Aber auch hier zeigt die Umfrage beträchtliche Wissenslücken: 23 Prozent der Befragten ist unbekannt, dass die Grundversicherung Pflegekostenbeiträge leistet, wenn die Pflege durch einen Arzt verschrieben wird. Ebenso wissen 60 Prozent nicht, dass Haushaltshilfe nicht von der Grundversicherung gedeckt ist. 52 Prozent sind sich zuletzt nicht darüber im Klaren, dass auch Mahlzeiten nicht unter die Pflichtleistungen der Krankenkasse fallen. Sarah Mantwill vom Seminar für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik an der Universität Luzern schliesst aus den Ergebnissen: «Es sollte weiter ein Ziel sein, Wissen und benötigte Kompetenzen rund um die Gesundheitsversorgung innerhalb der Schweizerischen Bevölkerung zu stärken, um so den rechtzeitigen Zugang zu wichtigen Gesundheitsdienstleistungen zu unterstützen.»

Comparis schafft Transparenz mit einem Spitexvergleich

Der Markt der Spitexanbieter umfasst bereits fast 2’000 Anbieter und fast 350'000 Leistungsbezüger. Mit seinem neuen Spitex-Vergleich schafft der Online-Vergleichsdienst comparis.ch Transparenz über Anbieter und deren Leistungen und Bewertung.

 

www.comparis.ch/gesundheit/spitex

Methodik

Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch und der Universität Luzern im September 2018 unter 1’050 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.

Weitere Informationen:
Felix Schneuwly
Krankenkassen-Experte
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Dr. Sarah Mantwill
Seminar für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik
Universität Luzern
Telefon: +41 41 229 59 45
E-Mail: sarah.mantwill@unilu.ch

 

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