Mobilität: Schweizer erwarten Elektro-Boom

Repräsentative Umfrage von comparis.ch zur automobilen Zukunft


  • Jeder fünfte Schweizer zwischen 18 und 35 Jahren würde heute ein Elektroauto kaufen
  • Generationenunterschied: Junge Schweizer stehen auf Elektroantrieb, ältere ziehen den traditionellen Verbrennungsmotor vor
  • comparis.ch Automobil-Experte Harry H. Meier: "Elektroautos sind für Käufer so attraktiv wie nie zuvor. Jetzt fehlt es nur noch an einem durchgängigen Ladestellennetz"

Zürich, 21. März 2017 – Bisher war das Angebot an elektrisch fahrenden Autos in der Schweiz sehr gering. Die neue Mobilitätsform blieb für die meisten Schweizer unattraktiv. Das könnte sich jetzt ändern: Erstmals gibt es 2017 sechs alltagstaugliche Elektromodelle, die unter realistischen Bedingungen Distanzen zwischen 200 bis zu 400 Kilometern zurücklegen können. Das kommt besonders bei den unter 35-Jährigen gut an - sie fahren zu einem grossen Teil auf Elektromobilität ab.

Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact befragte comparis.ch 1'038 Schweizer Autofahrer, wie sie zu alternativen Antrieben stehen und ob sie ein solches Auto kaufen würden.

Schweizer rechnen mit Boom bei alternativen Antrieben

Auf die Frage, welche Antriebsart die meisten Fahrzeuge in zehn Jahren in der Schweiz nutzen werden, meinten fast 80 Prozent alternative Antriebe: rund 40 Prozent davon entfallen auf den Elektroantrieb, die anderen 40 auf den Hybridantrieb, die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor. An den klassischen Verbrennungsmotor hingegen glauben nur noch 18 Prozent (Benzin 13,5 Prozent, Diesel 4,2 Prozent). Harry H. Meier, Automobil-Experte bei comparis.ch: «Diese Werte zeigen eindrücklich, dass das Momentum heute ganz klar bei den alternativen Antrieben liegt. Dem Verbrennungsmotor trauen die Schweizer offensichtlich keine Zukunft zu. Der Grund dürfte hierfür nicht zuletzt bei dem nach wie vor heftig diskutierten Dieselskandal liegen, der gerade in den vergangenen Tagen wieder für Schlagzeilen sorgte».

Die Einschätzung der von comparis.ch befragten Schweizer Autofahrer deckt sich weitgehend mit einer Prognose der Beratungsfirma Deloitte*. Darin gehen die Industrieberater davon aus, dass der Anteil von Verbrennungsmotoren bis ins Jahr 2030 auf zwei Prozent sinkt – und der Elektroanteil im Jahr 2020 bereits bei knapp 10 Prozent liegen wird.

Bisher galt ein Elektroauto als reines Nischenprodukt. Das hat sich inzwischen geändert: Mit BMW i3, Hyundai Ioniq Electric, Opel Ampera-e, Renault Zoë und dem Tesla Model S und Model X haben interessierte Autokäufer erstmals eine grössere Auswahl an alltagstauglichen und erschwinglichen Elektrofahrzeugen.

Jung und gut gebildet I: Jeder Fünfte würde ein Elektroauto kaufen

Wie schnell sich die Elektromobilität am Markt durchsetzen kann, hängt stark vom Kaufverhalten der Autofahrer ab. Deshalb wollte comparis.ch wissen, für welche Antriebsvariante sich die Befragten heute bei einem Neukauf entscheiden würden. Ergebnis: Fast jeder Fünfte (19 Prozent) im Alter von 18 bis 35 Jahren gab ein Elektroauto an. Bei der Altersgruppe 56 bis 74 ist es nur jeder Zehnte. Insgesamt ziehen 14 Prozent ein Elektroauto allen anderen Antriebsvarianten vor.

Jung und gut gebildet II: Jeder Vierte fährt auf Elektroautos ab

Geht es um die Elektromobilität, manifestiert sich ein starker Generationenunterschied. Je jünger die befragte Person, desto grösser ihre Begeisterung für umweltfreundliche Antriebsvarianten. Jeder Vierte zwischen 18 und 35 Jahren besitzt eine Schwäche für den Elektroantrieb. Bei den 36- bis 74-Jährigen sind es nur knapp 13 Prozent. Ein ähnlicher Unterschied zeigt sich beim Bildungsniveau. 22 Prozent der Befragten mit Hochschulabschluss hegen die grösste Sympathie für den Elektroantrieb, bei den schlechter Gebildeten sind es nur etwas mehr als 10 Prozent.  

Ungenügende Ladeinfrastruktur

Damit der E-Mobilität in der Schweiz der Durchbruch gelingen kann, ist eine moderne und weitflächige Ladeinfrastruktur nötig. Automobil-Experte Harry H. Meier: «Für die Wohnungsmieter unter den Autofahrern ist es nach wie vor sehr schwierig, zuhause Zugang zu Ladestrom zu erhalten. Viele Vermieter ignorieren die Bedürfnisse von Elektrofahrzeugbesitzern auch heute noch – oft mit dem vorgeschobenen Argument einer fehlenden Nachfrage oder technischer Schwierigkeiten». Aber auch die geringe Dichte an öffentlicher Ladeinfrastruktur macht es den Elektroautofahrern schwer. Meier: «Heute fehlt ein durchgängiges und leistungsstarkes Elektrotankstellennetz. Hier sind alle Stakeholder gefordert, von der Politik über die Elektrizitätsanbieter bis hin zu den Automobilimporteuren und Vermietern».

Die Befragung wurde im Februar 2017 vom Marktforschungsinstitut Innofact AG im Auftrag von comparis.ch bei 1’038 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt und ist repräsentativ. Befragt wurden Personen mit einem Auto im Haushalt.

* Prognose Deloitte 2017. Veröffentlicht in einer Sonderbeilage der deutschen Fachzeitschrift «Automobilwoche»

 

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