Fast jeder zweite Onliner fühlt sich überwacht

comparis.ch publiziert ersten Schweizer Datenvertrauens-Index


Cyberspionage, Datenlecks und Hackerangriffe: Die Schweizer nutzen das Internet ausgiebig, aber 31 Prozent fühlen sich bei der Eingabe persönlicher Daten unsicher. Dies zeigt der erste Schweizer Datenvertrauens-Index, den der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch auf Basis einer repräsentativen Umfrage erstellte. Ihre privaten Daten bedroht sehen die Nutzer vor allem durch Kriminelle und Soziale Netzwerke, weniger durch Geheimdienste.

Zürich, 12. November 2013 – Geheimdienste spähen den privaten Internetverkehr aus, Hacker klauen Kundendaten oder knacken Online-Banking-Zugänge. Die NSA-Affäre hat inzwischen auch die Schweiz erreicht, der US-Geheimdienst hörte Medienberichten zufolge den Internet- und Telefonverkehr in Genf, Bern und Zürich ab. Kaum eine Woche ohne neue Meldungen dieser Art – und das offensichtlich mit Konsequenzen: Knapp ein Drittel der Schweizer fühlt sich bei der Eingabe persönlicher Daten im Internet unsicher. Sie gaben auf einer Skala von 1 «überhaupt nicht sicher» bis 10 «sehr sicher» maximal eine 4 an.

Offenbar hin- und hergerissen
Das ist ein Ergebnis des Schweizer Datenvertrauens-Index, einer repräsentativen Online-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag von comparis.ch unter 1200 Personen durchführte (siehe Methodenkasten). Weitere Aspekte, die in den Datenvertrauens-Index einflossen: das Vertrauen in Online-Dienste beim Umgang mit privaten Nutzerdaten, das subjektive Bedrohungsgefühl vor Datenmissbrauch sowie das Gefühl, beim Internetsurfen überwacht zu werden. Dabei ergab sich gemessen auf der 10er-Skala ein Gesamtindex-Wert von 5,5 Punkten.

Ralf Beyeler, Telecom-Experte von comparis.ch: «Dieser tiefe Wert widerspiegelt das Dilemma vieler Schweizer Internetnutzer. Einerseits sind sie durch die häufigen Berichte über Geheimdienst-Schnüffeleien und Hacker-Attacken verunsichert. Andererseits bietet das Internet so viele Vorteile, dass bei allen Bedenken keine Alternative bleibt.» Weiter merkt er an: «In unserem Nachbarland Deutschland sind die Menschen aber noch weitaus verunsicherter. Gemäss einer ähnlichen Studie fühlen sich dort sogar zwei Drittel der Internetnutzer im Netz nicht mehr sicher.»

Selbst Nutzer misstrauen sozialen Netzwerken
Das mit Abstand geringste Vertrauen geniessen bei den Schweizern die Sozialen Netzwerke, wenn es um den Umgang privater Nutzerdaten geht (siehe Grafik 1). Auf der Skala von 1 «überhaupt kein Vertrauen» bis 10 «sehr starkes Vertrauen» erhielten Facebook, Twitter & Co. einen Durchschnitt von gerade 3,4 Punkten. Interessant hierbei: 71 Prozent der Schweizer misstrauen diesen Diensten grundsätzlich und bewerten das Vertrauen höchstens mit 4 Punkten. Sogar 64 Prozent der Social-Media-Nutzer haben kein Vertrauen in die von ihnen selbst genutzten Dienste.

Wenig Vertrauen wird auch Suchmaschinen entgegengebracht (4,7 Punkte), mehr dagegen E-Mail-Anbietern (6,1 Punkte), Versicherungen (6,2 Punkte) und Online-Shops (6,3 Punkte). Ein starkes Vertrauen geniessen einzig Behörden (7,3 Punkte) und Banken (7,6 Punkte). Dazu Beyeler: «Das schlechte Abschneiden der Sozialen Netzwerk erstaunt nicht. Dass Facebook als die weltweit grösste Plattform ständig Datenschutz-Richtlinien ändert, verunsichert die Menschen. Hinzu kommt, dass der US-Geheimdienst NSA auf die Nutzerdaten von Facebook zugreift.»

45 Prozent fühlen sich überwacht
Stark von Datenmissbrauch bedroht fühlen sich die Nutzer durch Kriminelle (73 Prozent) und Soziale Netzwerke (67 Prozent), weniger durch Geheimdienste (50 Prozent). «Angesichts der massiven Berichterstattung über den NSA-Skandal ist dieser Wert eher niedrig», so Beyeler. Das Gefühl, online überwacht zu werden, haben 45 Prozent. Jeder Neunte fühlt sich sogar sehr stark überwacht.

comparis.ch fragte weiter, wie die Internetnutzer im Netz mit ihren Daten umgehen. Als Konsequenz aus ihren Sicherheitsbedenken geben viele Schweizer persönliche Informationen nur mit Skepsis preis. 45 Prozent geben ihren Vor- und Nachnamen oder die persönliche E-Mail-Adresse «mit Bedenken» an. Für 23 Prozent ist die Angabe der Handynummer absolut tabu, und weitere 25 Prozent geben sie nur «mit grossem Bedenken» an. 35 Prozent stellen keine persönlichen Fotos oder Videos online.

Nur Minderheit nutzt Verschlüsselung und Anonymisierung
Um ihre persönlichen Daten vor Missbrauch zu schützen, greifen die Schweizer auf vielerlei Massnahmen zurück (siehe Grafik 2). Jeder Dritte verschickt vertrauliche Informationen auf dem klassischen Postweg statt per E-Mail. Gerade mal jeder elfte Internetnutzer verschlüsselt wichtige E-Mails, und nur jeder zwölfte surft anonymisiert im Internet, zum Beispiel via Proxy. «Für die meisten Onlinenutzer sind Verschlüsselung und anonymes Surfen technisch zu kompliziert», sagt Telecom-Experte Beyeler. Viel überraschender ist, dass nur 39 Prozent ihren Rechner durch eine zusätzliche Firewall schützen. Immerhin aber bringen 69 Prozent ihre Software durch regelmässige Updates auf den neuesten Stand.

Sieben von zehn Befragten verwenden Online-Banking nur von ihrem eigenen Computer, niemals von fremden Rechnern aus. 25 Prozent benutzen aus Angst vor fremden Zugriffen kein öffentliches WLAN zum Surfen. Jeweils 31 Prozent meiden bewusst soziale Netzwerke und Online-Speicherdienste, sogenannte Clouds. Und 28 Prozent achten darauf, vorwiegend Schweizer Online-Dienste zu nutzen. Nur 1 von 100 Befragten sagte: «Ich treffe keine Schutzmassnahme.»

  

Methode

Für die repräsentative Untersuchung wurden im Oktober in einer Online-Umfrage in der ganzen Schweiz 1216 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren befragt. Die Befragung wird künftig jährlich mit standardisierten Fragen durchgeführt. Ziel ist es, die Einstellungen und das Nutzungsverhalten der Schweizer Bevölkerung zum Thema Datensicherheit und Datenschutz repräsentativ zu messen und zu vergleichen.

 

Grafik1: Persönliche Daten im Internet – wem vertrauen die Schweizer?

Quelle: comparis.ch

Grafik 2: Mit welchen Massnahmen schützen Schweizer ihre Daten?

Quelle: comparis.ch


 

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