Junglenker

Im Auto laut Musik hören: Ist das erlaubt?

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Musik hören am Steuer: nicht nur eine Frage der Ruhestörung, sondern auch des Unfallrisikos. Bild: iStock / simpson33

Die Zürcher Polizei büsst einen Autofahrer, weil er bei offenem Fenster laut Musik hört. Ein Gericht erklärt die Busse für nichtig. Aber Musik am Steuer zu hören ist nicht nur eine Frage der Ruhestörung, sondern auch des Unfallrisikos.

Fast jeder macht es: Musik oder Radio hören im Auto. Manch ein Tuning-Freak baut sein Auto zu einer rollenden Techno-Disco um, ausgestattet mit einer Sound-Anlage so teuer wie der Wagen selbst. Vor allem Junglenker treten nicht nur gerne aufs Gaspedal, sondern drehen ebenso gerne am Volumenregler.

Im oben erwähnten Zürcher Fall fühlten sich drei Polizisten von einem Autofahrer belästigt, der in der Zürcher Innenstadt bei geöffnetem Fenster die Musik laut aufdrehte. Sie verzeigten ihn wegen «Verursachens von vermeidbarem Lärm durch Laufenlassen von lauter Musik». Die Richter sahen das anders, kippten die Busse und damit einen Grundsatzentscheid des Stadtrichteramtes, wonach Musikhören bei offenem Autofenster verboten war.

Wie laut darf ich beim Autofahren Musik hören?

Ruhezeiten

Einerseits gelten die gesetzlichen Ruhezeiten: Junglenker, die nachts mit ihren überlauten Autos unterwegs sind, riskieren nach wie vor eine Verzeigung wegen Ruhestörung.

Sicherheit

Die Frage der Lautstärke ist aber nicht nur eine Frage der Ruhestörung und Belästigung, sondern auch der Fahrsicherheit. Darum schreibt die Verkehrsregelnverordnung vor, dass Autofahrer ihre Aufmerksamkeit der Strasse zuwenden müssen und diese nicht durch Tonwiedergabe und Kommunikations- und Informationssystem beeinträchtigt werden darf.

An Dezibelwerten kann man eine vertretbare Lautstärke nur schwer festmachen, Grenzwerte gibt es keine. Aber eines sollten Autofahrer beachten: Schnell passiert es, dass man die Sirenen eines herannahenden Rettungswagens überhört. Und dann wird es nicht nur für den Autofahrer selbst gefährlich.

Unfälle

Bei Unfällen risikieren Autofahrer, die zu laut Musik hören, das ihnen eine Mitschuld zugesprochen wird.

Unser Tipp: Im Zweifelsfall, in hektischem Verkehr, im dichten Innenstadtgedränge oder bei der Parkplatzsuche einfach mal für einen Moment die Musik ausmachen.

Ist Popmusik besser als Klassik?

Deutsche Forscher der Universität Mainz haben das Musikhören in stressigen Verkehrssituationen untersucht. Ihr Fazit: Wer sich am Steuer mit ruhiger, entspannter Musik umgab, hatte keine Einbussen beim Reaktionsvermögen, keinen schnelleren Puls und auch nicht mehr Stresshormone im Blut als Autofahrer ohne Musikbeschallung.

Der Dortmunder Musikwissenschaftler Günther Rötter hat jedoch herausgefunden: Klassische Musik mit häufigeren Wechseln von Lautstärke, Rhythmus und Tempo lenkt Autofahrer mehr ab als gleichförmige Popmusik. Zugleich zeige sich aber auch, dass Klassik-Hörer defensiver führen würden als Pop-Hörer. Rötters weitere Erkenntnis: Bei ruhigen, monotonen Fahrsituationen, etwa auf einer langen Autobahn quer durch Frankreich, steigert Musik durchaus die Aufmerksamkeit. Darum: Auf langen Strecken oder bei Nachtfahrten hilft Musik sogar. Hörbücher haben eine vergleichbare Wirkung.

Doch aufgepasst: Gerade monotone Techno-Beats und tiefe Bässe können Fahrer in einen rauschartigen Zustand versetzen, der die Konzentration und die Aufmerksamkeit auf den Verkehr gefährlich senkt und das das Unfallrisiko entsprechend erhöht. Zudem gilt, dass sich die Reaktionszeit mit zunehmender Lautstärke verschlechtert und sich der Bremsweg verlängert.