Gesundheit & Prävention

So bewertet die Schweizer Bevölkerung das Verhalten in der Corona-Krise

STUDIE
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Bild: iStock / marchmeena29

Die Schweizerinnen und Schweizer geben diese Woche dem Gesundheitswesen und der eigenen Familie Bestnoten für das Verhalten in der Coronakrise. Das hat eine repräsentative Umfrage von Comparis und dem Meinungsforschungssinstitut Marketagent.com ergeben.

Resultate nach den ersten Lockerungen

Nach dem 11. Mai zeigt sich: Am besten werden weiterhin die eigene Familie und das Gesundheitswesen beurteilt. Stark verbessert hat sich im Laufe des Lockdowns die Beurteilung des eigenen Arbeitgebers: Gut die Hälfte der Befragten beurteilt im Rückblick auf den Lockdown das Krisenmanagement ihres eigenen Arbeitgebers als gut bis sehr gut. Das sind 8,4 Prozent mehr als Ende März. «Die Arbeitgeber haben es innert kürzester Zeit geschafft, fast zwei Millionen Erwerbstätige auf Kurzarbeit zu setzen und für ihre Mitarbeitenden einzustehen. Das wird sehr geschätzt», kommentiert Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp.

Die Schweizer Bevölkerung hat sich von «ungenügend» zu einer knappen 4 hochgekämpft. Damit hat sie sich über die gemessene Zeit am stärksten verbessert (+0,2 Notenpunkte).

Grundsätzlich ist die Rangliste der Akteure über den Lockdown hinweg stabil geblieben. Arbeitgeber, Regierung und Armee belegen das Mittelfeld, die Finanzakteure bewegen sich immer knapp im «genügenden» Bereich.

Resultate aus der dritten und vierten Woche

Zum ersten Mal seit vier Wochen hat die Schweizer Bevölkerung eine genügende Note erreicht. Bei den unter 20-Jährigen stieg die Beurteilung von 3,3 auf immerhin 3,9. Strenger waren die Teenager diese Woche mit der eigenen Familie: Von einer 5,1 in der Vorwoche, reichte es diese Woche nur für eine 4,9.

In Woche drei und vier teilen sich die eigene Familie und das Gesundheitswesen noch immer den ersten Platz mit der Note 5,2.

Die eigene Familie und das Gesundheitswesen teilen sich noch immer den ersten Platz mit der Note 5,2.

Verbessert hat sich in den vergangenen Wochen die Beurteilung des eigenen Arbeitgebers. Mit einer Note von 4,7 belegen die Arbeitgeber inzwischen gemeinsam mit der Armee Rang drei der Liste. «Viele haben im Zug der massiven Zunahme von Kurzarbeit realisiert, wie stark ihr eigener Arbeitgeber von der Krise betroffen ist und dass er für seine Angestellten Verantwortung übernimmt», sagt Comparis-Finanzexperte Leo Hug. Abzuwarten sei, ob sie das gleiche Verständnis und die nötige Geduld aufbringen, falls die Rückkehr zur Normalität unter Auflagen erfolgen sollte.

Resultate aus der zweiten Woche

In der zweiten Befragung in der Woche vom 30. März haben die Befragten die meisten Akteure besser benotet als in der Vorwoche. Die eigene Familie erhält die Note 5,3 und ist somit gemeinsam mit dem Gesundheitswesen (keine Veränderung zur Vorwoche) auf der besten Platzierung.

Zunahme der Finanzakteure

Am meisten gewonnen haben die Finanzakteure – sie bekommen diese Woche die Note 4,3. Comparis-Finanzexperte Leo Hug erklärt sich das so: «Natürlich ist der Lockdown wirtschaftlich einschneidend. Aber die Bevölkerung anerkennt offenbar die massiven Bemühungen der Banken, den Bund bei der Corona-KMU-Kreditvergabe zu unterstützen.»

Das Verhalten der Schweizer Bevölkerung wurde zwar auch diese Woche etwas besser beurteilt als letzte Woche, bleibt aber weiterhin ungenügend, es gibt eine 3,9.

Resultate aus der ersten Woche

In der ersten Befragung, in der Woche vom 23. März, hat das Schweizer Gesundheitswesen, also die Spitäler, Praxen, medizinische Hotlines, die beste Bewertung, nämlich eine 5,27 bekommen. Die zweitbeste Platzierung hatte mit einer Note von 5,17 die eigene Familie.

Die zweitbeste Platzierung hatte mit einer Note von 5,17 die eigene Familie. «Offenbar haben sich viele Familien in dieser schwierigen Situation zusammengerauft und halten zusammen, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen», sagte Liane Nagengast, Senior Researcherin bei Marketagent.

Im Mittelfeld tummelten sich die Leistung der Armee (4,75), dem eigenen Arbeitgeber (4,52) und der Regierung (4,4). Gerade die Bewertung der Regierung war für den Comparis-Experten Felix Schneuwly ein überraschendes Urteil. «Angesichts der schnellen und unbürokratischen Hilfe für die Firmen, Angestellten und Selbstständigerwerbenden ist das schwer verständlich. Offensichtlich werden aber die Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit und der persönlichen Freiheit als zu einschneidend empfunden.»

Die schlechteste Bewertung verteile die Schweizer Bevölkerung sich selbst: Die Befragten benoteten das Verhalten der Schweizer Bevölkerung mit 3,76 als ungenügend. Besonders kritisch gegenüber dem Verhalten der Bevölkerung zeigten sich die 16- bis 19-Jährigen. Sie gaben im Durchschnitt eine Note von 3,3, die 20- bis 39-Jährigen eine 3,4.

Methodik und Hintergrund

Comparis führt zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Marketagent ein wöchentliches Stimmungsbarometer zur Bewältigung der Corona-Krise durch. In einer repräsentativen Befragung kann die Schweizer Bevölkerung die Massnahmen der Akteure benoten von 1 (schwach) bis 6 (sehr gut). Als Akteure gelten: Das Gesundheitswesen (Spitäler, Arztpraxen, medizinische Hotlines etc.), die Regierung, die eigene Familie, der eigene Arbeitgeber, Finanzakteure (Banken, Versicherungen, Nationalbank etc.), die Armee und die Bevölkerung.

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