Gesundheit & Prävention

Lohnfortzahlung während Corona: Was muss ich darüber wissen?

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Bild: iStock / Scharvik

Durch die Verbreitung des Coronavirus in der Schweiz stehen viele Arbeitgeber und -nehmer vor unbekannten Herausforderungen. Wer zahlt den Lohn, falls das Unternehmen kurzfristig schliessen muss? Wie sieht es aus, wenn es sich um einen befristeten Arbeitsvertrag handelt? Comparis beantwortet nachfolgend die wichtigsten Fragen rund um das Thema Lohn.

Fragen und Antworten: Lohn

Bekomme ich weiter Lohn, wenn ich gesund bin, aber mein Betrieb / mein Arbeitgeber eine Quarantäne angeordnet hat?

Bei einer behördlich oder vom Betrieb angeordneten Quarantäne von gesunden, arbeitsfähigen Personen besteht eine Lohnfortzahlungspflicht von Seiten des Arbeitgebers. Die Arbeitgeber müssen zudem besonders gefährdete Personen schützen. Falls Homeoffice nicht oder nur beschränkt möglich ist, wird der Arbeitnehmer beurlaubt. Der Lohn muss Ihnen vom Arbeitgeber weiter bezahlt werden. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber mitteilen, dass Sie zur Risikogruppe gehören. Der Arbeitgeber darf ein Arztzeugnis verlangen, das bestätigt, dass Sie zur Risikogruppe gehören. Bei Unklarheiten oder Problemen kann Ihnen auch die BAG-Hotline weiterhelfen: +41 58 462 21 00.

Achtung: Die Lohnfortzahlung ist nicht garantiert, wenn sich Personen auf Eigeninitiative in Risikogebieten aufgehalten haben. Hierzu bestehen in der Rechtslehre aktuell unterschiedliche Meinungen. Ein höchstrichterliches Urteil existiert derzeit nicht.

Selbständigerwerbende in ärztlich verordneter Quarantäne werden vom Bund in Anlehnung an die Erwerbsersatzordnung mit Taggeldern entschädigt, sofern nicht bereits eine Entschädigung oder Versicherungsleistung besteht. Das Taggeld entspricht 80 Prozent des Einkommens und beträgt höchstens 196 Franken pro Tag. Die Anzahl Taggelder für Selbstständige in Quarantäne ist auf zehn Tage befristet.

Wenn mein Arbeitgeber keine Taggeldversicherung abgeschlossen hat, wer zahlt dann meinen Lohn bei einer Ansteckung?

Es gilt dann die gesetzliche Lohnfortzahlungspflicht nach Berner, Basler oder Zürcher Skala sowohl für die Quarantäne von Gesunden, wie auch für die Krankschreibung. Die Lohnfortzahlungsdauer richtet sich nach dem Dienstalter des Arbeitnehmenden.

Ich bin im Stundenlohn und/oder temporär angestellt. Mein Betrieb wurde vorübergehend geschlossen, was nun?

Der Bundesrat hat zur Abfederung der ausserordentlichen Situation per 20. März die Kurzarbeitsentschädigung erweitert: Auch Angestellte mit befristeten Verträgen oder Stundenlöhner sollen neu davon profitieren. Auch für Lehrlinge sollen Betriebe Kurzarbeit anmelden können, damit diese nicht die Lehrstelle verlieren. Neu müssen Arbeitnehmende nicht mehr zuerst ihre Überstunden abbauen, bevor sie von Kurzarbeitsentschädigungen profitieren können. Arbeitgeber müssen den betroffenen Arbeitnehmenden 80 Prozent des Verdienstausfalles am ordentlichen Zahltagstermin ausrichten. Dieser umfasst nebst dem vertraglich vereinbarten Lohn auch vertraglich vereinbarte regelmässige Zulagen.

Zum Kurzarbeitsrechner

Ich habe als Arbeitnehmer bereits lange vor dem Ausbruch der Coronakrise Ferien beantragt und genehmigt bekommen. Jetzt aber sind keine Reisen möglich. Kann ich die Ferien zurückziehen oder kann mich mein Arbeitgeber zwingen, die Ferientage zu nehmen?

Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber den Zeitpunkt der Ferien, hat aber die Wünsche des Arbeitnehmenden zu berücksichtigen. Es besteht zudem ein Recht des Arbeitnehmenden auf frühzeitige Zuteilung der Ferien. Die Verschiebung von bereits vereinbarten Ferien ist aus schwerwiegenden Gründe gerechtfertigt. Der Shutdown dürfte ein schwerwiegender Grund sein. In der aktuellen Rechtslage kann der Arbeitgeber auch Arbeitnehmende kurzfristig dazu veranlassen, Ferien zu nehmen als Alternative zur Kurzarbeit. Mitarbeitende, die dann während der Kurzarbeit Ferien beziehen, erhalten 100 Prozent des Lohnes. Eine einvernehmliche Lösung ist also in dieser Krise sehr zu empfehlen: Viele Arbeitgeber kämpfen jetzt um die Existenz der Arbeitsplätze.

Mein Arbeitgeber organisiert Veranstaltungen – während der nächsten Wochen gibt es nun keine Arbeit für mich. Habe ich trotzdem Anspruch auf Lohn?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Stellt er einen Antrag auf Kurzarbeit, bekommen Angestellte 80 Prozent des weggefallenen Verdienstes plus vertraglich vereinbarte regelmässige Zulagen.

Fragen und Antworten: Erwerbsersatzentschädigung

Wer hat Anspruch auf die Corona-Erwerbsersatzentschädigung?

Sofern keine weiteren Entschädigungen oder Versicherungsleistungen ausgezahlt werden, haben folgende Personen Anspruch auf die Corona-Erwerbsersatzentschädigung:

  • Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Fremdbetreuung der Kinder nicht mehr gewährleistet ist
  • Personen, die wegen einer Quarantänemassnahme ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen
  • Selbständigerwerbende, die aufgrund einer bundesrechtlich angeordneten Betriebsschliessung oder des Veranstaltungsverbotes einen Erwerbsausfall erleiden.

Die Entschädigungen werden in Anlehnung an die Erwerbsersatzordnung geregelt und als Taggeld ausgerichtet. Dieses entspricht 80 Prozent des Einkommens und beträgt höchstens 196 Franken pro Tag. Die Anzahl Taggelder für Selbstständige ist auf 30 Tage befristet. Die Prüfung des Anspruches und die Auszahlung der Leistung wird von den AHV-Ausgleichskassen vorgenommen. Sie können das Formular hier online ausfüllen und per Mail an die Ausgleichskasse senden. Ihr Anspruch beginnt am 4. Tag, an dem alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind; für Selbständigerwerbende und Quarantäne also frühestens am 17. März und für die Kinderbetreuung frühestens am 19. März 2020.

Darf ich zu Hause bleiben und mich um meine Kinder kümmern, jetzt wo die Schulen geschlossen haben? Erhalte ich dann weiter Lohn?

Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, die ihre Erwerbsarbeit aufgrund von Schulschliessungen unterbrechen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, haben Anspruch auf eine Entschädigung durch den Bund, sofern nicht bereits eine Entschädigung oder Versicherungsleistung besteht.

Fragen und Antworten: Versicherungen

Bezahlt die Betriebsunterbruchsversicherung bei Pandemie?

Ausfallversicherungen für Betriebe sind sowohl bei Sportveranstaltern und Wirten oder Eventveranstaltern beliebt. Diese bezahlen zwar oft bei Epidemiefällen. Pandemie ist jedoch meist nicht abgedeckt. Inzwischen hat die Versicherungsbranche den Abschluss von Ausfallversicherungen eingestellt.

Fragen und Antworten: Kurzarbeit

Wie verhält man sich als Angestellter bei Krankmeldung bei Kurzarbeit?

Bei Krankheit gelten dieselben Regeln, egal ob Sie normal arbeiten oder Kurzarbeit leisten. Manche Arbeitgeber verlangen sofort ein Arztzeugnis, andere nach drei oder mehr Tagen Krankheit.

Wie muss ich als Gewerbler für die Bewilligung von Kurzarbeit vorgehen?

Die Bewilligung von Kurzarbeit erfolgt durch die Arbeitslosenversicherung (ALV) und ist durch den Arbeitgeber zu beantragen. Das Vorgehen erfolgt in 3 Schritten:

  • 1. Holen die die rechtlich geforderte, schriftliche Zustimmung der Mitarbeitenden zur Kurzarbeit ein. Nutzen Sie das entsprechende Formular.
  • 2. Reichen Sie das Gesuch auf Kurzarbeit bei der jeweiligen kantonalen Amtsstelle ein (KAST). Dafür ist eine Voranmeldung nötig. Diese kann telefonisch erfolgen, muss dann aber schriftlich bestätigt werden oder mit Hilfe des ausschliesslich für Anträge im Zusammenhang mit COVID-19 vorgesehenen Formulars für Kurzarbeit. Links zu Ihrer kantonalen Amtsstelle finden sie hier.
  • 3. Liegt die Bewilligung durch die KAST vor, kann der Anspruch auf Kurzarbeit bei der entsprechenden Arbeitslosenkasse durch das Formular Antrag und Abrechnung Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden. Die Auszahlung erfolgt innert Monatsfrist.

Gibt es einen Selbstbehalt bei Kurzarbeit?

Nein, der Bundesrat hat am 20. März die 2-tägige Karenzfrist für den Bezug von Kurzarbeitsentschädigungen aufgehoben. Auch die 10-tägige Voranmeldefrist wurde aufgehoben. Dennoch muss die Voranmeldung weiterhin bei der zuständigen kantonalen Amtsstelle eingereicht werden.

Wie lange gilt die Bewilligung für Kurzarbeit?

Die Bewilligung für Kurzarbeit wurde im Zusammenhang mit COVID-19 von 3 auf 6 Monate verlängert.

Kann ich bei Kurzarbeit vom RAV für andere Tätigkeiten herangezogen werden?

Ja, das regionale Arbeitsvermittlungszentrum kann Arbeitnehmenden, die von ganz- oder halbtägigem Arbeitsausfall betroffenen sind, eine geeignete, zumutbare Zwischenbeschäftigung zuweisen vgl. Punkt 14.

Arbeitnehmende, deren Arbeit länger als ein Monat eingestellt ist, müssen sich ausserdem selber um eine solche bemühen. In der Firma, in der Sie Kurzarbeit leisten, dürfen sie allerdings nicht zusätzlich arbeiten.

Welche Unternehmen können wegen COVID-19 Kurzarbeit beantragen?

Antragsteller müssen den Arbeitsausfall in einem Kausalzusammenhang mit dem Virus begründen können. Darum haben nur Unternehmen, die per Bundesratsentscheid geschlossen wurden, Anrecht auf einen COVID-19-Credit.

Selbständige Taxifahrer haben demnach aktuell (Stand 31. März) keinen Anspruch auf diese Kreditform, auch wenn ihnen wegen der Corona-Krise die Umsätze zusammengebrochen sind. Sie sind sogar verpflichtet weiter zu arbeiten. Denn ihre Betriebsbewilligung ist mit einer Beförderungspflicht verbunden. Auch Physiotherapeuten, Zahnärzte oder Gastronomiezulieferer können derzeit keinen Kausalzusammenhang ihres Umsatzeinbruchs mit dem Virus geltend machen. Eine Überprüfung dieser Situation wurde von den Behörden bereits mehrmals in Aussicht gestellt.

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