Recht & Gesetz

Kostenfalle Putzkraft: Rund die Hälfte zahlt keine Unfallversicherung

STUDIE
|
Unsere Umfrage zeigt Unwissen bezüglich der Anstellung von Haushaltshilfen. Bild: iStock / CasarsaGuru

Jeder siebte Schweizer gönnt sich eine bezahlte Putzkraft. Zwei Drittel der beschäftigten Putzkräfte arbeiten selbständig. Brisant ist jedoch: Fast die Hälfte der Auftraggeber zahlt für diese Hausangestellten keine Unfallversicherung. Und ein Viertel hat die Haushaltshilfe nicht bei den Sozialversicherungen gemeldet. 

Unsere repräsentative Umfrage bei über 1'000 Schweizerinnen und Schweizern zeigt Unwissen bezüglich der Anstellung von Haushaltshilfen: Ein grosser Teil der Arbeitgeber hat seine Putzkraft nicht korrekt versichert. Bei einem Unfall kann das dramatische Kostenfolgen nach sich ziehen. 

Fehlende Unfallversicherung und Anmeldung bei Sozialversicherungen

Laut Sozialversicherungsrecht müssen Arbeitgeber eine nicht bei einer Firma angestellte Haushaltshilfe bei den Sozialversicherungen und der Unfallversicherung anmelden und für sie Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Genau das tut aber nur rund die Hälfte der Befragten: 46 Prozent der Arbeitgeber einer Putzkraft zahlen keine Unfallversicherung. 14 Prozent wissen nicht, ob sie ihre Putzkraft überhaupt bei der Unfallversicherung angemeldet haben. Bei einem Pensum von über acht Stunden in der Woche ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, die Putzkraft auch gegen Nicht-Berufsunfälle zu versichern. Ein Viertel hat ihre Haushaltshilfe zudem nicht bei den Sozialversicherungen angemeldet.

Die Hälfte zahlt Putzkraft bar

Die Hälfte der Arbeitgeber bezahlt ihre Putzkraft bar. In der Regel geben die Befragten dabei maximal 250 Franken pro Monat aus. «Eine Unfallversicherung für eine Haushaltshilfe kostet um die 100 Franken im Jahr. Das ist ein kleiner Preis im Gegensatz zu den potenziellen Kosten bei einem Unfall der Haushaltshilfe», sagt Nina Spielhofer, Expertin Immobilien & Wohnen bei comparis.ch. Zudem drohen bei Nichtanmeldung bei den Sozialversicherungen Nachzahlungen und Bussen.

Die Folgen von fehlenden Versicherungen

Verunfallt die Putzkraft tatsächlich während der Ausführung ihrer Arbeit und der Arbeitgeber hat keine Unfallversicherung abgeschlossen, kann es teuer werden. Ein solcher Fall wird als erstes einer Ersatzkasse zugewiesen. Der Arbeitgeber muss die nicht bezahlten Prämien für maximal 5 Jahre für die Unfallversicherung inklusive Verzugszins an die UVG-Ersatzkasse nachzahlen. Kommt der Arbeitgeber dieser Forderung nicht nach oder hat er seine Putzkraft wiederholt nicht versichert, kann die Ersatzprämie auf das drei- bis zehnfache des geschuldeten Prämienbetrags ansteigen. Je nach Situation muss sich dann der Arbeitgeber auch allenfalls an weiteren Kostenfolgen beteiligen.

Bei einem Strafverfahren kann zusätzlich eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen erfolgen, wenn das Gericht zum Schluss kommt, dass sich der Arbeitgeber durch unwahre oder unvollständige Angaben oder in anderer Weise der Versicherungs- oder Prämienpflicht ganz oder teilweise entzieht. Dazu ist noch eine Busse bis zu 5000 Franken möglich.

Hat der Arbeitgeber seine Putzhilfe nicht bei der SVA angemeldet, muss er die fehlenden Beiträge bei einer Verurteilung mit einem 50-prozentigen Zuschlag nachzahlen. Wird eine ausländische Putzhilfe ohne Bewilligung angestellt, kann es im schlimmsten Fall sogar geschehen, dass der Arbeitgeber wegen einer vorsätzlichen Beschäftigung von Ausländern, die nicht in der Schweiz arbeiten dürfen, bestraft wird.

Ist kein Arbeitsvertrag vorhanden, kommt je nach Kanton nicht einfach das Obligationenrecht (OR) zur Anwendung, sondern ein vom Kanton erlassener Normalarbeitsvertrag (NAV). Dieser geht oft über das Obligationenrecht hinaus. Der «Normalarbeitsvertrag für hauswirtschaftliche Arbeitnehmer» des Kantons Zürich beinhaltet zum Beispiel folgendes: Haushalte müssen für ihre Putzhilfe eine Krankentaggeldversicherung abschliessen und mindestens die halbe Prämie tragen. Die Versicherung muss ab dem 31. Krankheitstag 80 Prozent des Lohnes zahlen. Das für maximal zwei Jahre. Wer diese Krankentaggeldversicherung nicht abschliesst, muss dann selber genau soviel zahlen, wie die Versicherung übernehmen würde. Dazu kommen noch 80 Prozent des Lohnes für die ersten 30 Tage, die der Arbeitgeber in jedem Fall selber zahlen muss. Hinzu kommen auch noch die Ferienansprüche. 

Wurde der Arbeitnehmer (in diesem Fall die Putzhilfe) nicht korrekt versichert, kann er gegen den Arbeitgeber klagen. Das kann unter Umständen dazu führen, dass Schadenersatz und Genugtuung fällig werden.  

So stellen Sie Ihre Putzhilfe korrekt an

Wollen Sie Ihre Putzhilfe direkt anstellen (also nicht über eine Firma), dann empfiehlt es sich, einen ordentlichen Arbeitsvertrag abzuschliessen. Zusätzlich müssen Sie Ihre Putzhilfe bei allen nötigen Sozialversicherungen anmelden. Dafür gibt es das so genannte «vereinfachte Abrechnungsverfahren». Dieses Formular können Sie auf der Webseite der kantonalen SVA ausfüllen. Überdies sollten Sie bei einem Versicherer eine Unfallversicherung für Hausangestellte abschliessen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bietet zudem auf seiner Website einen Überblick über alle nötigen Schritte.

«Schritt für Schritt Anleitung» des SECO
Mustervertrag SECO für Hausangestellte
Weitere Informationen zum vereinfachten Abrechnungsverfahren
Weitere Informationen zu den NAV

Die meist gehassten Haushaltsarbeiten: Bügeln, Fensterputzen und Abstauben

Die Hälfte der Schweizer hasst Bügeln. Auch Fenster putzen mag fast die Hälfte nicht. Abstauben und die Reinigung des Badezimmers folgen in der Hass-Skala auf Rang drei und vier. Wer eine Putzkraft beschäftigt, lässt zumeist einmal pro Woche putzen. 

Schweizerinnen und Schweizer engagieren eine Putzhilfe vor allem aus folgenden Gründen: Zeitmangel und fehlende Lust am Putzen. Der Zeitmangel wird hauptsächlich mit dem stressigen Beruf begründet. Darauf folgen Hobbys, Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen.

 

Hausarbeiten, die Schweizer hassen.

Hausarbeiten, die Schweizer Frauen am meisten hassen.

Hausarbeiten, die Schweizer Männer am meisten hassen.

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Mieter sind mit ihrer Mietsituation unzufrieden
Rechtsschutz für Hauseigentümer: Was ist gedeckt?
Comparis-Umfrage: Was Schweizer an ihren Nachbarn am meisten stört