Verzweifelt gesucht: Grosse günstige Wohnungen

Comparis-Report zur Wohnzufriedenheit im Mietmarkt


Mehr als ein Viertel der Mieterinnen und Mieter in der Schweiz will in den nächsten 12 Monaten umziehen. Der Bedarf nach einer grösseren Wohnung ist dabei der Hauptgrund. Eine Analyse von Comparis und Innofact zeigt dabei eine grosse Schere zwischen den angebotenen Preisen und der Zahlungsbereitschaft bei teureren Wohnungen mit vier und mehr Zimmern. Eine grosse Nachfrage nach günstigen Wohnungen steht dabei einem Angebotsüberhang teurer Immobilien gegenüber. «Besonders Familien wird der Immobilienmarkt aktuell nicht gerecht», warnt Comparis-Immobilienexperte Frédéric Papp.

Zürich, 25. Oktober 2019 – Die nach der Finanzkrise 2008 eingeläutete Tiefzinsphase macht selbstbewohntes Wohneigentum attraktiver. Die Schweiz bleibt dennoch ein Land der Mieter: Über 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung lebt in einem Mietverhältnis. Comparis als grösster unabhängiger Online-Immobilienmarktplatz der Schweiz analysiert darum gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Innofact jährlich den Mietermarkt in der Schweiz. Der Report 2019 ist der erste der Reihe.

Gefahr von steigendem Überangebot bei grossen, teuren Wohnungen

Mehr als ein Viertel der Mieterinnen und Mieter in der Schweiz will in den nächsten 12 Monaten umziehen. Doch es klafft eine grosse Lücke zwischen den Wünschen und Erwartungen der Wohnungssuchenden und dem Angebot im Markt. Als erstes hat Comparis das Suchverhalten von Wohnungssuchenden in der Schweiz analysiert. Dazu wurden rund 300'000 Wohnungsinserate und 1,9 Millionen Suchanfragen auf comparis.ch von Juli 2018 bis Juli 2019 ausgewertet.

Dabei zeigt sich: Grosse Wohnungen (ab 4 Zimmern) werden relativ zur Zahl der inserierten Wohnungen stärker gesucht als mittelgrosse Wohnungen (3 bis 3.5 Zimmer). Die Anzahl Suchanfragen pro Inserat ist bei grossen Wohnungen um knapp 40 Prozent grösser als bei mittelgrossen Wohnungen. Dabei ist die Anzahl Suchanfragen pro Inserat besonders bei 5- bis 5.5-Zimmer-Wohnungen hoch, nämlich um plus 88 Prozent gegenüber mittelgrossen Wohnungen. Der Suchanfrageüberhang nach grösseren Wohnungen entspricht den Resultaten der ebenfalls im Rahmen der Analyse durchgeführten repräsentativen Umfrage nach der Wohnzufriedenheit im Wohnungsmietmarkt. Hier gibt ein Fünftel der Befragten als Hauptumzugsgrund den Bedarf nach mehr Wohnraum an.

Höhere Preissensitivität bei grösseren Wohnungen

Das Problem: Bei steigender Zimmerzahl klaffen die inserierten Preise und die Erwartungen der Suchenden immer weiter auseinander. Das zeigt sich am Suchpreis-Quotienten. Dafür wurden die Mitten der angegebenen Preisintervalle bei den Suchanfragen durch die durchschnittlichen Preise der entsprechenden Inserate dividiert. Der Suchpreis-Quotient bei den Wohnungsinseraten mit 5- Zimmer-Wohnungen und 5.5-Zimmer-Wohnungen liegt um 6 Prozent tiefer als bei 3-Zimmer-Wohnungen bis 3.5-Zimmer-Wohnungen.

«Die Wohnkosten sind gerade bei Familien relativ zum gesamten Haushaltseinkommen ein hoher wiederkehrender Kostenblock. Deshalb sind sie bestrebt, dauerhaft eine budgetgerechte Wohnung zu finden. Wir gehen daher davon aus, dass diese Haushalte einen Grossteil zu den vielen Suchanfragen bei den grossen Wohnungen beisteuern. Im Vergleich zu mittelgrossen Wohnungen werden bei 5- bis 5.5-Zimmer-Wohnungen pro Inserat fast 90 Prozent mehr Suchanfragen getätigt», beobachtet Comparis-Immobilienexperte Frédéric Papp. Er sieht denn auch eine Gefahr eines steigenden Überangebots bei den grossen, teuren Wohnungen.

Hohe Nachfrage mit grosser Zahlungsbereitschaft bei Kleinstwohnungen

Ebenfalls ein starker Nachfrageüberhang besteht nach 1-Zimmer- bis 1.5-Zimmer-Wohnungen. Hier liegt die Anzahl Suchanfragen pro Inserat 55 Prozent höher als bei mittelgrossen Wohnungen.

Der Suchpreis-Quotient liegt bei diesen Wohnungen um 3 Prozent höher als bei 3-Zimmer- bis 3.5-Zimmer-Wohnungen. «Eine mögliche Ursache könnte sein, dass die Suchenden beispielsweise berufs- oder ausbildungsbedingt möglichst schnell eine solche Wohnung mieten müssen und deshalb weniger preissensitiv sind», so Papp. Laut der Umfrage zählen denn auch berufliche Gründe zu den fünf wichtigsten Umzugsgründen. Bei den Kleinstwohnungen sieht Papp entsprechend keine Gefahr von massiven Leerständen.

Romands sind umzugswilliger

Die französischsprachige Schweiz zeigt mit mehr als einem Drittel (35,5 Prozent) den höchsten Anteil von Umzugswilligen. Er ist grösser als in der Deutschschweiz mit einem Wert von 24,4 Prozent. Im Tessin liegt der Anteil von Umzugswilligen bei 28,7 Prozent. Der Unterschied zu den anderen beiden Regionen ist jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Suche nach mehr Wohnraum könnte ein Grund für die erhöhte Umzugswilligkeit in der Romandie sein. So liegt der durchschnittliche Wohnraum in französischsprachigen Regionen gemäss den Umfrageresultaten mit 75 Quadratmetern deutlich unter dem Wert in der Deutschschweiz und im Tessin (vgl. Appendix). Hinzu kommt der finanzielle Aspekt: In den Städten Genf und Lausanne liegen die Mieten teils deutlich höher als in Deutschschweizer Städten, wie eine im vergangenen Mai publizierte Analyse von Comparis zeigt.

Junge Generationen sind mobiler

Die Analyse der verschiedenen Altersgruppen zeigt: Der Anteil von Umzugswilligen bei den 18- bis 29-Jährigen ist mit fast 37 Prozent am stärksten ausgeprägt. Am kleinsten ist die Umzugswilligkeit bei 60- bis 74-Jährigen.

«Berufswechsel sowie Aus- und Weiterbildungen und ein engerer finanzieller Spielraum bewegen junge Generationen, Wohnraum am Ort des jeweiligen Studien- oder Arbeitsortes zu suchen. Ältere Generationen haben diesen Prozess mehrheitlich abgeschlossen und sind somit sesshafter. Die vergleichsweise hohe Umzugswilligkeit von fast einem Drittel bei den 30- bis 44-Jährigen lässt sich mit Familienzuwachs erklären, was in der Regel den Bedarf nach mehr Wohnraum erhöht», erläutert Papp.

Mehrheitlich zufriedene Mieter

20,4 Prozent der Befragten beurteilen 2019 ihre aktuelle Wohnsituation mit «sehr zufrieden» (Noten von 1 = sehr unzufrieden bis 10 = sehr zufrieden). Weitere 37,7 Prozent verteilen die Noten 9 und 8. Mehr oder weniger glücklich sind 35.9 Prozent (Noten 7 bis 4). Und 6,1 Prozent der Mieterinnen und Mietern vergeben die Noten 3 bis 1.

Die Daten zeigen: Mieterinnen und Mieter mit Wohnsitz in der Deutschschweiz sind glücklicher mit ihrer aktuellen Wohnsituation als jene mit Wohnsitz in der Romandie oder im Tessin. Das zeigt sich zum einen daran, dass die Deutschschweizer ihre aktuelle Wohnsituation zufriedenstellender (Noten 8 bis 10) bewerten als Romands und Tessiner. Stärker ausgeprägt ist zudem die Bewertung einer indifferenten Wohnsituation (Note 7 bis 4) in französisch- und italienischsprachigen Regionen im Vergleich zu den deutschsprachigen Regionen.

Der gesamte Report zum Download.

Methodik

Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Innofact im Juli 2019 im Auftrag von comparis.ch unter 1’091 Personen in der ganzen Schweiz durchgeführt. Die Diskrepanzen zwischen Suchanfragen und Marktangebot basieren auf einer Auswertung von getätigten Suchanfragen (rund 10 Millionen, davon enthielten 1.9 Millionen vollständige Preisangaben) und Inseraten (rund 300'000) auf dem Online-Immobilienmarktplatz von comparis.ch im Zeitraum Juli 18 bis Juli 19.

Weitere Informationen:
Frédéric Papp
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