Höchststand: Über eine halbe Million Personen in der Schweiz sind überschuldet

Comparis-Analyse zur Entwicklung der Zahlungswürdigkeit


Die Überschuldung der Schweizerinnen und Schweizer erhöht sich von Jahr zu Jahr. 2019 ist sie mit einer Quote von 6,5 Prozent Überschuldeten so hoch wie nie zuvor. Die Anzahl überschuldeter Personen ist damit seit 2016 um 118’000 auf 561’000 gestiegen. Das zeigt eine Analyse des Onlinevergleichsdienstes comparis.ch gemeinsam mit der Wirtschaftsauskunftei CRIF. «Schulden machen wird für immer mehr Erwachsene normal», warnt Comparis-Experte Michael Kuhn.

Zürich, 19. September 2019 – Eine Auswertung des Onlinevergleichsdienstes comparis.ch und der Wirtschaftsauskunftei CRIF zeigt die zunehmend hohe Überschuldung der Schweizer Bevölkerung. 6,5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind überschuldet – das entspricht 561'000 Personen. Das ist ein Anstieg von 22 Prozentpunkten seit 2016 und damit auch der Höchststand.

«Schulden machen wird für immer mehr Erwachsene normal», beobachtet Comparis-Finanzexperte Michael Kuhn. «Die Denkweise - das will ich heute haben - ist bei vielen wichtiger als das Morgen oder Übermorgen.» Zwar zahlen die meisten Erwachsenen ihre Leasing- und Kreditschulden pünktlich zurück. «Aber eine Minderheit schafft das nicht und rutscht in die Überschuldung.»

Die Schuldnerquote erfasst alle in der Schweiz lebenden Privatpersonen, die schon einmal Konkurs anmelden mussten, gepfändet wurden, einen Verlustschein haben oder in einer Betreibungsfortsetzung sind (siehe Erhebungsmethodik am Ende der Medienmitteilung).

Höchste Schuldnerquote in der Westschweiz

Am gravierendsten ist die Schuldnerquote in der Westschweiz. Die höchste Schuldnerquote hat Neuenburg mit 10,9 Prozent, gefolgt von Genf mit 10,4 Prozent. Auf der anderen Seite der Skala befinden sich Appenzell Innerrhoden mit 1,6 und Uri mit 3 Prozent.

Männer sind stärker überschuldet als Frauen

Grosse Unterschiede gibt es auch bei den Geschlechtern: Männer sind deutlich höher belastet als Frauen. In der Altersgruppe 46 bis 50 Jahre beträgt die Schuldnerquote bei den Männern 12 und bei den Frauen nur rund 8 Prozent. Zudem sinkt die Schuldnerquote bei den Frauen ab dem 40. Lebensjahr kontinuierlich. Bei den Männern ist sie zwischen 40 und 60 Jahren stabil hoch.

Den Titel für die höchste Schuldnerquote halten entsprechend auch die Männer – und zwar die 36- bis 40-jährigen. Bei Frauen wie Männern ist die Wahrscheinlichkeit, sich zu verschulden, zwischen 26 und 30 Jahren am grössten.

«Frauen scheinen mehr auf finanzielle Sicherheit bedacht als Männer – vor allem mit zunehmendem Alter. Zwischen 18 und 25 Jahren machen Frauen und Männer dagegen fast gleich häufig Schulden», sagt Kuhn.

Auswirkungen der Bonität sind den Schweizern nicht bewusst

Der lockere Umgang mit Schulden kann weitreichende Konsequenzen haben. Rund 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben schon einmal einen negativen Kreditentscheid erhalten, wie eine repräsentative Umfrage* von comparis.ch zeigt. «Fast einem Drittel war dabei nicht bewusst, dass eine schlechte Bonität ein häufiger Ablehnungsgrund ist», so Kuhn. Ein vergleichbares Bild bei den Kreditkartenanträgen: 12 Prozent der Befragten haben schon vergeblich einen Kreditkartenantrag gestellt. Rund ein Viertel vermutete andere Gründe als eine ungenügende Kreditwürdigkeit.

Eine solche erschwert aber den Zugang zu Krediten und Leasings massiv: «Jeder Antrag für eine Kreditkarte, einen Kredit oder ein Leasing führt zu einer Prüfung der Kreditwürdigkeit», sagt Comparis-Experte Kuhn. «Eine schlechte Bonität schränkt die Betroffenen auch im Alltag ein, zum Beispiel beim Online-Shopping.» Denn die Unternehmen prüfen anhand von Bonitätsdaten von Wirtschaftsauskunfteien in Echtzeit, wie gut oder schlecht die Zahlungsmoral des Kunden ist. Genügt diese den Anforderungen der Firma nicht, wird zum Beispiel die Option «Bezahlen auf Rechnung» gar nicht erst angezeigt.

Welche Kriterien beeinflussen die Zahlungswürdigkeit?

Die Zahlungswürdigkeit (Bonität) setzt sich aus verschiedenen messbaren Kriterien zusammen. Wirtschaftsauskunfteien sammeln dazu Daten zum Zahlungsverhalten und zur Identifikation. Als Quelle werden einerseits öffentlich zugängliche Daten, wie solche aus dem Handelsregister und den SHAB-Publikationen, herangezogen, andererseits Zahlungserfahrungsdaten von tausenden Firmen. Aus diesen Informationen wird ein Kredit-Score pro Person berechnet. Diese persönliche Bonität kann bei Wirtschaftsauskunfteien eingesehen werden.

Die Bewertung ihrer Zahlungswürdigkeit können Konsumenten auf der Comparis-Bonitätsauskunft anfragen: www.comparis.ch/bonitaetsauskunft. Die gemeinsam mit der Wirtschaftsauskunftei CRIF erstellte Bonitätsauskunft zeigt den Konsumenten die persönliche Bonität und eine Einstufung im Vergleich zur Schweizer Bevölkerung. Die persönliche Identifikation, die aus rechtlichen Gründen notwendig ist, wird durch sichere, digitale Übertragung vereinfacht.

Methodik

Zur Ermittlung der Schuldnerquote wurden sämtliche Privatpersonen mit Betreibungen ab Fortsetzungsbegehren, Konkursen und Verlustscheinen berücksichtigt. Der Marktführer bei den Wirtschaftsauskunfteien, CRIF, konsolidiert dazu Zahlungserfahrungen von über 10'000 Unternehmen aus der ganzen Schweiz. Die Erhebung wurde zum Stichtag 31. Juli 2019 durchgeführt.

Weiterführende Links

*Repräsentative Umfrage Comparis: https://www.comparis.ch/comparis/press/medienmitteilungen/artikel/2018/banken/betreibungen/zahlungsmoral

Weitere Informationen:
Michael Kuhn
Finanzexperte
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