«Nicht das Gesamtkostenwachstum, sondern die überregulierte Grundversicherung ist das Problem»

KOF-Herbstprognose der Gesundheitsausgaben


Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) prognostiziert in ihrem neusten Bericht für 2019 und 2020 einen Anstieg der Gesundheitsausgaben in der Schweiz um je 3,9 Prozent. Comparis warnt: Das Problem ist nicht das gesamte Kostenwachstum, sondern die überregulierte Grundversicherung. Die Krankenkassen sollten dringend mehr Spielraum für Rabattmodelle bekommen, um kosten- und qualitätsbewusste Versicherte besser zu belohnen, fordert Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. Statt weitere Bürokratie sollten zudem die im Gesetz verankerten Kriterien Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie Qualitätstransparenz konsequent umgesetzt werden.

Zürich, 20. November 2018 – Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) prognostiziert nach einem geschätzten Anstieg der Gesundheitskosten von 3,5 Prozent für 2017 und 3,8 Prozent für 2018 eine leichte Beschleunigung beim Wachstumstempo der Gesundheitsausgaben: Für 2019 und 2020 schätzt die KOF in ihrer heute publizierten, neusten «Prognose der Schweizerischen Gesundheitsausgaben» einen Anstieg von je 3,9 Prozent. Der Online-Vergleichsdienst Comparis warnt allerdings: Es ist falsch, ausschliesslich über eine Senkung der Gesundheitskosten zu diskutieren.

Hohe Zahlungsbereitschaft in der Bevölkerung
Gemäss einer Untersuchung von Comparis ist nicht der Gesamtanstieg der Gesundheitskosten in der Schweiz problematisch. «Die Selbstzahlungen an die Gesundheitskosten entsprechen 85 Prozent der Grundversicherungsprämien», so Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. Das bedeutet: In der Schweiz ist die Zahlungsbereitschaft für Gesundheit nach wie vor hoch und wächst parallel zu den Grundversicherungsausgaben weiter. Im Fokus stehen gemäss der Comparis-Analyse vor allem die Pensions- und Betreuungskosten für Pflegeheime mit rund 5,5 Milliarden Franken.

Zunehmende Quersubventionierung durch alternativ Versicherte
Problematisch sind laut dem Krankenkassenexperten hingegen die Grundversicherungsprämien. Diese werden vor allem für den unteren Mittelstand wegen des steten Anstiegs und der zunehmend restriktiven Prämienverbilligung zur Last.

Tatsächlich könnten viele verantwortungsbewusste Prämienzahler in alternativen Versicherungsmodellen massiv sparen. Ohne die aktuelle Quersubventionierung wären die Prämien in den Rabattmodellen laut Helsana-Prämienreport 2018 pro Jahr nämlich im Schnitt rund 550 Franken tiefer und die des regulären Standardmodells mit ordentlicher Franchise rund 1’800 Franken höher.

«Die Krankenkassen müssen dringend mehr Spielraum bekommen, um Versicherte zu belohnen, die aktiv zur Eindämmung des Kostenanstiegs beitragen», fordert deshalb Schneuwly. Denn heute sei es den Versicherern von Gesetzes wegen nicht erlaubt, den Versicherten mit alternativen Grundversicherungsmodellen günstigere Prämien anzubieten. Genauso könnten sie im Gegenzug die Standardversicherten auch nicht zur Kasse bitten, wenn diese Bagatellen in den Spitalnotfällen oder bei Spezialärzten behandeln lassen.

Staatliche Eingriffe haben Kosten nicht nachhaltig gedämpft
Die gesamten Gesundheitsausgaben sind seit der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung 1996 stetig angestiegen und haben sich seither auf 80 Milliarden Franken verdoppelt. «Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen: Bisher hat kein einziger politischer Eingriff den Kostenanstieg signifikant gedämpft; Angefangen bei der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG), über die Pflege- und Spitalfinanzierung, bis hin zu Medikamentenpreissenkungen», so Schneuwly. Das stehe auch zu erwarten bezüglich der neusten Tarmed-Korrektur per 1. Januar 2018.

Laut Schneuwly besteht grundsätzlich die Gefahr, dass weitere Regulierungsmassnahmen und Mikromanagement wie Tarmed-Eingriffe, Änderungen der Spielregeln für die Festsetzung der Medikamentenpreise oder für die Ärztezulassung etc. eher die Bürokratiekosten in die Höhe treiben, statt die Anreize für Effizienz und Qualität der medizinischen Leistungen zu Lasten der Grundversicherung zu verstärken. «Wirksamer wäre es, die längst im KVG verankerten Grundsätze Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie Qualitätstransparenz umzusetzen», fordert der Comparis-Krankenkassen-Experte.

Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch und die Apothekengenossenschaft TopPharm finanzieren gemeinsam die KOF-Prognosen der Gesundheitsausgaben. TopPharm sponsert die Frühlings-, Comparis die Herbstprognose. Da das Bundesamt für Statistik die Gesundheitsausgaben erst mit zwei Jahren Rückstand publiziert, gibt es keine aktuelleren Daten als die der KOF.

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