Roaming 2015: Trotz Senkung weiter Abzockgefahr

comparis.ch zu den aktuellen Roaming-Tarifen


Pünktlich vor den Sommerferien werben die grossen Schweizer Mobilfunkanbieter mit neuen Roaming-Angeboten. Die Smartphone-Nutzung ist bei Reisen im Ausland massiv günstiger geworden. Das gilt aber nicht für alle Nutzer. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch gibt Tipps, wie man sein Ferienbudget trotz Smartphone-Gebrauch im Griff behält.

Zürich, 19. Mai 2015 – Telefonieren, surfen, SMS schreiben und Strandfotos per WhatsApp den Daheimgebliebenen schicken: «Viele Kunden fahren weiter in die Ferien, ohne sich über Roamingkosten Gedanken zu machen. Das ist ein Fehler. Sie nutzen ihr Smartphone im Ausland zum Standardtarif. Bei Salt und Sunrise werden diese Kunden regelrecht abgezockt», sagt der Telecom-Experte von comparis.ch, Ralf Beyeler. Aber auch mit den neuen derzeit stark beworbenen Roaming-Flatrates bezahlen viele Kunden mehr als nötig.

Wie in den Vorjahren hat der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch die Kosten für einen Warenkorb mit 14 Telefongesprächen und 160 MB Internet-Daten in sieben europäischen Ländern berechnet, einerseits mit dem Standardtarif, andererseits mit der jeweils günstigsten Option.

Der Roaming-Warenkorb für Reisen in Europa

 

Standard-Tarif (in CHF)

mit Option (in CHF)

2015

2014

Veränderung

2015

2014

Veränderung

Swisscom
ohne Infinity Plus

90.90

101.00

-10.10 (-10%)

37.00

45.00

-8.00 (-18%)

Sunrise
ältere Abos

214.35

2528.65

-2314.30 (-92%)

35.00

52.40

-17.40(-33%)

Sunrise
neuere Abos
1

214.35

231.05

-16.70 (-7%)

35.00

52.40

-17.40 (-33%)

Salt

398.20

398.20

--

45.40

53.80

-8.40 (-16%)

Quelle: comparis.ch, Stand: 19. Mai 2015

1Bei Sunrise gilt dieser Tarif nur für folgende Abos: alle «Freedom»-Abos,
alle «Now»-Abos, Flat 1 bis Flat 7, Flex 40, Flex 100, Flex 250.

Der Warenkorb zeigt: Mit Option liegen die Roamingkosten bei allen drei Anbietern deutlich unter 50 Franken. Sunrise ist mit 35 Franken am günstigsten, Swisscom mit 37.00 Franken und der Orange-Nachfolger Salt mit 45.40 liegen ein paar Franken darüber.

Aus der Tabelle geht ausserdem hervor: Im Vergleich zum Vorjahr haben die drei grossen Netzbetreiber Swisscom, Sunrise und Salt die Roamingpreise spürbar reduziert. Sunrise senkte sogar seine Standardtarife erstmals seit über einem Jahrzehnt, bleibt aber mehr als doppelt so teuer wie Swisscom. Noch teurer ist das Roaming zum Standardtarif für Salt-Kunden. «Wer keine Option löst, dem droht nach der Heimkehr aus den Ferien ein böses Erwachen», warnt Experte Beyeler und rät Sunrise- und Salt-Kunden eindringlich: «Man sollte darum nie in die Ferien fahren, ohne eine Option zu lösen.»

Beyeler bezeichnet die Praxis von Salt und Sunrise mit den Roaming-Optionen eine «fiese und kundenunfreundliche Strategie». Er führt aus: «Die Anbieter ignorieren die Bedürfnisse ihrer Kunden. Die Konsumenten wollen einfach telefonieren und bei Lust und Bedarf lossurfen, ohne sich bei der Ferienplanung vorab durch Preislisten wühlen zu müssen.» Zu besonderer Vorsicht rät Beyeler bei Salt. Nach wie vor endet der Abrechnungszeitraum beim Orange-Nachfolger am 9. eines Monats. «Wer also über dieses Datum hinweg für eine Woche in die Ferien fährt, muss die Roamingoption für zwei Monate lösen und zahlen. Und noch ein Kunden-Ärgernis: Ausserdem muss man die Option aktiv abbestellen, sonst verlängert sie sich automatisch», sagt er.

Was bringen die neuen Roaming-Abos?
Seit diesem Frühjahr bieten die grossen Telecom-Anbieter neue Roaming-Flatrates. Die grösste Neuerung der vergangenen Jahre kommt vom Branchenprimus Swisscom: Das Abo «Natel Infinity Plus» bietet eine Roaming-Flatrate für Anrufe und SMS an mindestens 30 Tagen pro Jahr inner-halb Europas. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den beiden grossen Mitbewerbern Salt und Sunrise: Kunden müssen nicht extra eine Roaming-Option lösen. Das Angebot richtet sich aufgrund der hohen Grundgebühr ab 75 Franken jedoch an Nutzer, die mit ihrem Smartphone intensiv kommunizieren.

Und lohnt sich das bequeme Abo auch für den «Durchschnittsnutzer»? comparis.ch hat dafür einen weiteren Warenkorb erstellt und verwendet das bewährte «Durchschnittsnutzer»-Profil, um die Kosten für die Inlandsnutzung zu berechnen. Zusätzlich wird auch die Benutzung im Ausland wie folgt berücksichtigt: mit zwei Wochen Sommerferien auf Mallorca, einer Woche Herbstferien in Griechenland und einem dreitägigen Kurztrip nach Paris.

Jährliche Gesamtkosten für den «Durchschnittsnutzer» (ohne Gerät)

Kosten Inlandsnutzung

(in CHF)

Kosten Auslandsnutzung

(in CHF)

Gesamtkosten

(in CHF)

M-Budget Mobile One (mit Option2)

348.00

135.70

483.70

M-Budget Mobile One (ohne Option1)

348.00

157.60

505.60

Sunrise Freedom Start (mit Option)

567.60

110.00

677.60

Salt Me Unlimited Salt 60 (mit Option)

708.00

147.65

855.65

UPC Cablecom Mobile Plus

348.00

544.00

892.00

Swisscom Infinity Plus S

900.00

900.00

Sunrise Freedom Start (ohne Option1)

567.60

352.65

920.25

Salt Me Unlimited Salt 60 (ohne Option1)

708.00

452.45

1160.45

Aldi Mobile mit Smart 50

220.90

1143.25

1364.15

Quelle: comparis.ch, Stand: 19. Mai 2015

1 aber mit Roaming-Datenpaket(en)
2 für das verlängerte Wochenende ist der Standardtarif günstiger, deshalb wurde dieser berücksichtigt.

Der Vergleich zeigt: Das M-Budget-Angebot «One», hinter dem Swisscom steht, schneidet am besten ab, sowohl mit als auch ohne Option. Auffallend ist, dass das Prepaid-Angebot von Aldi – das günstigste für die Nutzung innerhalb der Schweiz – für die Nutzung im Ausland überhaupt nicht zu empfehlen ist. Der Profilkunde zahlt im Inland zwar nur 221 Franken im Jahr, alleine für die Ferien im Ausland hingegen rund 1150 Franken. Anzumerken ist, dass Swisscom nur Abos mit neuem Gerät anbietet, während die anderen berücksichtigten Abos kein Gerät beinhalten.

Eine Übersicht über die Mobilfunk-Tarife im Ausland finden Sie unter:
http://www.comparis.ch/~/media/comparisons/telecom/roaming/roaming_de.pdf

Spartipps:

  • Wenn möglich das Gratis-WLAN im Hotel und in Restaurants nutzen. Wenn trotzdem das Mobilfunknetz benutzt wird, unbedingt ein Datenpaket kaufen.
  • Kunden von Swisscom und Sunrise sollten über das «Cockpit» einstellen, dass sie Daten nur im Rahmen von Datenpaketen übertragen wollen. «Cockpit» ist eine Internet-Seite, über die Kunden Einstellungen vornehmen können (cockpit.swisscom.ch, cockpit.sunrise.ch).
  • Sich beim Provider über Sparmöglichkeiten informieren: Swisscom bietet ab Juli 2015 für die Ferien ein Roaming-Paket mit 30 Minuten und 30 SMS für 15 Franken an. Bei Sunrise gibt es ab sofort eine Roaming-Flatrate für 39 Franken (1 Woche gültig) bzw. 69 Franken (1 Monat gültig). Salt hat kein vergleichbares Paket, dass sich an Ferienreisende richtet.
  • Handy in den Ferien ausschalten – im Ausland kosten auch eingehende Anrufe.
  • Combox ausschalten – auf die Sprachmailbox umgeleitete Anrufe kosten drei Mal: für die Verbindung ins Ausland, für die Umleitung auf die Combox und fürs Abhören.
  • SMS schreiben statt telefonieren.
  • Öffentliche Telefone benutzen oder sich im Hotelzimmer anrufen lassen.
  • Ausländische Prepaid-SIM-Karte kaufen.

Erläuterungen zu den Berechnungen für den Roaming-Warenkorb:

  • Berücksichtigt wurden die Roaming-Angebote der drei grossen Mobilfunk-Anbieter (Swisscom, Sunrise, Salt), die unabhängig vom gewählten Mobilfunk-Angebot verrechnet werden.
  • Nicht berücksichtigt sind Mobilfunk-Abos, die Roaming-Dienstleistungen enthalten.
  • Der Standard-Tarif wird allen Kunden verrechnet, die sich nicht aktiv für eine Option entscheiden und dafür anmelden.
  • Die Berechnungen basieren auf dem Durchschnittswert einer Gesprächsdauer von 2:30 Minuten.
  • Berechnet wurden die Preise für sieben europäische Ferienländer: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien. Je zwei Gespräche aus jedem Land in die Schweiz.
  • Abreise am 4. Juli, Rückreise am 18. Juli.
  • Datentransfer: 160 MB, gleichmässig verteilt über 10 Tage.


Erläuterungen zu den Berechnungen für den «Durchschnittsnutzer»:

  • Berücksichtigt wurden die Abo-Angebote (SIM-Only) der drei grossen Mobilfunk-Anbieter (Swisscom, Sunrise, Salt), die mindestens in den eigenen Shops verkauft werden sowie weitere ausgewählte Angebote.
  • Swisscom vertreibt keine Abos ohne Gerät (SIM-Only), deshalb musste dort das Abo mit Gerät berücksichtigt werden.
  • Nutzung in der Schweiz: 120 Minuten, 60 SMS, 500 MB Internet pro Monat. Berechnungsannahmen siehe https://www.comparis.ch/telecom/mobile/handy-abo-internet.aspx#hinweise
  • Nutzung im Ausland:
    • 2 Ferienwochen auf Mallorca (ab 4. Juli): 60 Minuten -> Schweiz, 60 Minuten ankommend, 30 SMS, 250 MB
    • 1 Ferienwoche in Griechenland: 30 Minuten -> Schweiz, 30 Minuten ankommend, 15 SMS, 125 M
    • 1 verlängertes Wochenende in Paris: 12 Minuten -> Schweiz, 12 Minuten ankommend, 6 SMS, 50 MB
  • Die Nutzung wird gleichmässig auf die einzelnen Tage verteilt.
 

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