Vorsorge

Versicherungen: Rücktritt kurz nach Vertragsschluss nun möglich

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| von Frédéric Papp |
Bild: iStock / AntonioGuillem

Die Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) enthält zahlreiche Neuerungen für Versicherungskunden. Comparis hat die wichtigsten zusammengetragen.

Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) wurde 1908 aus der Taufe gehoben und erlebte in den folgenden Jahrzehnten diverse Anpassungen. Die letzte Teilrevision trat 2007 in Kraft. Das Parlament feilt seit 2013 erneut an einer umfassenden Teilrevision des VVG und gab im vergangenen Juni grünes Licht. Die Referendumsfrist dauert noch bis zum 8. Oktober 2020. Die Inkraftsetzung könnte auf 2021 hin erfolgen.

Wir haben Ihnen die wichtigsten Änderungen für Versicherungsnehmer in der Folge zusammengetragen. Die Gesamtheit der Änderungen finden Sie hier.

1. Keine «Knebelverträge» mehr

Bisher: In der Versicherungsbranche waren Verträge mit einer Vertragsdauer von bis zu fünf Jahren lange gängige Praxis.

Neu: Mehrjährige Versicherungsverträge können nach Ablauf einer dreijährigen Frist ordentlich von beiden Seiten gekündigt werden.

Tipp: Beharren Sie beim Abschluss eines Versicherungsvertrags immer auf das einjährige Kündigungsrecht.

2. Widerrufsrecht bei neu unterzeichnetem Vertrag

Bisher: Ein unterschriebener Versicherungsvertrag kann frühestens auf Vertragsende unter Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst werden.

Neu: Wer einen Versicherungsvertrag abschliesst, kann davon binnen 14 Tagen ohne Verpflichtung zurücktreten.

Tipp: Analysieren Sie regelmässig und ohne Zeitdruck Ihr Versicherungsportfolio und passen Sie Ihre Versicherungsleistungen gegebenenfalls an.

3. Erweiterte Verjährungsfrist

Bisher: Ein Schaden muss spätestens innerhalb von zwei Jahren nach Schadenseintritt der Versicherung gemeldet werden.

Neu: Diese Frist beträgt neu fünf Jahre.

Tipp: Melden Sie Schäden immer unverzüglich Ihrer Versicherung. So kommen Sie schneller zu Ihrem Geld. Und Sie vermeiden den Aufwand, nach Jahren versicherungsrelevante Dokumente auftreiben zu müssen.

4. Kündigungsverbot für Krankenversicherer

Bisher: Unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist oder nach einem Schadenfall dürfen Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung von beiden Parteien gekündigt werden.

Neu: Das ordentliche Kündigungsrecht sowie das Recht auf Kündigung nach einem Schadenfall steht nur noch dem Versicherungsnehmer offen.

Tipp: Prüfen Sie regelmässig, ob sich ein Wechsel zu einem neuen Anbieter finanziell und bezüglich der angebotenen Versicherungsleistungen lohnt. Kündigen Sie beim alten Anbieter erst, wenn der neue Anbieter Ihre Aufnahme bestätigt hat.

5. E-Mail statt Unterschrift

Bisher: Versicherer verlangen oft eine schriftliche Kündigung inkl. physischer Unterschrift.

Neu: Es genügt auch, eine Kündigungserklärung per E-Mail zu verfassen.

Tipp: Speichern Sie Ihre elektronischen Kündigungserklärungen an einem separaten Ort ab. Fordern Sie vom Versicherer in Ihrer E-Mail stets eine Rückbestätigung Ihrer Kündigung ein.

6. Direktes Forderungsrecht für Geschädigte

Bisher: Der Schadenverursacher muss den Schaden seiner Haftpflichtversicherung melden.

Neu: Der Geschädigte kann seine Ansprüche direkt bei der Haftpflichtversicherung des Schadenverursachers geltend machen.

Tipp: Machen Sie als Geschädigte/r von diesem neuen Recht Gebrauch, wenn Sie keine Zeit verlieren möchten.