Vorsorge

Welche Folgen hat Corona auf meine Vorsorge?

AKTUELLES
| von Leo Hug |
Bild: iStock / Feodora Chiosea

2020 haben die meisten anders geplant. Corona wurde für viele sogar zur wirtschaftlichen Bedrohung. Erfahren Sie hier mehr über die Auswirkungen von Corona auf Ihre Vorsorge.

Zu Jahresbeginn 2020 prognostizierte der Internationale Währungsfonds noch ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent. Inzwischen wissen wir, dass die Wirtschaft im 2020 massiv eingebrochen ist. Corona hatte für viele Erwerbstätige in der Schweiz Kurzarbeit oder Jobverlust und damit weniger Einkommen zur Folge. Die Auswirkungen der Pandemie werden auch 2021 wirtschaftlich spürbar bleiben.

Die Ungewissheit bleibt uns weiter erhalten und das nicht nur wegen des Coronavirus. Auch die Beziehungen zwischen den grossen Wirtschaftsnationen sind ruppiger geworden. Das Jahr 2020 hat uns in Erinnerung gerufen, dass wir die Entwicklung der Volkswirtschaft als Ganzes nicht voraussehen können.

Das Tiefzinsumfeld wirft lange Schatten

Im Vorsorgebereich können wir hingegen recht präzise und sogar langfristig abschätzen, was uns erwartet:

  • Die Menschen werden immer älter. Das wusste man schon vor der Einführung der obligatorischen beruflichen Vorsorge. Bei ihrer Einführung im Jahr 1985 hatte ein 65-jähriger Mann noch eine Lebenserwartung von knapp 15 Jahren. Inzwischen sind es 20 Jahre geworden. Die Lebenserwartung der 65-jährigen Frauen ist von 19 auf 22,7 Jahre gestiegen.
  • In den nächsten Jahren werden die grossen Babyboomer-Jahrgänge aus dem Arbeitsprozess ausscheiden und die im Umlageverfahren finanzierte AHV-Rente beziehen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt.
  • Die Zinsen als dritter Beitragszahler in die Vorsorgesysteme sind seit der Finanzkrise im Jahr 2008 tiefer als zur Zeit der Einführung des BVG angenommen. Auch das weiss man seit Jahren. Die internationalen Anstrengungen, auch mit Hilfe der Notenbanken die Folgen der Corona-Krise abzufedern, lassen vermuten, dass das Tiefzinsumfeld seine Schatten noch weit in die Zukunft wirft.

Unsichere Finanzierung von AHV und Pensionskassen

Aus diesen Gründen ist die Finanzierung von AHV und Pensionskassen alles andere als gesichert. Dennoch tun sich die Volksvertreter unheimlich schwer, die Konsequenzen zu ziehen.

  • Lieber ist der Politik die Beibehaltung des illusionär tiefen und starren Rentenalters: Dem immer kleiner werdenden aktiven Bevölkerungsanteil wird zugemutet, dass er die AHV für eine wachsende Schar von Neurentnerinnen und Neurentnern finanziert. 1980 gab es pro Person über 65 Jahren 3,6 Erwerbstätige. Inzwischen sind es noch 2,9 Erwerbstätige. Ohne echte Reformen werden in 10 Jahren 2,5 Erwerbstätige für das AHV-Einkommen einer Person aufkommen müssen.
  • Lieber nimmt die Politik rechtlich nicht vorgesehene Umverteilungsmechanismen in Kauf: So werden zurzeit der arbeitenden Bevölkerung jährlich rund 7 Milliarden Franken aus Pensionskassenerträgen weggenommen, um unrealistisch hohe PK-Renten zu finanzieren.
  • Lieber hält die Politik im obligatorischen Bereich an einem überhöhten Umwandlungssatz fest: Daraus errechnen sich ungerechtfertigt hohe Renten. Diese muss jemand anders mitfinanzieren. In den umhüllenden Pensionskassen betrifft das die etwas besser Verdienenden mit einem Vorsorgeprogramm im überobligatorischen Bereich. Sie erhalten einen tieferen Umwandlungssatz, als ihnen rein rechnerisch zustehen würde.

Statt das AHV-Alter zu flexibilisieren, setzt die Politik auf immer neue, zum Teil systemfremde Umverteilungsmechanismen. Je länger sie sich einer realistischen Reform der AHV und des Pensionskassenwesens verweigert, desto grösser ist das Risiko für die jüngeren Personen, dass die Leistungen der ersten und zweiten Säule bis zu ihrer Pensionierung weit unter das jetzige Niveau von rund 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens sacken.

Höhere maximale Beiträge 2021 in der Säule 3a

Umso wichtiger wird das eigenverantwortliche Sparen, ohne permanent Umverteilungsmechanismen mitfinanzieren zu müssen. In der Säule 3a sparen Sie tatsächlich für sich selbst. Darüber hinaus optimieren Sie mit der Säule 3a auch noch Steuern: Die geleisteten 3a-Einzahlungen sind vom steuerbaren Erwerbseinkommen abziehbar. Im Jahr 2021 werden die Maximalbeträge für Einzahlungen in die Säule 3a leicht erhöht: bei Versicherten mit Pensionskasse von 6’826 auf 6’883 Franken; für Personen ohne 2. Säule von 34'128 auf 34’416 Franken bzw. maximal 20 Prozent des Nettoeinkommens. Die Anpassung des Maximalbetrags für die Säule 3a wird alle zwei Jahre parallel und im gleichen Ausmass mit den Erhöhungen der AHV-Renten festgesetzt.

Haben Sie den Beitrag in die 3. Säule für das laufende Jahr vergessen? Dann sollten Sie sich mit der Zahlung sehr beeilen. Bequemer als die Hetze kurz vor den Festtagen ist ohnehin ein Dauerauftrag mit regelmässigen Überweisungen in Säule 3a. Während der Weihnachtszeit sollte man schliesslich nicht auch noch an die Vorsorge denken müssen, sondern die Festtage unbeschwert geniessen können.