Kredit

Kann ich trotz Betreibung einen Kredit aufnehmen?

USER-FRAGEN
| von Michael Kuhn |
Bild: iStock / Jelena Danilovic

Georg (34): «Ich habe vor vier Jahren wegen Arbeitslosigkeit und Ausbildung einige Betreibungen einkassiert. Zwei Jahre später habe ich alle Schulden abbezahlt. Kann ich nun einen Kredit aufnehmen?»

Lieber Georg

Das Konsumkreditgesetz schreibt vor, dass Banken die Kreditfähigkeit der Kreditsuchenden überprüfen müssen. Damit möchte der Gesetzgeber die Konsumenten vor Überschuldung schützen. Die Kreditanbieter prüfen aber zusätzlich auch die Kreditwürdigkeit der Kreditsuchenden.

Das heisst: Sie schauen, wie verlässlich sie die Raten mutmasslich zurückzahlen. Dazu konsultieren die Kreditinstitute vor allem Bonitätsdatenbanken, Betreibungsämter und Einwohnerkontrollen. Zudem verlangen sie vom Antragsteller Dokumente wie Lohnausweise und Mietverträge.

Laufende Betreibungen? Schwierig …

Betreibungen können unterschiedlichste Gründe haben und sind auch nicht in jedem Fall zwingend gerechtfertigt. In der Schweiz kann jeder jeden ohne Nachweis über eine vorhandene Schuld betreiben. Laufende Betreibungsverfahren führen trotzdem in den meisten Fällen zu einer Ablehnung des Kreditantrags.

Wichtig: Meide Anbieter, die explizit mit Slogans wie «Kredit trotz Betreibung» werben. Das ist ein Versuch, Leute anzulocken, die bei seriösen Kreditnehmern geringe Chancen haben. Oft handelt es sich dabei um unseriöse Finanzsanierer mit Sitz im Ausland.

Bonität bleibt beeinträchtigt

Deine Betreibungen vor zwei Jahren haben deiner Kreditwürdigkeit geschadet und deinen Kredit-Score bei Bonitätsdatenbanken verschlechtert. Grund: Bei finanziellen Schwierigkeiten in der Vergangenheit geht der Anbieter statistisch gesehen ein höheres Risiko ein, dass er das geliehene Geld nicht (fristgerecht) erhält.

Ob und zu welchen Konditionen du für einen Kredit infrage kommst, hängt in jedem Fall davon ab, wie das Kreditinstitut deine Kreditfähigkeit und -würdigkeit bewertet. Die Kreditinstitute wenden für die Kreditvergabe unterschiedlich strenge Regeln an und machen keine detaillierten Angaben zu ihrer Risikopolitik. Du musst wahrscheinlich mit einem höheren Zins rechnen. Aber ein Kredit ist grundsätzlich möglich.

Das heisst aber nicht, dass du parallel Anträge bei verschiedenen Anbietern stellen solltest. Denn abgelehnte Anträge werden bei der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) registriert und sind für zwei Jahre für alle angeschlossenen Kreditbanken ersichtlich. Ablehnungen können die Chancen auf einen Kredit beeinträchtigen.

Fazit

Kläre auf jeden Fall deine eigene Bonität ab. In der Schweiz gibt es vier Auskunfteien, die Bonitätsdaten sammeln und anbieten: CRIF, Intrum Justitia, Bisnode und Creditreform. Deine persönliche Bonität kannst du auch direkt bei comparis.ch abfragen.

Grundsätzlich gilt: Wenn du deine Rechnungen immer pünktlich bezahlt und keine weiteren Betreibungen hast, dann ist deine Bonität nicht unbedingt auf einem sehr tiefen Niveau. Ein Kredit bleibt damit grundsätzlich möglich.

Viele Grüsse von comparis.ch

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf watson.ch