Trotz Weko-Entscheid: Hier müssen Sie weiter Kartenzuschläge zahlen

Bequem, aber etwas teurer: Manche Shops verlangen einen Zuschlag für das Bezahlen mit Kreditkarte.

Viele Online-Shops, Reisefirmen und Fluggesellschaften erheben seit Jahren eine Gebühr für Kreditkarten-Einkäufe. Ein jüngster Entscheid der Wettbewerbskommission ändert daran nichts – entgegen einer verbreiteten Auffassung. comparis.ch zeigt, wer solche Zuschläge heute noch verrechnet.

Nehmen wir ein Beispiel: Sie bestellen online einen Fernseher für 1000 Franken und bezahlen diesen mit Kreditkarte. Das Gerät kostet Sie dann letztlich 1020 Franken.

Warum? Weil der Händler eine Kreditkarten-Gebühr in diesem Fall von 2 Prozent aufschlägt – also 20 Franken. Würde der Konsument oder die Konsumentin den Kaufpreis via Bank überweisen oder beim Abholen mit Maestro-Karte bezahlen, würde er tatsächlich nur 1000 Franken für das TV-Gerät bezahlen. 

Verbreitete Fehlinformation

Seit dem 1. August 2015 erlaubt die Wettbewerbskommission (Weko) den Kreditkarten-Anbietern, Händlern Zuschläge für das Bezahlen mit Kreditkarte zu verbieten. Das heisst aber nicht, dass die Anbieter, die sogenannten Acquirer, sie verbieten müssen, eben nur, dass sie es können. Genau dieser feine Unterschied ist vielen Konsumenten aber nicht bekannt. Stattdessen ist weit verbreitet, Karten-Zuschläge seien neuerdings per se verboten. 

Eine aktuelle Erhebung von comparis.ch zeigt, dass Zuschläge für das Bezahlen mit Kreditkarte auch im September 2015 noch weit verbreitet sind. Und zwar vor allem bei Reiseunternehmen, Online-Shops für Elektronik und Fluggesellschaften.

Kreditkarten-Zuschläge bei Online-Shops

Shop Kreditkarten-Zuschlag
Digitec 2.0%
Galaxus 2.0%
Media Markt 2.0%
Microspot 2.0%
nettoshop 1.6%
Steg Electronics 2.5%

Kreditkarten-Zuschläge bei Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften

Shop Kreditkarten-Zuschlag
Air Berlin 7 bis 18 Euro
easyjet 2.0%
Hotelplan (Reisebüro) 1.5%
Hotelplan (Online) 20 CHF
Kuoni (Reisebüro) bis 5000 CHF: 50 CHF
ab 5000 CHF: 100 CHF
Swiss 11 CHF für Europaflüge, sonst 22 CHF
TUI Suisse 1.5% (Keinen Zuschlag für Kreditkarten von Bonuscard und Viseca)

Derzeit liefern sich Händler und Kreditkarten-Anbieter einen Machtkampf um die Auslegung des Weko-Entscheids. Kein Wunder, dass die Kunden verunsichert sind.

Händler: Verträge erlauben Zuschläge

Die Händler wollen die bei Kreditkarten-Zahlungen anfallenden Kosten ungern selbst übernehmen. Schliesslich würde sich dadurch ihre Marge schmälern. Mehrere Händler betonten auf Anfrage, ihre laufenden Verträge mit den Acquirern würden Zuschläge nicht verbieten. Darum könne man sie weiter erheben. Für ein Verbot müssten die Verträge angepasst werden. Aber dies müssten die Vertragspartner miteinander aushandeln.

Anbieter: Kreditkarte soll nicht teurer sein

Die Acquirer machen sich dafür stark, dass Kreditkarten als Zahlungsmittel für Kunden nicht teurer sein sollen als andere Zahlungsmittel. Auf die Transaktions-Gebühren wollen sie aber nicht verzichten. Je häufiger die Kreditkarte eingesetzt wird, desto höher ihre Einnahmen. 

Anders als die Händler sind die Acquirer der Ansicht, dass die Zuschläge aufgrund des Weko-Entscheids nicht mehr erlaubt sind. Die übergeordneten weltweit gültigen Richtlinien von Mastercard und Visa Europa verbieten solche Zuschläge, ausser sie verstossen gegen nationale Vorschriften. 

Ein Schweizer Acquirer betont gegenüber comparis.ch, seine AGB beinhalten ein Weisungsrecht. Damit sei gewährleistet, dass das Verbot rechtsverbindlich umgesetzt werden könne.

Zuschläge oder höhere Preise

Kreditkarten-Zuschläge sind nicht kundenfreundlich – zumindest auf den ersten Blick. Insbesondere bei teuren Einkäufen sind die Gebühren für die Händler bei Bezahlungen mit Kreditkarte sehr hoch, während Händler für Alternativen wie eine Banküberweisung oder die Bezahlung mit Maestro-Karte keine oder sehr geringe Gebühren bezahlen. 

Händler, die keine Kreditkarten-Zuschläge verrechnen, überwälzen die Kreditkarten-Gebühren auf alle Kunden, indem sie die Gebühren in die Verkaufspreise einrechnen. Somit tragen alle Kunden, egal wie sie bezahlen, die Kreditkarten-Gebühren mit. 

«Im Sinne der Konsumenten, die den günstigsten Preis suchen, sind Kreditkarten-Zuschläge gar nicht so schlecht», sagt Marc Parmentier, Bankenexperte bei comparis.ch. Der Kunde übernehme mit dem Zuschlag die für dieses Zahlungsmittel anfallenden Gebühren selbst. «Damit müssen nicht die Kunden, die mit günstigeren Zahlungsmitteln bezahlen, die Kreditkarten-Kunden subventionieren», so Parmentier.