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Neue alternative Versicherungsmodelle

von Felix Schneuwly

13.10.2020

Bild: iStock / sturti

Trotz der massiven Ablehnung der Managed-Care-Vorlage bei der Volksabstimmung vom 17. Juni 2012 entscheiden sich immer mehr Versicherte freiwillig für eine Grundversicherung mit einem alternativen Versicherungsmodell (AVM) und sparen so ohne Qualitätseinbussen bei der medizinischen Versorgung zwischen 10 und 25 Prozent Prämien. Mittlerweile haben über 70 Prozent der Versicherten ein AVM. Und die Versicherungen kreieren zusammen mit Ärzten und anderen medizinischen Leistungserbringern jedes Jahr neue AVM.

Wie sieht die Einschränkung der Wahlfreiheit bei AVM aus?

Alle alternativen Versicherungsmodelle haben eines gemeinsam: Versicherte schränken die Wahl der Leistungserbringer (Ärzte, Spitäler, Apotheken etc.) ein und bekommen dafür einen Prämienrabatt. Die Versicherung muss nachweisen, wie viel mit einem AVM gespart wird, damit das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Prämienrabatt bewilligt.

Die Einschränkung der Wahlfreiheit beginnt bei fast allen AVM am Anfang einer Untersuchung oder Behandlung. Das nennt man Gatekeeping: Mit einem Telmed-Modell muss man zuerst telefonieren, mit einem Hausarzt-Modell zum Hausarzt, mit einem HMO-Modell ins Ärztezentrum und mit einem Apotheken-Modell muss man die verschriebenen Medikamente in einer bestimmten Apotheke bzw. Apothekenkette beziehen. Weil Patientinnen und Patienten mit einem AVM nicht direkt zu Spezialärzten oder mit Bagatellen in die Notfallstationen der Spitäler gehen dürfen, werden Kosten gespart. Und dank der Corona-Krise haben viele gute Erfahrungen mit telemedizinischen Konsultationen gemacht, weil sie sich nicht in Arztpraxen oder Spitälern mit dem Virus anstecken wollten.

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Wie kann ich mit AVM Geld sparen?

Nun gibt es noch Möglichkeiten, mit AVM Geld zu sparen, ohne die Qualität der medizinischen Leistungen einzuschränken. Im Gegenteil: Eine über das Gatekeeping hinausgehende, datenbasierte Koordination komplexer Behandlungen erspart Patienten Mehrfachuntersuchungen, die Suche eines passenden Arztes oder Spitals im Blindflug und oft auch überflüssige oder gar schädliche Operationen. Hier sind zwei Beispiele:

  • Wer sich für das Multimed-AVM der CSS entscheidet, kann im Krankheitsfall zwischen unterschiedlichen ersten Anlaufstellen wählen. Zur Verfügung stehen Hausärzte in Netzwerken/Gruppenpraxen und Telemedizin. Ergänzt werden sie durch den digitalen Ratgeber myGuide. Dieser je nach Antworten dynamisch verlaufende Online-Fragebogen führt zu einer Empfehlung, ob ein Arztbesuch sinnvoll ist. Erhält der Kunde ein Dauerrezept für seine Arzneimittel, werden diese über Versandapotheken bezogen.

  • Ab dem 1.1.2021 bietet Assura das AVM Qualimed an, das zu 90% wie ein klassisches Hausarzt-und Telemedizin-Modell funktioniert. Entscheidet der Hausarzt oder das telemedizinische Zentrum, dass der Patient durch einen Spezialisten in der Kardiologie, Orthopädie, Urologie oder Gastroenterologie weiterbehandelt werden soll, wendet sich der Patient an das Unternehmen Better Doc mit Sitz in Basel. Better Doc schlägt dem Patienten, gestützt auf den Bericht des Hausarztes und Qualitätsdaten (u. a. Ausbildung, Patientenzufriedenheit, Spezialisierung seiner Tätigkeit), drei für seine Situation am besten geeignete Fachärzte vor. Von diesen kann der Patient einen auswählen. Die Schweizer Ärzteschaft läuft Sturm gegen die Firma Better Doc. Datengestützte Untersuchungs- und Behandlungsempfehlungen haben jedoch Zukunft, weil sie besser sind als die Empfehlung des Hausarztes, der seine Studienkollegen für die Operation vorschlägt.
  • Autor

    Felix Schneuwly

    Experte Krankenkassen & Gesundheit

    media@comparis.ch

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