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«Echtes Hausarztmodell» versus Listenmodell

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Bild: iStock / AJ_Watt

Alternative Versicherungsmodelle (AVM) werden bei Schweizer Versicherten immer beliebter. Über 60 Prozent wählen mittlerweile eine Variante der obligatorischen Grundversicherung – ganz vorne mit dabei das Hausarztmodell. Dabei unterscheidet man das «echte Hausarztmodell» vom Listenmodell. Comparis klärt auf.

Ein Comparis-Rückblick auf die Krankenkassen-Wechselsaison 2017 zeigt: Statt des Standardmodells wählen viele Versicherte mittlerweile alternative Versicherungsformen. Dazu zählen unter anderem HMO-Modelle (Health Maintenance Organization / Gesundheitserhaltungsorganisation), Telmed-Modelle und Hausarztmodelle. Das Hausarztmodell ist bei den Schweizer Versicherten das beliebteste alternative Versicherungsmodell.

Was ist das Hausarztmodell?

Versicherte im Hausarztmodell schränken ihre freie Wahl der Leistungserbringer (Arzt, Spital, Apotheke etc.) ein. Im Krankheitsfall müssen sie immer ihren festen Hausarzt (Gatekeeper) aufsuchen. Ausgenommen sind Notfälle, die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung und Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt. Der Gatekeeper behandelt alle leichten Fälle selber und überweist den Patienten, wenn nötig, an den geeigneten Spezialisten.

Studien belegen: Die Qualität der medizinischen Versorgung im Hausarztmodell ist gleich gut oder besser als in herkömmlichen Modellen. Ausserdem können Kosten gesenkt werden, da Hausärzte sämtliche Leistungen koordinieren und eine Kostenmitverantwortung tragen Die Prämien der Hausarzt-Versicherungsprodukte sind rund 15 bis 20 Prozent günstiger als die der Standard-Grundversicherung.

Beachten Sie: Nicht jeder Arzt kann beliebig als Gatekeeper im Hausarztmodell gewählt werden. Die Krankenkassen geben die zur Auswahl stehenden Ärzte vor. Diese sind entweder in Hausarzt-Netzwerke eingebunden oder frei praktizierende Ärzte. Einige Krankenkassen führen explizite Auflistungen von Ärzten. Andere ermöglichen die Arztwahl aus allen Internisten, Allgemeinmedizinern und Kinderärzten innerhalb eines kassenspezifischen Einzugsgebiets.

«Echtes Hausarztmodell» versus Listenmodell

Bei den Hausarztmodellen unterscheidet man zwischen dem «echten Hausarztmodell» und dem Listenmodell.

«Echtes Hausarztmodell»

In «echten Hausarztmodellen» vereinbart die Versicherung mit dem Arzt oder einem Ärztenetz vertraglich festgelegte Versorgungselemente. Diese liegen über den generellen Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes.

Beispiel: Es wird vertraglich vereinbart, dass möglichst immer Generika statt Originalmedikamente verschrieben und in Qualitätszirkeln Fallbesprechungen durchgeführt werden.

Die Vorteile des «echten Hausarztmodells»

  • Günstigere Prämien dank tieferer Gesundheitskosten
  • Ein Hausarzt und damit eine Ansprechperson, die Ihre persönliche Krankengeschichte kennt und dokumentiert
  • Wenn nötig: schnelle Überweisung zum Spezialisten
  • Qualitativ gleich gute oder bessere medizinische Versorgung im Vergleich zu anderen Versicherungsmodellen

Listenmodell

Die in Listenmodellen – auch «falsche Hausarztmodelle» genannt – aufgeführten Hausärzte haben mit der Krankenversicherung keinen Vertrag geschlossen. Krankenkassen erstellen ihre Hausärztelisten einseitig und primär nach Kostenkriterien. Die Ärzte kennen die Bedingungen des jeweiligen Versicherungsproduktes deshalb nicht. 

Comparis-Tipp: Bei der Wahl eines Hausarztmodells stets beachten, ob der gewünschte Hausarzt im gewählten Modell der Kasse gelistet ist und ob er neue Patienten aufnimmt.

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