Gesundheit & Prävention

Grippeimpfung: Soll ich mich impfen lassen oder nicht?

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Grippeimpfung: comparis.ch gibt einen Überblick über die Vor- und Nachteile. Bild: iStock / scyther5

Der Schädel brummt, die Glieder schmerzen, das Fieber steigt – typische Symptome einer Grippe. Doch mit der Grippeimpfung tun sich viele schwer. Manche lehnen sie kategorisch ab. Dabei gibt es gute Gründe, sich gegen eine Ansteckung mit Grippeviren zu schützen. Comparis erklärt die Vor- und Nachteile der Grippeimpfung.

Jedes Jahr die gleiche Frage: Lässt man sich gegen Grippe impfen oder nicht? Auf der einen Seite die Vorstellung, bis zu zwei Wochen das Bett zu hüten. Auf der anderen Seite die kritische Debatte über unnötige Impfungen, mangelhaften Impfschutz, mögliche Nebenwirkungen. So schieben viele die Entscheidung beiseite oder warten, bis der ideale Zeitpunkt für eine Impfung (Mitte Oktober bis Mitte November, Impfung kann aber auch später nachgeholt werden) vorüber ist. Wer den Winter unbeschadet übersteht, glaubt alles richtig gemacht zu haben. Wer nicht, hat im Krankenbett immerhin genug Zeit, über eine Vorsorge im nächsten Jahr nachzudenken.

Nur rund jeder Fünfte lässt sich impfen

In der Schweiz herrscht eine grosse Impfträgheit: Eine Umfrage von comparis.ch aus dem Sommer 2017 ergab, dass jeder zweite Schweizer den Impfempfehlungen seines Arztes nicht bedingungslos folgt. Ein Viertel gab sogar an, Impfvorschläge bewusst zu ignorieren. Während Impfungen gegen Tetanus, Hepatitis und Masern wenigstens einigermassen akzeptiert werden (rund 60 bis 70 Prozent), kann sich nur jeder Dritte eine Grippeimpfung überhaupt vorstellen. Tatsächlich impfen lassen sich schlussendlich noch weniger.

Unbewusste Ansteckung

Das Problem: Impfmuffel gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Viele der Infizierten bemerken die eigene Erkrankung nicht oder nehmen sie als leichte Erkältung wahr. Indem sie weiterhin öffentliche Verkehrsmittel nutzen, zur Arbeit oder ins Kino gehen, verbreiten sie die Viren unwissentlich weiter – auch an Risikogruppen wie Schwangere oder Senioren.

Echte Grippe oder Erkältung: Die Unterschiede

Erkältung (grippaler Infekt) Grippe (Influenza)
Krankheitsbeginn langsame Verschlechterung
plötzliche und starke Beschwerden
Fieber geringe Temperaturerhöhung
Anstieg auf 38 bis 41 Grad
Kopfschmerzen dumpf bis leicht
stark bis bohrend
Husten geringer Hustenreiz, häufig schleimig
zu Krankheitsbeginn trockener Reizhusten, oft schmerzhaft
Appetit meist vorhanden kaum
Müdigkeit Mattheitsgefühl starke Abgeschlagenheit, Schwächegefühl
Gliederschmerzen gering starke Muskel- und Gelenkschmerzen
Schnupfen anfangs häufiges Niesen, dann verstopfte und/oder laufende Nase teilweise verstopfte und/oder laufende Nase
Dauer drei bis sieben Tage
sieben bis 14 Tage
Zeitpunkt ganzjährig Dezember bis April

Sollte ich mich impfen lassen?

Folgende Personen sollten sich gegen Grippe impfen lassen:

  • Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko: Personen ab 65 Jahren, Personen mit chronischen Krankheiten (u.a. Herz- und Lungenerkrankungen, Stoffwechselstörungen), Frauen in der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung sowie frühgeborene Kinder ab dem Alter von 6 Monaten
  • Personen mit Kontakt zu Mitmenschen mit erhöhtem Komplikationsrisiko oder zu Säuglingen unter 6 Monaten
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen und in Betreuungseinrichtungen (Kinderkrippen etc.)

Die Nachteile der Grippeimpfung

Impfen schützt – wenn auch nicht zu 100 Prozent. Doch warum sträuben sich so viele Menschen gegen die Grippeimpfung? Eine demotivierende Wirkung mag der eingeschränkte Impfschutz haben. Während zum Beispiel eine Masernimpfung den Ausbruch der Krankheit zu fast 100 Prozent verhindert, schützt die Grippeimpfung nur zu rund 60 Prozent. Das liegt daran, dass sich das Grippevirus nach Herstellung des Impfstoffes im Februar noch verändern kann. Ist dies der Fall, schützt die Impfung mal mehr und mal weniger gut. Ausserdem wirken nicht alle Grippeimpfstoffe gegen die neusten Grippeviren.

Ein weiteres Argument der Impfkritiker sind die möglichen Nebenwirkungen:

  • Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle führen
  • Fieber
  • Muskelschmerzen
  • leichtes Krankheitsgefühl
  • Ausschläge, Ödeme oder Atembeschwerden bei Allergien
  • Anaphylaktischer Schock (allergische Sofortreaktion)
  • Guillain-Barré-Syndrom (einmal pro 1 Million geimpfte Personen)

Schwere Nebenwirkungen sind äusserst selten und um ein Vielfaches seltener als das Risiko ernsthafter Komplikationen bei einer Grippekrankheit.

Trotz des eingeschränkten Infektionsschutzes ist das Impfen nicht wirkungslos. Gemäss Fachleuten verläuft die Krankheit bei geimpften Personen weniger heftig und seltener mit Komplikationen.

Warum sollte ich mich impfen lassen?

  1. Sich selbst und andere schützen: Die Impfung schützt die Mehrheit der geimpften Personen vor einer Grippeerkrankung und deren Folgen. Sie vermeidet ausserdem die (unwissentliche) Ansteckung der Mitmenschen (u.a. Risikogruppen wie Schwangere oder chronisch Kranke).

  2. Weniger Risiko für schwerwiegende Komplikationen: Sekundärinfektionen des grippe-geschwächten Körpers werden verhindert. Sie entstehen durch Bakterien und sind teils gefährlicher als die ursprüngliche Krankheit. Vor allem in den Risikogruppen verhindert die Impfung schwere Krankheitsverläufe.

  3. Keine Tage im Bett oder gar im Spital: Eine echte Grippe dauert bis zu zwei Wochen, z.T. sogar länger. Kommen Komplikationen wie eine Lungenentzündung hinzu, kann ein Spitalaufenthalt nötig sein.

  4. Aufwand und Kosten für die Impfung sind geringer als bei einer Grippeerkrankung: Eine Grippeimpfung verhindert teure Spitalaufenthalte und krankheitsbedingte Ausfälle. Am nationalen Grippeimpftag Anfang November bieten Hausarztpraxen und viele Apotheken ohne Voranmeldung eine Grippeimpfung an. Die Kosten: 30 bis 40 Franken. Bei Personen mit besonderem Risiko zahlt die Krankenversicherung, sofern die Franchise erreicht wurde. Am Arbeitsplatz werden die Kosten oft vom Arbeitgeber übernommen.

  5. Weniger Angst vor Ansteckung: Wer sich impfen lässt, muss während der Grippesaison weniger Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufszentren, Konzerthallen oder Familienfeiern etc. haben – und kann das Leben (auch) «in vollen Zügen» geniessen.

Wer sich trotz allem nicht impfen lassen möchte, sollte wenigstens die einfachsten Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder in ein Taschentuch niesen beherzigen – und bei ersten Krankheitszeichen aus Rücksicht auf seine Mitmenschen zu Hause bleiben. Empfehlenswert sind ausserdem diese Hausmitteltipps bei Erkältungsbeschwerden.