Recht & Gesetz

Neue CO2-Vorgaben: Das bedeutet es für die Autofahrer

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Bild: iStock.com / Canetti

Die EU hat sich verpflichtet, bis zum Jahre 2020 die Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent zu senken. Darum hat die Schweiz genau wie die EU vor acht Jahren die CO2-Emissionsvorschriften für neue Personenwagen eingeführt. Comparis erklärt, was das für Sie als Autofahrer bedeutet.

Die CO2-Vorgabe besagt, dass Schweizer Importeure die CO2-Emissionen von in der Schweiz zugelassenen Autos bis Ende 2020 auf 95 g CO2 pro Kilometer senken müssen. Die Regulierung des CO2-Ausstosses gilt für den Durchschnitt der Herstellerflotte, nicht für jedes einzelne Auto. Trotzdem übt dies einen Druck auf die Autoindustrie aus. Wer den Grenzwert nicht erreicht, wird zur Kasse gebeten. Für jedes Gramm über diesem Grenzwert bezahlen die Hersteller eine Busse. Das kann je nach Hersteller eine Busse in Millionenhöhe bedeuten.

Comparis hat mit Thomas Weiss, Fachspezialist Energieeffizienter Verkehr, Bundesamt für Energie gesprochen. Er erklärt, was für Auswirkungen die CO2-Emissionsvorschriften auf die Autofahrer haben.

Thomas Weiss, Fachspezialist Energieeffizienter Verkehr, Bundesamt für Energie

Thomas Weiss, Fachspezialist Energieeffizienter Verkehr, Bundesamt für Energie (Quelle: Bundesamt für Energie)

Was ist, wenn mein Auto über dem Grenzwert der CO2-Emissionsvorschriften liegt?

Die CO2-Emissionsvorschriften richten sich primär an die Importeure. Falls Sie ein Fahrzeug in der Schweiz kaufen, ist eine allfällige CO2-Sanktion in aller Regel bereits im Kaufpreis eingerechnet. Anders sieht es aus, wenn Sie ein Fahrzeug, das unter die CO2-Emissionsvorschriften fällt, selber in die Schweiz importieren. Liegt dessen CO2-Ausstoss über der Zielvorgabe, muss vor der Zulassung eine allfällige Sanktion bezahlt werden. In gewissen Kantonen profitieren Fahrzeuge mit einem tiefen CO2-Ausstoss und/oder einer guten Energieeffizienzkategorie von Verbilligungen bei der kantonalen Motorfahrzeugsteuer.

Kann ich jetzt keine Sportwagen mehr kaufen?

Grundsätzlich schliessen sich Sportlichkeit und Energieeffizienz bzw. ein tiefer CO2-Ausstoss nicht aus. Elektro- und Hybridfahrzeuge sind der beste Beweis dafür. Durch eine aktive Steuerung in der Preis- und Angebotspolitik kann jeder Importeur selber entscheiden, wie seine Modellpalette und die konkreten Fahrzeugpreise aussehen. Die Zielvorgabe des Importeurs muss im Flottendurchschnitt erreicht werden und so können Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoss über der Zielvorgabe mit Modellen, die tiefe CO2-Emissionen ausweisen, gegengerechnet werden.

Was muss ich beim Autokauf in Bezug auf den CO2-Ausstoss beachten?

In Bezug auf die CO2-Emissionen gilt: je weniger desto besser. Ein niedriger CO2-Ausstoss ist ein wichtiges Element beim Neuwagenkauf – aber nicht das einzige. Das Fahrzeug sollte auch in Bezug auf den Energieverbrauch effizient sein. Hierzu schaut man am besten, in welche Energieeffizienzkategorie das Modell eingeteilt ist. Modelle in den Kategorien A oder B sind nach unserer Einschätzung effizient. Die Kategorien ermöglichen einen Vergleich unabhängig von der Antriebstechnologie. Zudem wird bei der Einteilung zusätzlich zum Verbrauch im Fahrbetrieb auch der Verbrauch zur Bereitstellung des Stroms bzw. des Treibstoffs berücksichtigt. CO2- und energieeffiziente Fahrzeuge schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie.

Wichtig ist auch, dass beim Kauf eines Neuwagens darauf geachtet wird, dass die gewählte Antriebstechnologie für die tatsächliche Fahrzeugnutzung geeignet ist. So sind z.B. bei Fahrzeugen mit Plug-in-Hybrid-Technologie die auf dem Prüfstand gemessenen CO2-Emissionen sehr tief. Diese Werte können im Alltagsbetrieb aber nur erreicht werden, wenn der grösste Teil der Strecken rein elektrisch gefahren wird – dies wiederum ist vor allem auf kürzeren Strecken möglich.

Was nützen die CO2-Emissionsvorschriften?

Die Schweiz verfolgt eine aktive Politik zur Reduktion der Treibhausgase. Sie leistet so einen Beitrag zum international beschlossenen Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich weniger als 2°C, idealerweise 1,5°C, zu begrenzen. Der Strassenverkehr ist in der Schweiz für rund einen Drittel Anteil der CO2-Emissionen verantwortlich, darunter schwergewichtig die Personenwagen. Das Potential für Einsparungen ist insbesondere bei den Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen sehr gross.

Die spezifischen CO2-Emissionen der Neuwagen liegen in der Schweiz deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Mit den CO2-Emissionsvorschriften hat die Schweiz – analog zur EU – einen Anreiz geschaffen, die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Neuwagenflotte zu senken. Die Flottenentwicklung nach der Einführung des 130 g/km-Ziels bis 2015 hat gezeigt, dass die Importeure bemüht sind, CO2-Sanktionen zu vermeiden und die Emissionen zu senken. Aufgrund der Zielwerte werden effiziente Fahrzeuge attraktiver bepreist. Mit der seit 2020 geltenden Vorgabe von 95 g/km wird sich diese Tendenz voraussichtlich noch verstärken.