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Volkskrankheit Depression

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Das «Morgentief» – ein typisches Symptom einer Depression. Bild: iStock / AleksandarNakic

Depressionen sollen im Jahr 2030 die grösste Krankheitslast in den Industriestaaten verursachen. Annahmen, die die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, kurz WHO) bereits Anfang 2017 verkündete. Doch wie entsteht eine Depression und wie kann man sich schützen?

Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit. Ergebnisse einer Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Gesundheit ergaben, dass allein in der Deutschschweiz 5,5 Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen leidet – im Kanton Zürich ist der Anteil mit 6,2 Prozent am grössten. 16 bis 20 Prozent aller Menschen sind irgendwann einmal in ihrem Leben von einer depressiven Episode betroffen. 

Doch ab wann spricht man nicht nur von einer kurzweiligen depressiven Verstimmung, sondern einer ernstzunehmenden Depression?

Depressive Verstimmung versus Depression

Der Begriff «Depression» kommt vom lateinischen «deprimere» und bedeutet «niederdrücken». Sind wir deprimiert, wird unsere Stimmung gedrückt und wir befinden uns in einem Stimmungstief.

Im Laufe des Lebens gibt es einige Situationen, die sich negativ auf unsere Stimmung auswirken können: Stress im Berufsalltag, Ärger im Privatleben, der Abschied einer nahestehenden Person, Liebeskummer, Krankheit. Jeder Mensch durchlebt gute und schlechte Zeiten – das ist normal und gehört zum Leben. Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Tränen sind über einen überschaubaren Zeitraum völlig in Ordnung, auf Dauer jedoch ein Zeichen einer depressiven Verstimmung oder gar Depression.

Leichte depressive Verstimmung

Leichte depressive Verstimmungen sind meist nach wenigen Wochen wieder vorbei. Dem Betroffenem wurden Lösungsansätze bewusst oder er hatte Zeit, das Tief zu verarbeiten. Dadurch wird Platz für positive Gefühle geschaffen, die neue Kraft schenken. Jeder Mensch geht jedoch anders mit leichten, depressiven Verstimmungen um. Fühlen sich Betroffene antriebslos, müde und niedergeschlagen, sind folgende Aktivitäten zu empfehlen:

  • Soziale Aktivitäten: Unternehmungen und Gespräche mit Freunden oder der Familie
  • Sportliche Betätigung: z.B. Fitness, Yoga, Jogging
  • Handwerkliche Hobbys: z.B. Malen, Werken
  • Gespräch mit einem Psychotherapeuten

Tiefergehende depressive Verstimmungen: Depressionen

Halten Niedergeschlagenheit und Traurigkeit an, fühlt man sich innerlich leer und hilflos, ist die depressive Stimmung mehr als nur ein kleines Tief. Aktivitäten wie oben beschrieben können kaum mehr für Abhilfe sorgen. Sie kosten zu viel Kraft und werden vermieden, Freude wird kaum mehr empfunden, die Lust auf soziale Kontakte lässt nach. Ein Teufelskreis, denn der soziale Rückgang verschlimmert die Verstimmung zusätzlich. Betroffene fragen sich, wieso sie so fühlen, Angst und Selbstzweifel kommen hinzu. Dies beschreibt ein ernstes psychisches Problem – eine Depression. Oft sind Betroffene selbst nicht mehr in der Lage, aus dem Tief herauszufinden. Beeinträchtigende Symptome begleiten sie.

Mögliche begleitende Symptome einer Depression

  • Typisches «Morgentief», dass sich gegen Abend bessert
  • Innere Leere
  • Niedergeschlagenheit
  • Hoffnungs- und Antriebslosigkeit
  • Angst
  • Nervosität
  • Gereiztheit
  • Freudlosigkeit
  • Mutlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Leistungsabfall
  • Selbstzweifel
  • Schlafstörungen
  • Kopf-, Magen- und Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • Engegefühl in der Brust
  • Appetitlosigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Veränderung der Haut
  • Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen)

Bestenfalls sollte es nach einer anfänglichen, leichten depressiven Verstimmung gar nicht erst zu Symptomen wie diesen kommen. Je früher die Diagnose, desto früher die Möglichkeit, der Depression durch eine Therapie entgegenzuwirken. 

Depression aus biologischer Sicht

Aus biologischer Sicht ist die Depression eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Dauern Stresssituationen zu lange an, wird das Stresshormon Kortisol übermässig ausgeschüttet. Es kommt zu einer Überaktivität in genau der Gehirnregion, die für Gefühle zuständig ist. Das Gehirn verliert die Kontrolle über das dauerhaft aktivierte Stresshormonsystem.

Forscher fanden zudem heraus, dass eine unbehandelte Depression auf Dauer das Gehirn verändern kann. Neuronen werden vermindert oder gar nicht mehr gebildet, sodass sich die Gehirnregionen, die für Gefühle, Verarbeitung von Stress und die Fähigkeit zu lernen, nicht mehr regenerieren können. Im schlimmsten Fall kann das Volumen des Gehirns abnehmen und sich verkleinern.

Was sind die Ursachen für eine Depression?

Unterschiedliche Faktoren, sowohl körperliche, biologische, als auch psychische, können zur Entwicklung einer Depression führen. 

Gene

Bei einigen Betroffenen ist die Erkrankung genetisch bedingt. Verwandte ersten Grades sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 20 Prozent selbst von einer Depression betroffen. Heisst: Das Risiko, dass sie auf Belastungen mit einer Depression reagieren, ist erhöht. 

Erlebnisse im frühkindlichen Alter

Stresserlebnisse im frühkindlichen Alter erhöhen ebenfalls das Risiko für Depressionen und Angststörungen. 

Bereits durchlebte depressive Episoden

Wurde bereits eine depressive Episode durchlebt, ist das Risiko, an einer neuen Depression zu erkranken, erhöht – je mehr Depressionen und Restsymptome (wie Schlafstörungen und wenig Energie), desto höher das Risiko. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, Depressionen ernst zu nehmen und mit einem Therapeuten daran zu arbeiten, die Depression zu überwinden. 

Stress

Bei langandauernden Stresssituationen wird das Stresshormon Kortisol übermässig ausgeschüttet. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer dauerhaften Aktivierung des Stresshormonsystems und das Gehirn kann nicht mehr ruhen; siehe oben: Depression aus biologischer Sicht.

Einnahme der Antibabypille

Eine Studie aus Dänemark im Jahr 2017 zeigt, dass das Depressionsrisiko bei jungen Frauen durch die Einnahme der Antibabypille erhöht ist. Packungsbeilagen sollen deshalb in Zukunft um den Hinweis verlängert werden, dass die Einnahme zu Depressionen und einem erhöhten Suizidrisiko führen kann.

Weitere detailreiche Informationen zu Gründen und Entstehung von Depressionen finden Sie unter depressionen.ch.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer Depression?

Die Therapie wird individuell auf den Betroffenen abgestimmt und hängt von der Stärke der Verlaufsform ab.

Therapiemöglichkeiten sind:

  • Sport-, Ergo- und Bewegungstherapie
  • Entspannungsverfahren
  • Sozialtherapeutische Massnahmen
  • Psychotherapeutische Gespräche
  • Pflanzliche Mittel, z.B. Johanniskraut
  • Antidepressiva

Johanniskraut

Schon seit Jahrtausenden ist Johanniskraut ein beliebtes pflanzliches Mittel. Eine Vielzahl von Studien belegen die verschiedenen medizinischen Wirkungen. Johanniskraut senkt nicht nur den Blutdruck und beseitigt Schlafstörungen, sondern wirkt auch antidepressiv. Zwar wirkt das Kraut langsamer, jedoch besser als chemische Antidepressiva. Hyperforin und andere Inhaltsstoffe vermehren wichtige Botenstoffe, die psychische und physische Symptome beseitige können. In besonders schweren Fällen einer Depression kann Johanniskraut begleitend zu Psychopharmaka eingesetzt werden.

Wichtig: Man unterscheidet zwischen Trockenextrakt-Präparaten und deutlich schwächeren Pulverprodukten. Für Laien ist es schwierig, die genaue Dosierung abzuschätzen. Nehmen Sie andere Medikamente ein, kann es zu Interaktionen kommen. Im schlimmsten Fall wird die Wirkung der anderen Medikamente ganz aufgehoben. Konsultieren Sie deshalb unbedingt vor Einnahme von Johanniskraut einen Arzt und nehmen Sie Präparate nicht in Eigenregie ein.

Antidepressiva

Leichte Depressionen sind in der Regel gut mit psychotherapeutischen Therapien behandelbar. Mittlere bis schwere Depressionen benötigen oftmals die unterstützende Wirkung von antidepressiver Medikation. Hausarztpraxis und psychiatrische Praxis setzen Antidepressiva laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium in unterschiedlichem Ausmass ein: Während Hausärzte bei 80 Prozent der leichten Depressionen bereits Antidepressiva verschreiben, behandelt der Psychiater lediglich 20 Prozent der Patienten mit Antidepressiva. Depressionsspezialist Daniel Hell ist der Meinung, dass Ärzte zu schnell Antidepressiva verschreiben, obwohl dies gar nicht nötig wäre. Gleichzeitig würden sie jedoch bei schweren Depressionen zu selten eingesetzt. (Quelle: Tagesanzeiger.ch)

Bessern sich schwere Depressionen durch ambulante und medikamentöse Behandlung nicht, ist eine stationäre Behandlung in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik nötig – besonders dann, wenn der Betroffene durch die schwere psychische Belastung akut suizidgefährdet ist.

Depression und Krankenkasse

Kosten für ärztliche und delegierte Psychotherapien – in diesem Fall muss der Therapeut vom Arzt angestellt sein und in seiner Praxis tätig sein – werden von der Grundversicherung übernommen. Wird die Depression hingegen von einem von frei praktizierenden «nichtärztlichen» Psychotherapeuten behandelt, decken Zusatzversicherungen einen Kostenanteil der Psychotherapie. Voraussetzung: Der Therapeut ist auf der Liste der Santésuisse aufgeführt. Beachten Sie jedoch, dass die Anzahl der Sitzungen teilweise eingeschränkt ist und Kassen nur zwischen 50 und 90 Prozent übernehmen. Vergleichen lohnt sich.

Hilfe suchen

Haben Sie den Eindruck, Sie sind selbst betroffen? Oder befürchten Sie, eine Person in Ihrem Umfeld hat psychische Probleme? 

Eine Depression ist kein Grund, sich zu verstecken. Ob Hausarzt oder Psychiater: Es ist wichtig, sich möglichst schnell ärztlich behandeln zu lassen. Hilfe finden Sie auch bei der Schweizerischen Gesellschaft für Angst & Depression (SGDA). Diese hat für Sie wichtige Adressen und Anlaufstellen zusammengefasst.

Alternativ hilft Ihnen die Dargebotene Hand, Telefon: 143 – weiter.

Jugendliche wenden sich mit ihren Problem häufig zuerst an Google. Auch Social-Media-Stars geben Tipps im Umgang mit Depressionen und berichten von eigenen psychischen Störungen. Der Vorteil der Internetrecherche und Online-Communities: Beides kann Mut machen. Betroffene Jugendliche haben nicht das Gefühl, allein mit ihrem Problem zu sein. Der Nachteil: Es kann zu vorschnellen Selbstdiagnosen und Ängsten führen. Die Onlineberatung 147.ch bietet deshalb sowohl einen Mail- als auch einen SMS- und Chat-Service an, bei dem Berater schnell und anonym kontaktiert werden können. 

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