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Was Sie über 5G wissen müssen

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Das Mobilfunknetz der nächsten Generation benötigt neue 5G-taugliche Antennen. Bild: comparis.ch

In der Schweiz wird aktuell das Mobilfunknetz der nächsten Generation gebaut. 5G bringt viele Vorteile und gilt als wichtigstes Infrastrukturprojekt im Telecom-Bereich. 5G weckt aber auch Ängste. Ein Überblick über die neue Technologie:  

Was ist 5G?

5G ist die neueste Entwicklungsstufe im Mobilfunk. Jede neue Generation im Mobilfunk wird mit einer Nummer gekennzeichnet. Aktuell nutzen wir 4G (oft auch LTE genannt). 5G wird vor allem die mobile Datenübertragung durch grössere Kapazitäten innerhalb einer Mobilfunkzelle revolutionieren, was verschiedene Vorteile bei der Geschwindigkeit der Datenübertragung und der Menge an gleichzeitigen Verbindungen ermöglicht.

Welche Vorteile bringt 5G?

Da wir immer mehr Daten über das Mobilfunknetz versenden, kommen die aktuellen Mobilfunkantennen an ihre Grenze. Oft sind keine Verbindungen mehr möglich, auch wenn der Empfang noch gut ist. Die Menge der mobilen Daten, die wir mit unseren Smartphones und Tablets übertragen, verdoppelt sich in der Schweiz jährlich. Um diese Daten-Menge künftig verarbeiten zu können, braucht es eine neue Technologie. 5G ist ausserdem für den Ausbau des sogenannten Internet der Dinge wichtig. Dabei werden verschiedenste Dinge ans Internet angeschlossen. Zum Beispiel selbstfahrende Autos: Sie sind auf einen unterbrechungsfreien und sehr schnellen Datenstrom angewiesen, um untereinander Daten auszutauschen.

Mit «Network Slicing» stellt das 5G Netz jeder Anwendung nur die Leistungen zur Verfügung, die sie braucht. Selbstfahrende Autos brauchen eine schnelle Reaktionszeit, Web-Anwendungen hingegen eine schnelle Datenübertragung. Mit 5G können die Telecom-Provider Netzkapazitäten für Polizei und Feuerwehr reservieren, damit diese in Krisen auch dann kommunizieren können, wenn das Mobilfunknetz überlastet ist.

Wie schnell ist 5G?

Die Swisscom plant Download-Geschwindigkeiten von bis zu 3 Gigabit pro Sekunde. Das ist etwa zwanzigmal so schnell wie die momentane Geschwindigkeit des aktuellen 4G-Netzes. Smartphone-User laden mit der neuen Technologie einen hochaufgelösten Spielfilm oder eine ganze Staffel einer Netflix-Serie in wenigen Sekunden herunter. Auch Live-Übertragungen können mit 5G ruckelfrei gestreamt werden. Der grösste Vorteil aus Konsumentensicht ist jedoch der zuverlässige und unterbrechungsfreie Datenfluss des 5G-Netzes, auch wenn sehr viele Nutzer mit einer Mobilfunkzelle verbunden sind.

Braucht es 5G überhaupt? 4G ist doch schnell genug

Die Geschwindigkeit steht bei 5G für den Privatnutzer nicht im Vordergrund, sondern die höhere Kapazität und Verfügbarkeit. Mit 5G können viel mehr Leute gleichzeitig verbunden sein als heute. Dadurch steigt die Kapazität der Mobilfunknetze massiv an. Engpässe an grossen Bahnhöfen, auf viel frequentierten Zugstrecken oder generell in Städten gehören damit der Vergangenheit an.

Für industrielle Anwendungen und das Internet der Dinge ist 5G wichtig, da mit diesem Funkstandard gewissen Dienste überhaupt erst möglich werden.

Wann kann ich 5G nutzen?

Swisscom will bis Ende 2019 rund 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G versorgen. An über hundert Standorten in rund 50 Ortschaften hat Swisscom bereits die ersten 5G-Antennen in Betrieb genommen.

Sunrise hat im März ihr erstes 5G-Angebot lanciert. Sunrise legt den Fokus anfänglich weniger auf Smartphones, sondern verspricht mit 5G schnelles Internet für zu Hause. Sunrise spricht in diesem Zusammenhang von der «Glasfaser durch die Luft». Mit den 5G-Routern zu Hause sollen Geschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s erreicht werden. Über 150 Städte und Orte profitieren seit Ende März von dem neuen Angebot. Sunrise will bis 2020 vor allem auf dem Land ausbauen – als Alternative zu einem Glasfaser-Netz.

Salt, der kleinste Mobilfunkanbieter, will den neuen Standard im dritten Quartal 2019 einführen. Genauere Details zu den 5G-Ausbauplänen hat Salt noch nicht verraten.

Gut möglich, dass der Aufbau der neuen Mobilfunknetze nicht so schnell geht wie geplant. Beim Aufbau des 5G-Netzes stehen die Provider nämlich vor einem Dilemma. Zur besseren Nutzung der bestehenden Antennenstandorte, fordern die Telecom-Firmen eine Lockerung der Strahlengrenzwerte, um die neuen 5G-Antennen stärker senden zu lassen. Ein politischer Vorstoss zur Erhöhung der Grenzwerte scheiterte 2018 im Ständerat. Swisscom kommentierte damals, mit dem Entscheid werde das 5G-Netz lückenhaft bleiben, da das volle Potenzial von 5G so nicht genutzt werden könne.

Die Telekommunikationsbranche rechnet damit, dass rund 15'000 neue Antennen nötig sind, wenn der aktuelle Grenzwert bleibt.

Aktuell rüsten die Provider bestehende Standorte aus, was schneller geht, als neue Antennen zu bauen. Trotzdem werden sie nicht darum herum kommen, neue Standorte zu erschliessen.

Digital-Experte Jean-Claude Frick diskutiert über 5G im Podcast:

Braucht 5G neue Smartphones?

Von den aktuell erhältlichen Smartphones sind erst wenige für die neue Technologie bereit. 5G braucht neue Chipsätze und Antennen. Erste 5G-fähige Smartphones kommen in diesen Tagen auf den Markt. Aktuell gibt es das MiMix 3 von Xiaomi, einem chinesischen Hersteller. Samsung bringt Mitte Juni mit dem Galaxy S10+ 5G sein Topmodell mit 5G auf den Markt. LG und Huawei haben ebenfalls Modelle angekündigt. Apple-Kunden müssen sich noch gedulden, laut Gerüchten kommt das erste 5G-iPhone erst im Herbst 2020 auf den Markt.

Ab nächstem Jahr dürften dann alle neuen Smartphones 5G unterstützen.

Wie sieht es mit der Strahlung von 5G aus?

Rund um 5G sind Diskussionen entstanden, was die angeblich schlimmere Strahlenbelastung angeht. Die Wirkung nichtionisierender Strahlung auf den Menschen hängt von deren Intensität und Frequenz ab. Die zurzeit laufende Einführung von 5G erfolgt in Frequenzbereichen, die bisher für 4G-, WLAN- und TV-Anwendungen (zum Beispiel mobile Kameras in Fussballstadien) genutzt wurden. Mit 5G ändert sich an der Strahlenbelastung also zunächst wenig.

Im Unterschied zu den bestehenden Antennen, die überall gleich stark strahlen, können 5G Antennen neu ihre Strahlung gezielt dahin ausrichten, wo sie benötigt wird.

Auch der Bundesrat nahm zum Thema Strahlenbelastung und 5G Stellung.

Eine vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) ins Leben gerufene Arbeitsgruppe diskutiert derzeit die Bedürfnisse und Risiken für die nähere und weitere Zukunft von Mobilfunk und Strahlenbelastung, insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung von 5G. Ihre Empfehlungen sollen im Sommer 2019 auf dem Tisch liegen.