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Bitcoin und Co: Das müssen Sie über Kryptowährungen wissen

ANALYSE
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Kryptowährungen und die Blockchain werden die Welt ähnlich auf den Kopf stellen wie seinerzeit das Internet. Bild: iStock

Alle reden über Bitcoin und Co. Viele wollen jetzt in die Kryptowährungen einsteigen. Aber wo liegen die Risiken? Und wie geht das überhaupt?

Bitcoin und Co sind in aller Munde – kein Wunder, nach der Preisexplosion der letzten Jahre. Viele Menschen sind schon dabei. Noch mehr wollen jetzt einsteigen. In einer repräsentativen Umfrage haben wir Anfang 2018 herausgefunden: Neun Prozent der Schweizer haben bereits Bitcoin oder andere Kryptowährungen gekauft. Weitere elf Prozent wollen das dieses Jahr tun.

Von denen, die noch nicht in Bitcoin und Co investiert haben, rechnen nur wenige mit Kursgewinnen – acht Prozent. Die grosse Mehrheit ist einfach neugierig: 92 Prozent wollen das Kryptogeld nur einmal ausprobieren.

Einfach mal ausprobieren: Das ist nicht die schlechteste Einstellung. Denn niemand kann die Preisentwicklung vorhersagen. Und die Kursnotierungen allein sagen noch längst nicht alles.

Kryptowährungen sind die Zukunft

Axel Weber, Präsident der UBS, warnt Anleger vor Bitcoin. In einem Interview mit der NZZ am Sonntag sagt er im Dezember 2017, Bitcoin habe keinen inneren Wert. Nur die Nachfrage bestimme den Preis. Das sei riskant.

Nur wenige Wochen vorher – im November 2017 – warnt Weber vor etwas anderem. In der Financial Times wendet er sich an Zentralbanken. Er mahnt sie, das Thema Kryptowährungen nicht zu verschlafen.

Diese zwei Aussagen stehen scheinbar im Widerspruch. Doch sie sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Bitcoin und Co sind heiss. So heiss, dass man sich als Anleger die Finger verbrennen kann. Sie sind aber auch so wichtig, dass man nicht einfach wegschauen darf. Etwas muss man einfach machen.

Die UBS setzt auf eine eigene Kryptowährung. Gemeinsam mit Credit Suisse, Barclays und HSBC entwickelt sie den Utility Settlement Coin. Den Zentralbanken empfiehlt Weber ebenfalls diesen Weg.

Ob man auf Bitcoin setzt, auf andere Coins oder sogar eine Eigenentwicklung – eines scheint unumstritten: Kryptowährungen gehört die Zukunft. Fragt sich nur, welche sich durchsetzen. Und welche wieder verschwinden.

Wer gewinnt die Revolution?

Die Älteren von Ihnen mögen sich erinnern, wie man im Jahr 2000 im Internet gesucht hat. Fast 50 Prozent aller Suchanfragen haben bei Yahoo begonnen. Altavista, lange Zeit die beste Suchmaschine, war schon auf dem absteigenden Ast. Google? Heute der Standard für die Suche. Damals ein Aussenseiter: Anteil an den Suchen unter einem Prozent. (Allerdings schon damals der Geheimtipp der Nerds.)

2003 hat Yahoo Altavista geschluckt. Yahoo selbst ist auch nicht mehr selbstständig: Der Telekom-Anbieter Verizon hat es übernommen. Google hingegen floriert. Es ist inzwischen eine der wertvollsten Firmen der Welt.

Das Internet hat unser Leben revolutioniert. Gewonnen haben dabei nicht die Pioniere. So kann es sich auch bei den Kryptowährungen entwickeln. Vielleicht überlebt von den heutigen keine einzige? Vielleicht setzen sich eine oder zwei von denen durch, die es heute schon gibt? Vielleicht muss der grosse Gewinner erst noch gegründet werden?

Aber wer auch immer gewinnt: Das digitale Geld wird die Finanzwelt umstürzen.

Kryptoland ist Wilder Westen

Was neu ist, ist nicht reguliert. Wie auch? Niemand weiss, wie sich Kryptowährungen entwickeln werden. Selbst die Pioniere nicht: Sie machen einfach vorwärts.

Die Regulatoren wissen es auch nicht. Sie hatten noch gar keine Zeit, sinnvolle Gesetze zu entwickeln. Vielleicht haben sie noch nicht einmal selber eine Kryptowährung ausprobiert?

Wenn Sie sich für Bitcoin und Co interessieren, dann können Sie sich also nicht darauf verlassen, dass der Staat sie beschützt. Sie betreten eine neue Welt ohne grosse Regeln. Hier gibt es keinen Einlegerschutz und keine Ombudsmänner. Die Firmen sitzen zum Teil in Steueroasen mit zweifelhafter Rechtsprechung. Sie machen sich auf zu einer Reise in den Wilden Westen.

Das heisst: Sie müssen selber wissen, was Sie tun. 

In diesem Beitrag lernen Sie, was Sie wissen müssen. Ausserdem entdecken Sie, wo Sie auf eigene Faust weiter forschen können. Anschliessend können Sie sich ganz bewusst entscheiden, ob Sie mit dieser neuen Welt vorerst lieber nichts zu tun haben wollen – oder mutig Ihre ersten Schritte in Kryptoland unternehmen.

1. SO KAUFEN SIE BITCOIN

Wollen Sie zum ersten Mal Bitcoin kaufen? Nach diesem Kapital können Sie loslegen. Wer schon Kryptowährungen hat, könnte dieses Kapitel überspringen. (Es zu lesen lohnt sich trotzdem. Ein paar der Informationen sind auch für Profis neu.)

Mit einem Bruchteil anfangen

Ein Bitcoin kostet so viel, dass Sie besser nicht gleich einen ganzen Bitcoin kaufen. Zum Glück müssen Sie das gar nicht. Denn Bitcoin ist teilbar.

Bitcoin hat acht Stellen hinter dem Komma. Die kleinste Grösse ist daher ein Hundertmillionstel Bitcoin. Das nennt man auch Satoshi. (Nach Satoshi Nakamoto, dem Erfinder von Bitcoin. Ihn lernen wir in Kapitel 2 kennen.)

Ein millionstel Bitcoin nennt man auch Mikrobitcoin. Ein tausendstel Bitcoin heisst Millibitcoin. Ganz gewohnt, genau wie bei Meter, Millimeter und Mikrometer auch. Je teurer ein Bitcoin wird, desto häufiger werden Preise nicht in Bitcoin angeschrieben, sondern in Mikro- oder Millibitcoin. Dann müssen wir nicht mit so vielen Stellen hinter dem Komma rechnen.

Wenn Sie heute mit 50 oder 100 Franken zum ersten Mal investieren wollen, dann kaufen Sie ein paar Millibitcoin.

Und wo machen Sie das?

Wie Ware: auf einem Marktplatz

Bitcoin bekommen Sie im Grunde auf den gleichen Wegen, wie Sie auch sonst an Geld kommen.

Vielleicht verkaufen Sie Ihre alte Spielkonsole oder neu gehäkelte Kappen im Internet? Dann können Sie Ihren Preis statt in Schweizer Franken auch in Bitcoin angeben. Vielleicht finden Sie einen Käufer. Auch wenn Zahlungen in Bitcoin bei ganz alltäglichen Geschäften eher selten sind.

Auf spezialisierten Marktplätzen bieten Inserenten Bitcoin als Ware an – zum Teil gegen Bargeld. So ein Privatverkauf ist unreguliert. Er braucht Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer. Bei LocalBitcoin.com bewerten sich darum die Teilnehmer gegenseitig – so wie bei Ebay oder Ricardo.

Wie in den Ferien: am Automaten

Auch Bitcoin können Sie aus dem Automaten ziehen. Genauso, wie Sie in den USA oder in Thailand für das fremde Geld am Flughafen als erstes mit Ihrer Karte zum Bancomat gehen können, können Sie das auch für Bitcoin tun. Wie beim Feriengeld fallen dafür am Automaten happige Gebühren an.

Dafür müssen Sie nicht einmal die Schweiz verlassen. Bitcoin bekommen Sie an jedem Billettautomaten der SBB. Dort kostet das eine Gebühr von sechs Prozent. Pionier der Bitcoin-Automaten in der Schweiz war die Firma Bitcoinuisse. Sie betreibt nur wenige Automaten, dafür kostet der Bitcoin-Kauf nur fünf Prozent.

Was aus dem Automaten herauskommt, ist bei weitem nicht so bunt wie das fremde Geld in den Ferien. Im Gegenteil: völlig unspektakulär – einfach nur ein ausgedruckter Zettel mit einem Code.

Aber genau das ist Bitcoin – nicht viel mehr als ein Code. Genauer gesagt: zwei Codes, die im Zusammenspiel verschlüsseln und entschlüsseln. Wie das genau funktioniert, dazu später mehr. Hier erst einmal nur so viel: Das wissenschaftliche Wort für Verschlüsselung heisst Kryptographie, daher stammt das «Krypto» im Begriff Kryptowährung.

Wie im Online-Shop: mit der Kreditkarte

Mit der Kreditkarte können Sie Bitcoin schnell und einfach auch ohne Automaten kaufen. Dafür gibt es im Internet verschiedene Wechselstuben. Dort bekommen Sie schnell Bitcoin für ein paar hundert Franken.

Viel mehr wollen Sie dort auch nicht kaufen, denn die meisten dieser Dienste sind auch nicht günstiger als die Automaten in der Schweiz. Dazu kommen dann noch die Gebühren Ihrer Bank für den Auslandseinsatz der Kreditkarte.

Bei Coinbase und bei Bitstamp halten sich die Gebühren im Rahmen. Diese beiden Firmen betreiben ausserdem aber auch Kryptobörsen. Mit einer Banküberweisung bekommen Sie an den Börsen Bitcoin noch günstiger.

Wie Aktien: an einer Kryptobörse

Wer mehr als nur ein paar hundert Franken investieren will, eröffnet am besten ein Konto an einer der Onlinebörsen. Seit kurzem gibt es auch eine in der Schweiz. Die meisten grossen und bekannten Börsen sitzen im Ausland.

Eine Börse, die traditionelle Währungen wie Franken, Dollar, Euro oder Yen akzeptiert – im Krypto-Jargon auch «Fiat-Geld» genannt – die muss nachweisen, dass sie staatliche Regelungen gegen Geldwäsche und Terrorismusbekämpfung einhält.

Sie müssen sich also ausweisen und Ihren Wohnsitz nachweisen. Genau wie bei jedem neuen Konto. Meist geht das bequem online. (Bei der Kontoeröffnung erleben Sie also doch ein bisschen Regulierung – mindestens an der Grenze zwischen traditionellen Währungen und den Kryptowährungen.)

Anschliessend überweisen Sie Ihr Startkapital ganz klassisch per Banküberweisung und warten, bis Ihre Einlage gutgeschrieben ist. Sitzt Ihre Börse im Ausland, dann dauert das in der Regel ein paar Tage.

Sofort loslegen können Sie über die Börsen also nicht. Doch wer mehr als nur ein paar Bruchteile von Bitcoin haben will, für den lohnt sich dieser Weg. Es gibt dort sehr viel günstigere Gebühren für den Umtausch. Ausserdem bekommen Sie dort ausser Bitcoin auch andere Kryptowährungen – mindestens die grössten; bei manchen Börsen auch sehr viele und exotische.

Die Zahl der Börsen ist riesig. Wir haben drei Anbieter ausgewählt, die für Kunden in der Schweiz interessant sind. Alle drei sind an stabilen Finanzplätzen reguliert und gut angebunden an das europäische Zahlungssystem SEPA. Zwei von ihnen zeigen schon viele Jahre lang zuverlässig stabile Leistungen. Eine bietet Schweizer Kunden Überweisungen in Franken.

Bitstamp.net – Der Pionier aus Europa. Die erste Kryptobörse, die eine nationale Regulierung bekommen hat. Führt Konten und nimmt Einzahlungen in Dollar oder Euro. Benutzerführung nur in englischer Sprache. Sitz in London, reguliert in Luxemburg.

Coinbase.com – Marktführer in den USA. Sehr einfache Benutzerführung, auch in deutscher Sprache. Eher hohe Gebühren. Sitz in den USA, dort auch reguliert. Einige der wenigen Kryptobörsen, die für amerikanische Staatsbürger Dollar wechselt. Führt für europäische Kunden Fiat-Konten, allerdings nur in Euro.

Lyyke.com – Start-up aus der Schweiz. Derzeit die einzige Kryptobörse, die mit einer ganz normalen Banküberweisung Einzahlungen in Schweizer Franken annimmt. Hier kommen Sie ohne den teuren Umweg über Dollar oder Euro direkt zu Bitcoin. Auf internationale Kunden ausgerichtet, Benutzerführung nur auf Englisch. Sitz in Zug, reguliert in Grossbritannien.

Nichts für Einsteiger: die reinen Kryptobörsen

Passen Sie auf bei der Wahl Ihrer Börse: Nicht jede Kryptobörse nimmt überhaupt Fiat-Währungen. Viele akzeptieren nur Kryptowährungen als Einlage. Tauschen kann man dann nur Kryptowährungen untereinander. Man muss also bereits Bitcoin und Co haben.

Für Einsteiger, die Ihre ersten Bitcoin kaufen wollen, sind reine Kryptobörsen der falsche Ort. Wer später allerdings auch in exotischere Währungen investieren will, kommt um sie kaum herum.

Zu den grössten der reinen Kryptobörsen gehören Okex und Poloniex. Sie sind seit langem auf dem Markt und bieten eine grosse Auswahl auch exotischer Kryptowährungen. (Ein paar der anderen Währungen stellen wir in Kapitel 4 vor.)

Nach dem Kauf: Was muss ich jetzt machen?

Wenn Sie schon einmal ein Video von einem Bitcoin-Automaten gesehen haben, dann denken Sie vielleicht: Jetzt muss ich den Zettel scannen und meine Bitcoin aufs Handy verschieben.

Warten Sie noch.

Wenn Sie nicht müssen, bewegen Sie Ihre neuen Bitcoin am besten gar nicht. Lassen Sie sie für den Moment an der Börse, an der Sie sie gekauft haben. Oder auf dem Zettel, den der Automat ausgedruckt hat.

Sie lernen in Kapitel 3 gleich noch mehr darüber, wo man Bitcoin und andere Währungen am besten aufbewahrt. Vieles davon wird völlig selbstverständlich, wenn wir gleich in Kapitel 2 lesen, wie das digitale Geld überhaupt funktioniert.

2. WIE FUNKTIONIERT DIGITALES GELD?

Die Idee von einem digitalen Geld hat das Internet schon seit seinen Anfängen begeistert. Doch jeder Ansatz zu digitalem Bargeld hatte immer ein Problem: Digitale Kopien sind einfach zu gut.

Wer noch analog kopiert hat, etwa Audiokassetten überspielt oder Bücher fotokopiert, der weiss: Die erste Kopie ist bereits schlechter als das Original, aber noch okay. Die zehnte Kopie ist so grauenhaft schlecht, dass man sie gar nicht haben will. Und wer schon mal versucht hat, eine Münze nachzumachen, dem ist vermutlich schon die allererste Kopie nicht gelungen. Bei einem Song als MP3 ist auch die tausendste Kopie so gut wie das Original.

Wichtig bei Bargeld ist, dass man es nicht kopieren kann. Und darum auch nicht doppelt ausgeben: Wenn ich Ihnen meinen Fünfer gebe, dann darf ich nicht gleichzeitig mit ihm zum Bäcker gehen und das Weggli kaufen. Und anschliessend noch anderswo eine Bratwurst und ein Schoggistängeli.

Physisches Bargeld kann man nicht doppelt ausgeben. Digitale Kopien eben schon. In der Diskussion um digitales Bargeld haben die Experten sogar einen Namen für dieses Problem: Sie nennen es Double Spend.

Bitcoin: Geheimnis für alle

Satoshi Nakamoto hat das Problem des Double Spend gelöst. Dafür kombiniert er bekannte und erprobte Verfahren aus der Kryptographie mit einer eigenen Erfindung: einer innovativen Art der Buchhaltung. Diese Buchhaltung nennt er Blockchain.

Am 3. Januar 2009 schürft Nakamoto die ersten Bitcoin. 50 Bitcoin, das war damals die Belohnung für das Errechnen eines Blocks in der Blockchain. Die Software dafür hat Nakamoto öffentlich gemacht. Die Lizenz ist Open Source. Jeder, der will, darf mitmachen.

Satoshi Nakamoto selbst hingegen könnte privater nicht sein. Bis heute weiss man nicht, ob er so japanisch ist, wie sein Name tönt. Vielleicht ist er auch eine Französin? Oder ein ganzes Team von Amerikanern?

Satoshi Nakamoto hat immer nur über E-Mail und Foren kommuniziert. Niemand kennt seine Stimme, niemand hat live mit ihm geredet. 2010 zieht er sich aus dem Projekt Bitcoin zurück und überlässt die Leitung anderen. Versteckspiel par excellence – total kryptisch, eben.

Kryptographie: Alles wird verschlüsselt

Ob neue Bitcoin schürfen, ob existierende Bitcoin verschicken: Bei Bitcoin wird alles verschlüsselt. Und zwar asymmetrisch. Asymmetrisch heisst, dass es zwei verschiedene Sorten von Schlüsseln gibt.

Der erste Schlüssel ist der öffentliche Schlüssel. Bei Bitcoin nennt er sich auch Adresse. So eine Adresse kann man sich vorstellen wie eine Kontonummer. Die kann man gefahrlos auf seine Rechnung schreiben. Wer sie liest, kann auf diese Adresse Bitcoin schicken – also einzahlen.

Zum Ausgeben braucht es neben der Adresse zusätzlich einen zweiten Schlüssel – den privaten Schlüssel. Mit dem muss man signieren, wenn man Bitcoin verschicken will. Das können Sie sich vorstellen wie die PIN zu Ihrem Konto.

Jeder, der den privaten Schlüssel kennt, kann Ihre Bitcoin ausgeben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihren privaten Schlüssel beschützen.

Blockchain: die verteilte Buchhaltung

In der Blockchain steht alles, was in Bitcoin jemals an Transaktionen geschehen ist. Und zwar für immer. Jede Überweisung ist aufgezeichnet wie im Hauptbuch einer Buchhaltung.

Die Software für Bitcoin ist Open Source. An der Blockchain darf jeder mitmachen und eine Kopie pflegen. Schon wenige Tage nach der Gründung von Bitcoin liegt darum das Hauptbuch nicht nur bei Nakamoto auf dem Laptop. Sondern ausserdem noch auf anderen Computern im Netzwerk. Das ist Absicht. Das Prinzip nennt man auf Englisch distributed ledger.

Das verteilte Hauptbuch ist öffentlich. Jeder kann es einsehen. Das heisst allerdings noch lange nicht, dass man den Inhalt im Klartext verstehen kann. Im Wesentlichen steht in der Blockchain nur, welche Adresse an welche andere Adresse wie viel Bitcoin geschickt hat.

Und das war’s auch schon. 

Und warum heisst das Hauptbuch Blockchain? Kette von Blöcken – was hat das mit Buchhaltung zu tun? Die Transaktionen werden nicht einzeln ins Hauptbuch geschrieben. Sondern Block für Block. Alle zehn Minuten entsteht ein neuer Block. In diesem Block stehen alle Transaktionen der letzten zehn Minuten.

Aber wenn der Inhalt öffentlich ist und jeder so viele Kopien von der Blockchain machen darf, wie er will – kann dann nicht ein Gangster seine eigene Blockchain fälschen, wo er alle Bitcoin besitzt?

Mining: Sicherheit wird belohnt

In der Blockchain sorgen Miner für Sicherheit. Sie betreiben Mining, das heisst zu Deutsch Schürfen. Wie im Bergbau. So ist das auch gemeint: Denn hier gibt es mit viel Arbeit etwas Wertvolles zu finden. Nämlich die neuen Bitcoin, die alle zehn Minuten entstehen.

Neue Bitcoin gibt es als Belohnung für diejenigen, die in der Blockchain für Sicherheit sorgen. Das sind die Miner. Sie sorgen dafür, dass alles seine Ordnung hat. Dass alle zehn Minuten nur ein Block an die Blockchain gehängt wird. Und auch nur der Block, der richtig ist. Angehängt wird er nur, wenn das die Mehrheit der Miner bestätigt.

In der Blockchain wird immer jeder durch jeden kontrolliert. Man muss man daher nicht einem Menschen, einem Staat oder einer Bank vertrauen. Es braucht gar kein Vertrauen. So ein System nennt man darum auch Trustless.

Und wie entsteht jetzt so ein Block? Die Transaktionen liefern den Rohstoff für eine gigantische Rechenaufgabe. Adressen von Sendern und Empfängern, die passenden privaten Schlüssel und die Beträge – das alles muss in der richtigen Form verschlüsselt werden. Jeder Miner versucht nun, als Erster diese Aufgabe zu lösen. Denn nur der erste Miner kreiert den neuen Block und kassiert dafür die Belohnung – derzeit 12,5 Bitcoin.

Die Belohnung gibt es aber erst, wenn die anderen Miner bestätigen, dass die Lösung tatsächlich richtig ist. Die Bestätigung ist vergleichsweise simpel. Ein Block funktioniert ein bisschen so wie ein Sudoku. Das ist total knifflig, wenn man es von Anfang an selber lösen muss. Wenn jemand anders es richtig gelöst hat, sieht man das allerdings sofort.

2009 hat Satoshi Nakamoto den ersten Block noch mit dem Laptop schürfen können. Je wertvoller Bitcoin wird und je mehr Computer mitmachen, desto schwieriger wird das. Heute braucht man fürs Mining Superchips und sehr viel Strom. Es lohnt sich nur noch, wenn man jedes Jahr in die neuesten Superchips investiert. Und sein Rechenzentrum dort aufstellt, wo Strom billig zu haben ist.

Sicherheit durch Wettrüsten

Die Belohnung für einen neuen Block ist hoch. 12,5 Bitcoin, das sind über 100’000 Dollar! Ausserdem gibt es an jeder Transaktion Gebühren zu verdienen. 

Kein Wunder, liefern sich die Miner ein Wettrennen. Jeder will alle zehn Minuten der Erste sein.

Genau das ist beabsichtigt. Dieses technologische Wettrüsten macht Bitcoin sehr sicher: Die Miner beschützen das Netz vor Angriffen. Nur die Mehrheit der Miner könnte die Blockchain ändern.

Wer die Blockchain hacken will, muss also entweder mehr als die Hälfte der Miner auf seine Seite ziehen. Oder noch einmal doppelt so viele Superchips kaufen und selber anfangen mit dem Mining.

Aber warum sollte er die Blockchain dann hacken? Wegen Geld sicher nicht: Da sollte er besser die Belohnung behalten. Wer nach den Regeln spielt, verdient mehr, als wenn er die Blockchain fälscht.

Mit der Blockchain selbst haben Hacker also praktisch keine Chance. Wer Bitcoin stehlen will, versucht darum eher, an die privaten Schlüssel heranzukommen. Umso wichtiger ist, dass Sie genau wissen, wie Sie mit Ihren privaten Schlüsseln umgehen wollen – und wo Sie Ihre Bitcoin aufbewahren.

3. GELDBÖRSEN VON HEISS BIS EISKALT

Wo bewahren Sie Bitcoin auf? Das ist schon fast die falsche Frage. Bitcoin existieren ja nur virtuell, bloss als Vorstellung. Die glänzenden Münzen mit dem B darauf sind nur ein Symbol – damit wir ein Bild zeigen können.

Bitcoin liegen an einer Adresse – dem öffentlichen Schlüssel. Wenn Sie einen privaten Schlüssel zu dieser Adresse haben, dann können Sie die Bitcoin verschicken. Egal, wie viele Bitcoin an dieser Adresse liegen. Einen Teil davon, oder auch alle.

Aufbewahren tun Sie also eigentlich nicht Bitcoin, sondern den Schlüssel zu jeder Adresse. Und spätestens, wenn Sie an mehr als einem Ort Bitcoin gekauft haben, dann haben Sie mehrere Adressen und mehrere Schlüssel. (Sie dürfen so viele Adressen haben, wie Sie wollen.)

Schlüssel bewahrt man in einer Wallet auf. Wallet heisst übersetzt Geldbörse. Ist aber eigentlich eher ein Schlüsselbund. Wenn die Wallet eine Software ist, dann fühlt sie sich letztlich trotzdem so an wie eine Geldbörse. Denn mit so einem Programm kann man schauen, wie viele Bitcoin man hat, und sie direkt senden. Die Wallet muss aber kein Programm sein.

Das klingt verwirrend? Ist es auch. Bleiben wir also nicht länger in der Theorie. Schauen wir uns lieber drei der gängigsten Wallets in der Praxis an.

Cold Storage: Paper Wallet

Technisch die simpelste Wallet von allen ist so ein Zettel, wie ihn die Bitcoin-Automaten ausdrucken. Das ist nichts als ein Stück Papier. Und das zeigt nichts als die beiden Schlüssel: den öffentlichen Schlüssel (die Adresse) und den privaten Schlüssel. 

Dieser Zettel ist offline. Nicht mit dem Internet verbunden. Das ist gut: So kann ihn auch niemand online hacken. Aber natürlich lauern anderswo trotzdem Gefahren: Lassen Sie den Zettel offen herumliegen, dann kann jemand die Codes scannen – und über Ihr Geld verfügen.

Eine Wallet, die nicht mit dem Internet verbunden ist, nennt man kalt. Wallets aus Papier sind die einfachste Form dieser Cold Storage. Mit der passenden Software und einem Drucker können Sie so eine Paper Wallet auch leicht selber herstellen.

Paper Wallets eignen sich hervorragend für die langfristige Speicherung von Bitcoin. Vor allem, wenn Sie dafür Sorge tragen, dass Sie die Zettel nicht verlieren. (Sie können Sie zum Beispiel wie Goldbarren in einen Tresor legen.)

Zum Bezahlen taugen Paper Wallets nicht. Dafür brauchen Sie eine wärmere Wallet.

Warm Storage: Mobile Wallet

Wenn es im Fernsehen oder sonst in Videos um Bitcoin geht, dann sieht man immer ungefähr diese Szene: Der Verkäufer tippt auf dem Smartphone ein, was der Käufer ihm schuldet. Aus diesem Betrag und der Adresse erzeugt das Gerät einen Code. Den zeigt der Verkäufer auf dem Display. Der Käufer scannt diesen Code, tippt auf «Senden». Und zack: Weg ist das Geld.

Der Empfänger sieht den Eingang der Zahlung auch sofort, meist aber mit dem Status pendent. Bis zur endgültigen Bestätigung der Transaktion vergehen ein paar Minuten. Manchmal die vollen zehn Minuten für den nächsten Block auf der Blockchain.

Wer einen Kaffee verkauft, riskiert nicht viel. Er muss nicht auf die Bestätigung warten. Wer sein gebrauchtes Auto verkauft, möchte vielleicht lieber warten, bis der Transfer wirklich bestätigt ist. Wenn er dann bestätigt ist, dann lässt sich der Transfer nicht mehr widerrufen.

Mobile Wallets gibt es für jedes Betriebssystem, natürlich für iOS und Android. Bevor Sie Ihre Mobile Wallet zum ersten Mal benutzen können, müssen Sie erst einmal Bitcoin darauf laden. Auch das geht – wie jede Transaktion – mit einem simplen Scan. So bekommen Sie zum Beispiel die Bitcoin ins Smartphone, die Sie am Automaten oder an einer Börse gekauft haben.

Wer am Handy ihre Wallet öffnen kann, kann ihre Bitcoin stehlen. Darum: Handy per Code oder Fingerabdruck sichern. Falls das Handy verloren geht oder das System abstürzt, ist der Inhalt der Wallet verloren. Darum unbedingt ein Backup von der Wallet machen. (Und zwar separat von der Wallet, nicht einfach nur eine Synchronisation des ganzen Handyspeichers.) Dieses separate Wallet-Backup müssen Sie dafür nur einmal ausführen: Es ist für die Schlüssel in der Wallet. Nicht für den aktuellen Stand an Bitcoin an den Adressen.

Vom Einsatz und von der Sicherheit her sind Mobile Wallets traditionellem Bargeld am ähnlichsten. Sie können Ihre Mobile Wallet überall auf sich tragen. Schnell und einfach bezahlen. Sie können sie allerdings auch genauso leicht verlieren wie ein traditionelles Portemonnaie. Laden Sie also nicht mehr Bitcoin auf eine Mobile Wallet, als sie sonst an Bargeld mitnehmen.

Hot Storage: Kryptobörse

Wer seine Bitcoin an der Börse kauft, bekommt Sie dort ins Depot gelegt. So wie Sie das von einem Broker auch kennen, wenn Sie Aktien kaufen. Sie können Ihre Kryptowährungen dort in Verwahrung belassen. Den privaten Schlüssel bekommen dann allerdings nicht Sie – die Börse behält ihn gleich mit in Verwahrung.

Aber: Börsen können gehackt werden. Und das versuchen Hacker auch regelmässig. Sie sind ein lukratives Ziel für einen Angriff. Denn hier werden an einer zentralen Stelle öffentliche Adressen und private Schlüssel aufbewahrt – je nach Design der Börse gefährlich nah nebeneinander.

Gegen die Blockchain als solche war kein Angriff je erfolgreich. Einige Börsen hingegen hat es erwischt: Spektakulär wurde Mount Gox 2013 gehackt. Zuletzt hat es 2017 den koreanischen Anbieter Nicehash getroffen.

Bitcoin-Puristen der ersten Stunde, die vor allem auf Privatsphäre und Sicherheit bedacht waren, schreien laut auf: Wie können Sie nur einem Fremden die privaten Schlüssel überlassen! Auf der anderen Seite: Wer regelmässig traden will, der muss seine Bitcoin an der Börse halten.

Weitere Wallets von heiss bis eiskalt

Diese drei Wallets sind die gebräuchlichsten auf dem Spektrum zwischen heisser und kalter Speicherung. Darüber hinaus gibt es noch viele mehr.

Hot Storage gibt es auch als reine Online-Wallet – ohne Börse dahinter, dafür oft mit Apps fürs Web und fürs Smartphone. Die sind in der Regel intuitiv und sehr bequem. Es fragt sich allerdings, ob man für diese Bequemlichkeit seine Schlüssel aus der Hand geben will.

Warm Storage gibt es ausser fürs Handy auch für jeden Desktop-Computer – Windows, Mac oder Linux. Sie behalten die privaten Schlüssel und können deren Sicherheit selber kontrollieren. Ist Ihr Rechner mit dem Internet verbunden, dann sind Sie bereit für schnelle Transaktionen – das macht die Wallet angreifbar.

Cold Storage von der praktischen Sorte finden Sie in Hardware-Wallets. Das sind kleine Geräte, die so aussehen wie ein USB-Stick. Die werden nur dann mit dem Internet verbunden, wenn Sie eine Transaktion auslösen wollen.

Ganz eiskalt ist eine Brain Wallet. Statt etwas zu drucken oder zu speichern merken Sie sich einen Satz aus zwölf Worten. So einen Schlüssel können Sie nicht verlieren, nur vergessen. Sie können ihn super schmuggeln und geben ihn nie heraus – ausser Sie werden gefoltert. Eine Wallet wie aus dem Spionagefilm.

Für Bitcoin gibt es eine fast unüberschaubare Menge an verschiedensten Wallets. Einen Vergleich über die Eigenschaften finden Sie zum Beispiel auf der Website Cryptocompare.com.

Je nach Einsatzzweck werden Sie eine wärmere oder kältere Wallet wählen. Und deswegen schon bald nicht nur eine einzige. Wenn Sie heute eine neue Wallet auswählen, dann achten Sie am besten gleich jetzt darauf, dass sie ausser Bitcoin auch noch weitere Währungen unterstützt.

4. ETHER, RIPPLE UND DIE ANDEREN

Neben Bitcoin gibt es heute über 1000 andere Kryptowährungen. Man nennt sie auch Altcoins, alternative Münzen. Alle basieren auf denselben Prinzipien. Wir haben uns am Beispiel von Bitcoin angesehen, wie digitales Geld funktioniert. Das meiste, was wir dort über Adressen, Verschlüsselung und die Blockchain gelernt haben, gilt auch für die anderen Währungen.

Wer sich neu für Kryptowährungen interessiert, schaut in der Regel zuerst auf Bitcoin. Bitcoin war die erste Kryptowährung und ist noch immer die grösste. Bitcoin ist aber auch die älteste Kryptowährung. Für einen Ansturm, wie wir ihn heute erleben, war das System nie ausgelegt. Es ist vergleichsweise langsam. Oft passen gar nicht alle Transaktionen auf den nächsten Block.

Wer eine schnelle Bestätigung will, bietet darum heute oft freiwillig höhere Transaktionsgebühren. Das hebt die Chance, dass die Miner die Transaktion schneller verarbeiten. Ende 2017 sind die Transaktionsgebühren durchschnittlich auf über 5 Franken gestiegen. Für den Espresso an der Bar macht das keinen Sinn. Zum Bezahlen sind daher schnelle und leichte Alternativen gefragt.

Lange Zeit hat Bitcoin mehr als die Hälfte des Marktwertes aller Kryptowährungen ausgemacht. Doch die anderen Kryptowährungen treten aus dem Schatten des grossen Vorbildes heraus. Die Dominanz von Bitcoin sinkt.

Wie wichtig eine Währung im Gesamtmarkt ist, das misst man an der Marktkapitalisierung. Dafür multipliziert man die Menge der Coins im Umlauf mit dem Preis. Den aktuellen Stand des Tages erfahren Sie zum Beispiel bei Coinmarketcap.com.

Wollen Sie nur mal eben ausprobieren, wie sich digitales Geld anfühlt? Dann reicht Ihnen vermutlich die Erfahrung mit Bitcoin. Wollen Sie als Investor diversifizieren? Dann werfen Sie auch einen Blick auf die anderen Währungen.

Hier sind ein paar der bekanntesten Alternativen:

Ethereum: mehr als nur Geld

Die Blockchain Ethereum und ihre Währung Ether waren die Aufsteiger der Jahre 2016 und 2017. 2017 lag Ether immer auf Platz zwei der Rangliste der Marktkapitalisierung. Ethereum setzt für die Transaktionen ebenfalls auf eine Blockchain, abgesichert durch Mining.

Das System Ethereum verwaltet mit seiner Blockchain nicht nur Zahlungen. An die Coins von Ether kann man Smart Contracts anhängen – kluge Verträge. Etwa einen Arbeitsvertrag. Oder einen Anteil an einer Firma, so wie man das von Aktien kennt. Oder eine Besitzurkunde für ein Haus.

So eine Blockchain ist nicht nur eine Konkurrenz für Geld und Banken. Mit den klugen Verträgen könnte Ethereum sogar das Grundbuchamt oder das Handelsregister ersetzen.

Ripple: der Interbanken-Schuldschein

Ende 2017 überholt Ripple kurzfristig Ethereum auf Platz zwei der Marktkapitalisierung. Kurz darauf steht es wieder auf Platz drei. Für Ripple gibt es keine Blockchain und kein Mining. Aber trotzdem ein Distributed Ledger – eine dezentrale Datenbank.

Krypto-Puristen haben Ripple darum immer verspottet. Sie sagen, Ripple sei gar keine echte Kryptowährung. Das stimmt: Ripple sind eher eine Art Schuldschein, an den man Forderungen anhängen kann. In Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. Aber auch ganz klassisch in Dollar oder Franken.

Ripple hat auch tatsächlich einen ganz anderen Anspruch. Das Start-up aus San Francisco will Banken nicht ersetzen. Es will ihnen den Austausch untereinander erleichtern. Zu den Kunden gehören Unicredit, UBS, Santander und American Express.

Ripple ist schnell: Das System schafft 1500 Transaktionen pro Sekunde, und das mit einer dezentralen Datenbank. Zum Vergleich: VISA schafft 3600 Transaktionen pro Sekunde, verwendet dafür aber eine zentrale Datenbank. Bitcoin schafft dezentral höchstens 7 Transaktionen.

Ripple ist gemacht für Banken. Ob sich das bei der Zielgruppe allerdings durchsetzt, bleibt offen. Viele der Banken arbeiten nämlich inzwischen an eigenen Coins – mit oder ohne Blockchain.

Bitcoin Cash: der bessere Bitcoin?

Die Software hinter Bitcoin ist Open Source. Das heisst: Jeder darf sie weiterentwickeln, wie er will. Auch ganz anders. Dann gibt es eine Abspaltung. In der Welt von Open Source nennt man so eine Spaltung im Team und im Code der Software eine Fork (englisch für Gabelung).

Anfang August 2017 geht aus so einer Fork von Bitcoin eine neue Währung hervor: Bitcoin Cash. Die Abtrünnigen sagen, Bitcoin Cash sei der eigentliche Bitcoin – so wie Bitcoin ursprünglich gedacht war.

Bitcoin Cash schafft mit achtmal grösseren Blöcken in seiner Blockchain um die dreissig Transaktionen pro Sekunde. Das ist deutlich schneller als Bitcoin. Sogar schneller als Ether. (Immer noch nicht so schnell wie Ripple. Aber vergessen wir nicht: Ripple bietet nicht die Sicherheit der Blockchain.) 

Nach seiner Gründung hat sich der Kurs von Bitcoin Cash besser entwickelt als der von Bitcoin. Bitcoin Cash hat immer auf Platz drei der Marktkapitalisierung gelegen; mit dem Aufstieg von Ripple ist es auf Platz vier zurückgefallen.

Mehr als tausend Kryptowährungen

Die Auswahl an Kryptowährungen ist riesig. Jede von ihnen kann im Grunde, was Geld können muss: Wert speichern und Wert übertragen. Doch jede von ihnen hat eine eigene Vorstellung davon, was beim Geld der Zukunft wichtiger ist.

Wer primär Wert speichern will, der liebt traditionell so etwas wie Gold. Das ist schwer, unhandlich und mühsam im täglichen Gebrauch – aber sicherer als bedrucktes Papier. Diese Eigenschaften lieben die Fans an Bitcoin. Es eignet sich gut für die Speicherung. Es bietet nur wenige Transaktionen pro Sekunde, dafür mehr kryptographischen Aufwand pro Transaktion.

Wer Wert übertragen will, also schnell und unproblematisch bezahlen, der kann für ein bisschen weniger Sicherheit viel Geschwindigkeit bekommen. Diesen Weg geht Bitcoin Cash. Und ganz extrem Ripple: Das verzichtet für noch mehr Geschwindigkeit sogar ganz auf Sicherheit durch Mining.

Fast alle verorten sich irgendwo zwischen Speichern und Zahlen. Manche finden ausserdem ganz spezielle Nischen:

  • Dash: Setzt auf Geschwindigkeit und einfaches Bezahlen
  • Monero: Bietet mehr Anonymität als Bitcoin
  • Litecoin: Die erste Abspaltung von Bitcoin für mehr Geschwindigkeit
  • IOTA: Einkaufende Kühlschränke zahlen selbstfahrende Autos

Einige der Pioniere halten sich gut. Laufend kommen neue Start-ups dazu; einige begeistern den Markt mit ihren Ideen. Bei den Kryptowährungen gibt es also viel zu entdecken. Einen kompletten Überblick über alle Währungen finden Sie bei Coinmarketcap oder Cryptocompare

5. SOLL ICH ODER SOLL ICH NICHT?

Wenn Sie noch keine Bitcoin haben und auch keine anderen Kryptowährungen, dann fragen Sie sich vielleicht: Soll ich überhaupt mitmachen? Soll ich jetzt einsteigen und Bitcoin kaufen? Soll ich lieber noch warten? Wie riskant ist das?

Bis die Praxis sitzt: Auf jeden Fall klein anfangen

Wenn Sie jetzt einsteigen wollen, dann wissen Sie, wie das geht. Theoretisch. Fangen Sie darum in der Praxis am besten klein an. Gut, dass Sie keinen ganzen Bitcoin kaufen müssen. Denn Bitcoin sind ja zum Glück teilbar.

Die Welt der Codes und Wallets ist neu. Vielleicht machen Sie sich Sorgen, dass Sie etwas falsch machen beim Einrichten der Wallet oder beim Schicken von Geld?

Probieren Sie das mit kleinsten Beträgen aus. Am besten nehmen Sie nicht mehr Geld in die Hand, als Sie in den Ferien an einem Tag in einer fremden Währung ausgeben wollen. Alles ist fremd. Und mit zu viel Geld in der Hand schlägt das Herz unnötig schnell.

Wie das meiste Geld: Kryptowährungen ohne inneren Wert

Und wenn Sie die ersten praktischen Hürden genommen haben? Würden Sie jetzt grössere Summen investieren? Dann lassen Sie sich warnen: 

Kryptowährungen haben keinen inneren Wert, sagen viele Warner. Unter Ihnen bekannte Banker – nicht nur Axel Weber von der UBS. Damit haben die Warner recht. Die Blockchain macht die Coins zwar fälschungssicher. Das heisst aber noch lange nicht, dass der einzelne Coin auch etwas wert ist.

Keinen inneren Wert hat allerdings fast alles Geld, seit wir nicht mehr mit Gold- und Silbermünzen bezahlen. Buntes Papier mit Zahlen darauf ist auch nur deshalb etwas wert, weil wir alle es glauben. Spannend ist darum nicht die Frage: Haben Bitcoin und Co einen inneren Wert. Sondern: Sind sie wirklich so viel wert, wie sie heute kosten?

Preisexplosion: Platzt jetzt die Blase?

Die Preise von Bitcoin und Co sind stark gestiegen. Der Anstieg war so steil, dass viele Warner von einer Preisblase reden. Damit könnten sie recht haben.

Es gibt aber noch immer viele Menschen, die neu mitmachen wollen und noch keine Coins haben. Unter Ihnen auch wohlhabende Kunden aus dem Private Banking. Das spricht für mehr Nachfrage. So könnten selbst mitten in der Blase die Preise noch weiter steigen.

Gleichzeitig nehmen einige der Pioniere bei den hohen Preisen von heute ihre Gewinne mit. Machen das zu viele von ihnen auf einmal, dann würden die Preise fallen. Durchaus auch schnell.

Rauf oder runter – für beides gibt es glaubwürdige Argumente.

Ein Preissturz wäre in der kurzen Geschichte von Bitcoin nicht der erste. Schon früher hat es spektakuläre Höchststände gegeben, danach auch Abstürze von 80 Prozent oder mehr – aber bis heute bei Bitcoin immer eine schnelle Erholung.

Die Kursbewegungen sind gross, aber sie werden nicht unendlich sein. Nehmen wir zum Vergleich noch einmal die Internetaktien im Jahr 2000. Von denen sind zwar nur wenige ganz auf Null gefallen, viele allerdings um 90 Prozent – auf ein Zehntel ihres Höchststandes. Sie können also (fast) alles verlieren, was Sie einsetzen. (Aber immerhin nicht mehr – ausser Sie spekulieren auf Kredit.)

Nach oben ist theoretisch viel Luft. To the Moon – zum Mond! So haben sich die Pioniere von Bitcoin gegenseitig Mut gemacht. Einige von ihnen sind Millionäre geworden. Heute ist es immer noch vorstellbar, dass Sie Ihren Einsatz verzehnfachen. Viel mehr wird unwahrscheinlich. Für einen Bitcoin bei einer Million Franken, Dollar oder Euro wird auf der Welt das traditionelle Geld einfach zu knapp. Kleinere Nebenwährungen könnten sich durchaus noch spektakulär entwickeln.

Volatilität: Wie viel halten Sie aus?

In der Woche vor Weihnachten 2017 ist Bitcoin von knapp 20’000 Franken gefallen – auf etwas über 11’000. Das sind über 40 Prozent. In einer einzigen Woche! Das ist wie Achterbahn. (Nach Weihnachten hat sich der Kurs erholt. Aber das hätten Sie unter dem Christbaum noch nicht gewusst.)

Stellen Sie sich kurz vor: Wie geht es Ihnen, wenn Sie von 10’000 Franken 4’000 verzocken? Undenkbar? Das wollen Sie sich lieber gar nicht vorstellen? Ihnen wird ganz flau im Magen? Also vielleicht dann besser nur 1’000 Franken einsetzen und 400 verlieren? Ein wenig besser – aber immer noch nicht gut? Sie können nachts trotzdem nicht ruhig schlafen?

Vielleicht setzen Sie dann besser nur wenig auf Kryptowährungen. Vielleicht etwa so viel, wie Sie für einen Bungeesprung ausgeben würden? Dann haben Sie auf jeden Fall spannende Erinnerungen an eine wilde Zeit. Und – falls es richtig gut läuft – trotzdem genug gewonnen für einen Städtetrip.

Kryptowährungen gehört die Zukunft

Bubble hin oder her: Langfristig haben Kryptowährungen Zukunft. Selbst wenn zwischendurch die Preise abstürzen. Einer revolutionären Technologie ist es egal, wenn die Investment-Blase um sie herum platzt.

Im März 2000 erreichte der NASDAQ, der amerikanische Index der Technologieaktien, seinen Höchststand bei 5048. Danach stürzte er ab. Er brauchte 15 Jahre, bis er sich erholt. In der Zwischenzeit hat das Internet ganz real unser Leben völlig verändert – vor allem, wie wir Medien nutzen und wie wir einkaufen.

Kryptowährungen und die Blockchain werden die Welt ähnlich auf den Kopf stellen. Zum Beispiel hier:

  • Banken können schneller werden und rationeller. So werden sie besser und günstiger. Mit der Transparenz aus der Blockchain hoffentlich auch ehrlicher. Vielleicht werden sie aber auch überflüssig?
  • Banken und Zentralbanken sind nicht mehr die einzigen, die Geld herstellen. Es wird schwieriger für sie, einfach Geld zu drucken. Sie bekommen Konkurrenz. Wer solides Geld will, findet es auf der Blockchain.
  • Alle Grundbuchämter auf der Welt sind völlig transparent. In der Schweiz finden wir es normal, dass wir dem Grundbuch vertrauen können. Für Milliarden von Menschen in Ländern mit korrupten Regierungen bringt die Blockchain Erlösung – Sie müssen nicht mehr vertrauen.
  • Jeder Mensch auf der Welt kann an der Wirtschaft teilnehmen. Mit der Blockchain braucht niemand mehr ein Bankkonto. Mit Kryptowährungen hat er die Bank in der Tasche.

Sollten Sie mitmachen?

Bitcoin und Co sind wichtig. Sie weisen in die Zukunft und werden die Welt verändern. Sollten Sie darum heute schon mitmachen? Kommt darauf an, was Sie sich davon versprechen:

Sie wollen einfach bezahlen? Zum Zahlen in der Schweiz sind Bitcoin und Co zu mühsam. Das geht schneller mit Postcard oder EC. Sinnvoll wird es, wenn das Geld ins Ausland geht. Wenn Sie das nächste Mal eine Ferienwohnung mieten. Oder regelmässig Angehörigen im Ausland Geld schicken.

Sie wollen investieren? Versprechen Sie sich nicht zu viel. Die Kurse sind bereits stark gestiegen. Klar – sie könnten noch weiter steigen. Aber auch morgen schon massiv sinken. Langfristige Investoren brauchen gute Nerven. Sie könnten alles verlieren. Setzen Sie darum nur einen kleinen Teil Ihres Vermögens und spekulieren Sie nicht mit geliehenem Geld.

Sie wollen traden? Dann sind Sie hier richtig. Trader brauchen Volatilität. Davon finden sie bei Kryptowährungen reichlich. Schwankungen von 20 Prozent oder mehr an einem einzigen Tag sind keine Seltenheit. So kann man schnell Gewinn machen – oder Verlust.

Sind Sie einfach neugierig? Wer in die Zukunft schauen will, muss Bitcoin und Co ausprobieren. Kryptowährungen sind eine revolutionär neue Kulturtechnik. So wie E-Mail 1994 – man wusste damals auch nicht so genau, ob man das braucht und wem man eigentlich schreiben soll.

Schicken Sie sich doch einfach gegenseitig mit Ihren Freunden ein paar Satoshi. Dann können Sie mitreden. Für Ihre erste Transaktion wissen Sie jetzt genug. Und wenn Sie aufbrechen wollen: Gute Reise in die Zukunft – und fahren Sie vorsichtig!