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Was ist die neue Libra Facebook-Währung?

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| von Michael Kuhn |
Bild: iStock / metamorworks

Facebook lanciert gemeinsam mit Partnerunternehmen die Währung Libra. Verändert sich damit für Milliarden von Menschen die Art, wie sie bezahlen und Geld transferieren? Und wer will Libra verhindern? Comparis liefert die Antworten.

Was ist Libra?

Libra ist eine Blockchain-basierte Währung. Ihr Wert wird durch einen Währungskorb abgesichert. Konkret: Der Libra soll in einem festgesetzten Verhältnis an eine oder mehrere traditionelle Währungen gekoppelt werden. Mit der Menge der Coins wird auch die Hinterlegung in Währungen wie Schweizer Franken, Euro oder Dollar zunehmen. Die Ausgabe an Libras soll nicht beschränkt werden. Darum gibt es keine Verknappung wie bei anderen Kryptowährungen wie zum Beispiel beim Bitcoin.

Welche Unternehmen unterstützen Libra?

Die Verwaltung der Kryptowährung wird vom Schweizer Verein Libra Association mit Sitz in Genf geleitet. Die Gründungsmitglieder des Konsortiums sind unter anderem Vodafone, PayPal, Coinbase, Lyft und Uber. Sie wollen Libra als Zahlungsmittel einsetzen. Bis zum Launch der Währung soll die Zahl der Mitgliederunternehmen auf 100 anwachsen.

Wie steht es mit dem Datenschutz?

Der Verein Libra legt nach eigenen Angaben Wert auf eine hohe Glaubwürdigkeit – auch beim Datenschutz. Facebook will deshalb die Libra-Zahlungstransaktionen strikt von den Social-Media-Anwendungen trennen. Facebook ist zudem nicht direkt Mitglied des Libra-Vereins, sondern über die Tochterfirma Calibra. «Für einen Erfolg müssen trotzdem so schnell wie möglich vertrauenswürdige Partner, wie etwa Banken, mit an Bord geholt werden. Durch die Datenskandale der letzten Jahre sind nur wenige Nutzer aktuell bereit, einer mit Facebook liierten Firma ihr Geld anzuvertrauen», sagt Jean-Claude Frick, Digital-Experte von comparis.ch.

Kann die Währung bereits gekauft werden?

Noch nicht. Der Start der neuen Währung soll im zweiten Halbjahr 2020 erfolgen. Viele Details sind noch unbekannt.

Wer wird Libra nutzen können?

Noch ist nicht definiert, welche Unternehmen die neue Währung anbieten bzw. als Zahlungsmittel zulassen werden. Facebook hat angedeutet, dass Libra bei WhatsApp, Instagram und Facebook genutzt werden könnte. «Diese Dienste verfügen weltweit über rund 2,7 Milliarden Benutzer. Diese eindrückliche Marktmacht von Facebook könnte entscheidend sein beim Versuch, ein neues Bezahlsystem zu etablieren», analysiert Frick.

Kann mit Libra nur bezahlt werden?

Facebook will neben dem Bezahldienst und dem Überweisen von Geld von einem Nutzer zu einem anderen auch weitere Finanzdienstleistungen anbieten. Diese sollen im Calibra Wallet verfügbar sein. Dazu gehört gemäss Kevin Weil, Vice President of Product, Blockchain, auch ein Kreditservice.

Wird Libra ein Erfolg?

Gemäss dem Comparis-Experten könnte Libra an Orten ohne gut ausgebaute Zahlungsinfrastruktur erfolgreich werden; also zum Beispiel in Afrika, Indien oder Teilen von Asien. «Dort besitzt schon eine Mehrheit der Leute ein Smartphone, oft mit Facebook oder WhatsApp drauf. Dieser Personenkreis kennt bereits die Geldüberweisung per SMS und ist offen für neue Möglichkeiten, Geld zu transferieren», so Frick. Ausnahme ist der chinesische Markt, in dem die elektronischen Zahlungssysteme Alipay und WeChat Pay das Bargeld zunehmend aus dem Alltag verdrängen. Hier dürfte Libra einen harten Stand haben – nicht nur wegen zu erwartenden Zulassungshürden.

Wer will Libra verhindern?

Harter Gegenwind bläst der neuen Währung von Konsumentenschützern und Regulatoren in den USA und Europa entgegen.Auch US-Präsident Donald Trump und der amerikanische Finanzchef Steven Mnuchin haben sich zur Kryptowährung kritisch geäussert. Verschiedene Untersuchungsausschüsse prüfen aufsichtsrechtliche und regulatorische Fragen. Wohl auch deshalb will sich Libra von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) beaufsichtigen und sich strengsten Prüfungen unterziehen lassen. 

Wie verdienen Facebook und Co. mit Libra Geld?

Beim Start von Libra sollen keine Transaktionsgebühren anfallen. Später könnten solche erhoben werden. Mögliche Einnahmequellen sind zudem: Nutzungslizenzen für Partnerfirmen, die Monetarisierung der Daten sowie Kursgewinne beim Umwandeln von Libra in bestehende Währungen und umgekehrt.