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Hypothekarzinsen: Welche Folgen hat die Corona-Krise?

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Was bedeutet die Corona-Krise für die Hypothekarzinsen? Drei Szenarien sind denkbar. Bild: Tierra Mallorca / Unsplash

Durch die Corona-Pandemie herrscht an den Finanzmärkten grosse Unsicherheit. Diese schlägt auch auf den Hypothekarmarkt durch. Der Comparis-Partnerservice HypoPlus hat drei mögliche Szenarien entwickelt, wie sich die Situation entwickeln könnte. 

Grundsätzlich gilt: Zinsen lassen sich generell schwer prognostizieren, da zahlreiche Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Die folgenden drei Szenarien dienen deshalb als Orientierungshilfe bei der Wahl der Hypothekarstrategie:

Szenario 1: Nachhaltiger Zinsanstieg bei Hypotheken

Durch die signifikante Reduktion der Wirtschaftsleistung während zweier Monate wurde in der Schweiz faktisch Vermögen reduziert: Arbeitnehmer, Selbstständige und Unternehmen nutzen Ersparnisse für laufende Kosten und senken ihre Sparquote. Zudem können Banken aufgrund der vom Bund garantierten Kredite einen signifikanten Teil ihrer Gelder relativ sicher anlegen, während der Aktienmarkt aufgrund der Kursverluste im März wieder eine attraktive Anlageoption bietet. Dadurch sinken die für Hypotheken verfügbaren Mittel bzw. es wird von Hypotheken eine höhere Rendite erwartet. Dies führt zu einem nachhaltigen Zinsanstieg insbesondere bei längeren Laufzeiten.

Szenario 2: Stabilisierung der Hypothekarzinsen auf jetzigem Niveau

Bei einer schnellen Erholung der Wirtschaftsleistung sowie einer Lockerung der Restriktionen in der Gesellschaft in den nächsten zwei bis drei Monaten beruhigen sich die Finanzmärkte. Gleichzeitig erhöhen die Notenbanken ihre quantitativen Massnahmen, um Liquidität sicherzustellen. Dies hält die Zinsen tief und wirkt der Geldknappheit im Szenario 1 entgegen. Der gegenseitige Effekt hält sich die Balance, und die Zinsen stabilisieren sich auf dem jetzigen Niveau.

Szenario 3: Rückgang der Zinsen

Bei einer schneller als erwarteten Erholung der Schweizer Wirtschaft kann der oben genannte Vermögensverlust minimiert und somit auch das Angebot an Geldern für Hypotheken aufrecht erhalten werden. Gleichzeitig wird durch die schnelle Erholung auch der Aktienmarkt positiv beeinflusst und erreicht das Niveau von Anfang März; dadurch nimmt die erwartete Rendite auf Aktien wieder ab. Sofern sich die Schweiz schneller erholt als die restliche Weltwirtschaft, werden ausländische Investoren verstärkt nach sicheren Anlagen in Schweizer Franken (safe haven currency) suchen – dies reduziert die Zinsen auf den langfristigen Bundesanleihen. Hypotheken werden somit als Anlage interessanter, und die erwartete Rendite nimmt ab. Dies wiederum senkt die Zinsen auf den längeren Laufzeiten – allerdings nur, wenn die SNB als Resultat ihre quantitativen Massnahmen nicht im gleichen Rahmen reduziert.

«Sich von kurzfristigen Zinsschwankungen nicht beirren lassen»

«Eine Stabilisierung auf jetzigem Niveau erscheint uns derzeit am wahrscheinlichsten, gefolgt von einem nachhaltigen Zinsanstieg. Einen signifikanten Rückgang der Zinsen erachten wir als weniger wahrscheinlich», sagt Vlad Ciocan, CEO des Hypothekenvermittlers HypoPlus, ein Partnerservice von Comparis. Die Hypothekarzinsen sind zwar gestiegen, im historischen Vergleich sind sie aber weiterhin tief. (Hier finden Sie das aktuelle Hypotheken-Barometer von Comparis.) Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Richtzins für eine zehnjährige Festhypothek bei über 3 Prozent. Per Mitte April beträgt der Richtzins gut 1 Prozent. Eigenheimbesitzer haben auch auf diesem Zinsniveau im Normalfall tiefere Wohnkosten als Mieter. «Hypothekarnehmer sollten sich – insbesondere bei langfristigen Hypotheken – nicht von kurzfristigen Zinsschwankungen beirren lassen. Die Hypothekarstrategie muss stattdessen auf die persönliche Finanzplanung und das Haushaltsbudget abgestimmt sein», rät Ciocan.

Weitere hilfreiche Tipps zu Hypotheken finden Sie übrigens auch in unserem Ratgeber: