Alter

Was ist der Unterschied zwischen Hilfebedürftigkeit und Pflegebedürftigkeit?

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Bild: iStock / doble-d

Hilfebedürftigkeit ist nicht gleich Pflegebedürftigkeit: Oft benötigen ältere Menschen bloss etwas Hilfe bei komplexeren Alltagsaktivitäten und noch keine Pflege. Hier erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Arten der Unterstützung.

Zum Ratgeber: Leben im Alter

Verlust der Selbstständigkeit im Alter

Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Häufigkeit chronischer gesundheitlicher Probleme und somit der Pflegebedürftigkeit.

Der Verlust der Selbstständigkeit hängt oft mit dem normalen Alterungsprozess zusammen. Im Alter nimmt die sensorische Wahrnehmung wie das Seh- und Hörvermögen ab. Betroffene Menschen sind bei alltäglichen Tätigkeiten wie Einkaufen, Putzen oder Kochen auf Hilfe angewiesen. Gleichzeitig nimmt im Alter die Beweglichkeit und Mobilität ab. Das erschwert das Einkaufen, Haushaltsarbeiten, aber auch die Körperpflege oder den Arztbesuch. Mögliche Folgen können Fehl-, Mangelernährung und Gewichtsabnahme sein.

Von den über 85-jährigen Frauen leiden 44 Prozent an starken Beschwerden. Bei Männern sind es 28 Prozent. Unvorhersehbare Ereignisse wie ein Schlaganfall, Schenkelhalsbruch oder eine Operation können zu plötzlicher Pflegebedürftigkeit führen. Aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Arthrose, Rheuma oder Übergewicht tragen dazu bei, dass Betreuung und Pflege notwendig wird. Weitere Auslöser sind psychische Beschwerden wie depressive Symptome, Alzheimer oder Demenz.

Wie unterscheiden sich Hilfe und Pflege?

Im Fachjargon unterscheidet man zwischen Hilfeleistungen und Pflegeleistungen. Hilfeleistungen bezeichnen sporadische Unterstützung im alltäglichen Leben und in der Haushaltsführung. Das können kleine Reparaturen, Einkaufen, Gartenarbeit, Wohnungsreinigung oder administrative Hilfe mit Ämtern und Behörden wie etwa das Ausfüllen der Steuererklärung sein. Pflegeleistungen bezeichnen die regelmässige Unterstützung, die meist körperbezogen und medizinisch anspruchsvoll ist.

Wann ist jemand hilfebedürftig?

Der Grad der Hilfebedürftigkeit wiederum hängt davon ab, wie eine Person fähig ist, selbstständig:

  • Essen zu zubereiten,
  • zu telefonieren,
  • einzukaufen,
  • Wäsche zu waschen,
  • leichte Hausarbeit zu erledigen.
  • gelegentlich schwere Hausarbeit zu erledigen,
  • sich um Finanzen zu kümmern,
  • die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen.

Stark hilfebedürftige Personen können mindestens eine dieser acht Aktivitäten nicht mehr selbstständig ausführen. Mittelmässig Hilfebedürftige können bei mindestens einer Aktivität starke Schwierigkeiten haben, aber alle Aktivitäten noch selbstständig ausführen. Leicht hilfebedürftige Personen haben bei mindestens einer Aktivität leichte Schwierigkeiten.

Ob und wie stark jemand pflege- oder hilfebedürftig ist, stellt die Spitex bei der Bedarfsabklärung oder der Arzt fest. Das kann der Hausarzt oder – nach einem Unfall oder einer Operation – der Arzt im Spital sein.

Wann ist jemand pflegebedürftig?

Pflegebedürftigkeit fängt meist bei alltäglichen Aktivitäten an wie:

  • selbstständig essen
  • selbstständig ins und aus dem Bett steigen oder von einem Sessel aufstehen
  • selbstständig sich an- und ausziehen
  • selbstständig zur Toilette gehen
  • selbstständig baden oder duschen

Als stark pflegebedürftig gelten Personen, die mindestens eine der fünf Alltagsaktivitäten nicht mehr alleine bewältigen können. Mittelmässig pflegebedürftig sind Personen, die alle fünf Alltagsaktivitäten noch selbst bewältigen können, aber bei mindestens einer Aktivität starke Schwierigkeiten angeben. Leicht pflegebedürftig sind Personen, die bei mindestens einer Aktivität leichte Schwierigkeiten angeben aber bei keiner starke Schwierigkeiten haben.

Wie gehe ich zur Abklärung vor?

Vermuten Sie, dass Sie selbst oder Ihre Angehörigen Hilfe benötigen? Dann sollten Sie folgende Punkte abklären:

Gesundheitszustand

  • Welche Aktivitäten der Hilfebedürftigkeit und Pflegebedürftigkeit (siehe oben) können ausgeführt/nicht mehr ausgeführt werden?
  • Wie ist der Gesundheitszustand? Was ist die Ursache, die Diagnose und die Prognose? Ist die Einschränkung vorübergehend oder chronisch?
  • Welche Bedingungen sollten erfüllt sein, um weiterhin selbstständig leben zu können?

Soziales Umfeld

  • Besprechen Sie den Ist- und Soll-Gesundheitszustand und untenstehende Punkte mit dem Hausarzt und mit Ihren Familienangehörigen.
  • Als Angehörige/r: Lassen Sie alle Optionen offen, damit sich der/die Betroffene nicht in die Enge gedrängt fühlt.
  • Überlegen Sie, welche Hilfe und Pflege die Familie selbst übernehmen kann.
  • Diskutieren Sie, wie die Arbeit unter den verschiedenen Angehörigen aufgeteilt wird (Hinweis: Überforderung durch Stress).

Anbieter von Pflege und Betreuung

Wohnsituation

  • Müssen die Wohnräume anders genutzt werden, indem etwa das Wohnzimmer auch als Schlafzimmer dient?
  • Gibt es Stolperfallen?
  • Braucht es bauliche Massnahmen, damit die Person möglichst selbstständig bleiben kann?
  • Drängt sich ein Umzug ins Alters- oder Pflegeheim oder eine andere Wohnform auf?

Finanzen

 

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