Krankheiten & Symptome

Corona: Ist ein Besuch beim Arzt jetzt gefährlich?

TIPPS
| von Felix Schneuwly |
Bild: iStock/ filadendron

Viele Menschen sind in der aktuellen Corona-Krise verunsichert und gehen trotz Beschwerden nicht zum Arzt. Die Kantone haben die bis am 27. April gültigen Anordnungen des Bundes, nicht unbedingt notwendige Untersuchungen und Behandlungen in den Spitälern zu unterlassen, um Infrastruktur und Personal für Corona-Patienten freizuhalten, unterschiedlich streng umgesetzt. Viele Patienten werden aber auch nach dem 27. April versunsichert bleiben. In welchen Fällen Sie einen Arzt konsultieren sollten, erklären wir Ihnen nun.

Die Absage der sogenannten Wahleingriffe – zum Beispiel die Operation eines schmerzenden Knies – geschieht einerseits zum Schutz des Personals in den Gesundheitseinrichtungen. Es soll vermieden werden, dass viele Ärztinnen, Pfleger und andere Gesundheitsfachpersonen ausfallen, weil sich unter ihnen das Coronavirus ausbreitet. Es geht andererseits aber auch um den Schutz der Patienten, die durch Vermeidung von Kontakten ihr Ansteckungsrisiko verringern.

Seit dem 27. April werden gemäss dem Fahrplan des Bundesrates die Corona-Massnahmen gelockert. Spitäler und Arztpraxen dürfen seit diesem Datum auch wieder nicht dringende Untersuchungen und Behandlungen durchführen.

Sie haben einen OP-Termin verschoben und sind nun unsicher?

Haben Sie oder Ihr Arzt eine Untersuchung oder Behandlung bereits abgesagt oder verschoben, empfehlen wir Ihnen, den Arzt anzurufen, wenn Sie verunsichert sind. Fragen Sie ihn nach den konkreten Folgen des abgesagten oder verschobenen Termins. Wenn Sie nach der Auskunft des Arztes immer noch unsicher sind, holen Sie bei einem anderen Arzt eine Zweitmeinung ein.

Sie haben Beschwerden und wissen nicht, ob Sie einen Termin beim Arzt brauchen?

Wenn Sie an akuten Beschwerden leiden, sollten Sie unverzüglich Ihren Arzt oder ein telemedizinisches Zentrum anrufen. Das Telefongespräch hilft Ihnen und Ihrem Arzt, zu entscheiden, ob Sie einen Termin beim Arzt brauchen oder sogar direkt ins Spital gehen sollten. Machen Sie sich in diesem Fall keine Sorgen über Corona. Die Ärzte und Spitäler haben aufgrund der Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ihre Abläufe angepasst und vermeiden zum Beispiel, dass zu viele Patienten in Wartezimmern sitzen müssen. Die Spitäler trennen Corona-Patienten konsequent von anderen Patienten.

Auch Zahnärzte führen Notfallbehandlungen sowie Eingriffe, die potenziell höhere Folgeschäden vermeiden, weiterhin durch. Das gleiche gilt auch für unaufschiebbare kieferorthopädische Verlaufskontrollen. Auch hier gilt: Nehmen Sie im Zweifel telefonisch Kontakt zu Ihrem Zahnarzt auf.

Auch Physio-, Psycho-, Ergo- und andere ärztlich angeordnete Therapien sollten Sie nur dann unter- oder abbrechen, wenn Sie über die Folgen genau Bescheid wissen. Auch Therapeuten kennen die Corona-Schutzmassnahmen des BAG.

Deutliche Rückgänge von Konsultationen bei Hausärzten

In den Hausarztpraxen sorgt der Fokus auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie für einen teils drastischen Rückgang von Konsultationen. Laut Hausärzteverband gibt es diese Entwicklung, weil die Leute zuerst selbst versuchen, ihre gesundheitlichen Probleme zu lösen. Zudem gibt es deutlich weniger Berufs-, Verkehrs- und Sportunfälle.

Mehr Arztkonsultationen per Telefon oder Video

Neben den telemedizinischen Anbietern sind in der Corona-Krise auch immer mehr Arztpraxen und Apotheken für Konsultationen per Telefon oder Video erreichbar. Auch mehr und mehr Patienten, die früher skeptisch waren, machen aus Angst vor Ansteckungen mit dem Coronavirus Gebrauch von digitalen Konsultationen. Die gesetzlichen Auflagen für telemedizinische Konsultationen sind entsprechend vom Bundesrat gelockert worden. Psychologen dürfen im Gegensatz zu Psychiatern Psychotherapie weiterhin nicht als Telefon- oder Videositzungen anbieten.

  • Comparis-Gesundheitsexperte Felix Schneuwly hat zum Phänomen leerer Arztpraxen und zu den Gefahren fehlender Konsultationen bei Erkrankungen auch auf Blick.ch informiert. Hier können Sie den Beitrag lesen und das Video dazu sehen.
  • Die derzeitige Situation mit der Empfehlung, seine Ärztin oder seinen Arzt zunächst telefonisch zu kontaktieren, entspricht übrigens in weiten Teilen dem Telmed-Modell der Krankenkassen. Sofern Sie sich als Versicherter für diese Art der ersten Kontaktaufnahme bei medizinischen Fragen interessieren, können Sie sich in unserem Glossar-Artikel darüber informieren und auch einen möglichen Prämienrabatt berechnen, wenn Sie in ein Telmed-Modell wechseln würden.

 

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