Impfungen: Jeder Zweite misstraut seinem Arzt

Comparis-Umfrage: Patienten recherchieren lieber selbst


Geht es ums Impfen, glaubt eine Mehrheit nicht an die Götter in Weiss: Die meisten Schweizer informieren sich lieber selber, ob eine Impfung überhaupt notwendig ist. Jeder zweite Patient will den Impfempfehlungen seines Arztes nicht blind folgen. Ein Viertel gibt sogar an, Impfvorschläge ganz bewusst abzulehnen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Internetvergleichsdienstes comparis.ch.

Zürich, 27. Juni 2017 – Schweizer Patienten überlassen den Entscheid für oder gegen eine bestimmte Impfung nicht ihren Ärzten alleine. Jeder Zweite möchten in den Entscheidungsprozess eingebunden sein und holt eigene Informationen ein, bevor sie in die Immunisierung einwilligen. Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, dem ärztlichen Impfvorschlag bedingungslos zu folgen. Für Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte beim Internetvergleichsdienst comparis.ch, sind diese Umfrageergebnisse zwiespältig: «Auf der einen Seite geben sich die Schweizer Patienten mündig und hinterfragen ärztliche Empfehlungen kritisch. Auf der anderen Seite ignorieren viele die wissenschaftliche Faktenlage.»

Die kritische Auseinandersetzung mit einer Impfempfehlung stösst grundsätzlich auf gesellschaftliche Akzeptanz: Rund 65 Prozent der Befragten gaben an, dass eine Impfverweigerung unter bestimmten Voraussetzungen nicht grundsätzlich falsch sein müsse. Nur jeder Vierte ist hingegen davon überzeugt, dass es verantwortungslos sei, sich gegen den ärztlichen Impfvorschlag zu stellen.

Ein Viertel ignoriert Impfempfehlungen – bei Kindern versteht die Mehrheit keinen Spass

Dass in der Umfrage knapp 25 Prozent angegeben haben, einer Impfempfehlung grundsätzlich nicht folgen zu wollen, erschreckt Schneuwly hingegen: «Wie wichtig zielgerichtetes Impfen ist, zeigt gerade das Beispiel Italien: Dort musste der Staat dieses Jahr die Impfpflicht einführen, um eine grassierende Masernepidemie in den Griff zu bekommen.» Hätten die Eltern ihre Kinder hingegen systematisch impfen lassen, wäre es kaum zu der gefährlichen Epidemie im südlichen Nachbarland gekommen.

Besonders wenn es um das Impfen von Kindern geht, lassen die Schweizer nicht mit sich spassen. Mehr als 60 Prozent der Befragten können es nicht nachvollziehen, dass Eltern ihre Kinder entgegen der Empfehlung des Arztes nicht impfen lassen. Für knapp 40 Prozent nehmen diese Eltern ihre Verantwortung nicht wahr und 22 Prozent fordern gar, die Eltern gesetzlich zum Impfen ihrer Kinder zu zwingen. Wie kontrovers das Thema dennoch ist, zeigt sich allerdings bei jenen Befragten, die Verständnis dafür haben: Fast 40 Prozent sind überzeugt, dass diese Eltern gerade wegen der Impfverweigerung ihre Verantwortung besonders gut wahrnehmen.

Zeckenimpfung lässt Mehrheit kalt

Zeckenbisse können zu einer Meningoenzephalitis führen, die im schlimmsten Fall tödlich endet. Dieses gravierende Risiko lässt sich durch eine Schutzimpfung wirksam verhüten. Allerdings zeigt sich eine erdrückende Mehrheit der befragten Comparis-Nutzer davon mehr oder minder unbeeindruckt: 70 Prozent sagen, sie hätten sich dagegen nicht impfen lassen, diesen Schritt gemacht haben nur 30 Prozent. Nach dem Grund gefragt, weswegen sie keine Immunisierung durchführen lassen haben, führt ein Drittel an, sie kämen nie mit Zecken in Berührung. Ein weiteres knappes Drittel erklärt, sich bewusst für nur ganz wenige Impfungen zu entscheiden - die Zeckenimpfung gehöre nicht dazu. Rund jeder Sechste hatte von dieser Impfmöglichkeit keine Kenntnis. Trotzdem könnte sich knapp jeder Zweite grundsätzlich vorstellen, sich dagegen impfen zu lassen.

Am ehesten würden sich die Befragten für eine Impfung gegen Tetanus (knapp 72 Prozent), Hepatitis (65 Prozent) und Masern, Röteln und Windpocken (62 Prozent) aussprechen. Eine Grippe-Impfung können sich hingegen nur 30 Prozent vorstellen.

Methodik

An der Online-Umfrage nahmen im Juni 2017 600 Nutzer von comparis.ch teil. Die Befragung ist nicht repräsentativ für die Schweiz.

 

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