Teures Surfen im Ausland: Hartnäckig bleiben

Ralf Beyeler
Telecom-Experte
bei comparis.ch

Donnerstag, 16. August 2012 - Kommunikation

Die Ferien sind längst vorbei und man schwärmt noch von den erholsamen, sonnigen Tagen am Strand im fernen Land. Doch die Freude ist vorbei, sobald eine hohe Handy-Rechnung über mehrere tausend Franken eintrudelt.

Ein grosses Problem ist vor allem die Nutzung des mobilen Internets im Ausland – das sogenannte Datenroaming. Viele Kunden sind sich nicht bewusst, wie viel teurer das Surfen im Ausland ist. In der Schweiz kostet eine übertragene Datenmenge von 100 MB selten mehr als 10 Franken. Im europäischen Ausland dagegen fallen für diese Datenmenge je nach Anbieter bis zu 1560 Franken an. Einige Kunden nutzen ihr Smartphone in den Ferien auch intensiver als daheim. Sie navigieren über Google Maps oder hören schweizerische Radiosender über das Internet.

Erhält man eine solche Rechnung, so sollte man sofort mit seinem Netzbetreiber Kontakt aufnehmen. In vielen Fällen lohnt es sich, mit dem Anbieter zu verhandeln und dabei hartnäckig zu bleiben. Hält die Firma an der Forderung fest, so sollte man eine Schlichtung bei der Ombudsstelle für Telekommunikation – Ombudscom – beantragen. Dieses Verfahren ist für den Kunden kostenlos.

Hohe Rechnungen können insbesondere Orange-Kunden ins Haus flattern. Es gibt Fälle, in denen Orange-Kunden erst informiert wurden, nachdem bereits Kosten in Höhe von 5‘000 Franken entstanden waren. Leider warnt Orange die Kunden nicht, wenn derart hohe Kosten anfallen. Die allerwenigsten Kunden sind wohl bereit, gegen einen Monatslohn für das Surfen im Ausland zu bezahlen. Daher wäre eine Warnung angebracht.

Dass es auch anders geht, beweisen Swisscom und Sunrise: Überschreitet ein Privatkunde durch das Surfen im Ausland die Limite von 200 Franken (Swisscom) bzw. 300 Franken (Sunrise), wird das Datenroaming automatisch gesperrt. Dies ist eine sehr gute und kundenfreundliche Lösung.

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  • Wo entstehen die Zusatzkosten?

    Mich würde mal wunder nehmen, was von den 1550 CHF an Zusatzkosten für den Kunden für die Anbieter an Gewinn rausspringt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wo dieser unglaubliche Mehraufwand von lokal zu international entsteht? Ist das technisch so schwierig? Ich kann ein Packet für 40 CHF über Nacht mit Fedex an irgend einen Punkt der Welt schicken, aber ein paar Minuten Film schauen über das mobile Internet kostet 1550 CHF mehr nur weil ich in Österreich surfe? Das entbehrt doch jeglichem gesunden Menschenverstand und ist an Absurdität nicht zu überbieten.

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  • Datenroaming dürfte riesige Gewinne erwirtschaften

    Insbesondere wenn man bedenkt, dass man als einfacher Kunde in einem Supermarkt auch entsprechende Pakete erhält und dafür ebenfalls rund 10 Franken bezahlt. Sobald aber die Rechnungsdaten an Schweizer Anbieter geliefert werden, erhöhen sich die Kosten gleich auf bis zu 1'500 Franken. Die Tatsache, dass Swisscom ein Paket anbietet, wo man 100 MB für 48 Franken (d.h. eigentlich zwei Pakete zu je 50 MB zu je 24 Franken) übertragen kann, zeigt, dass die Anbieter sehr viel Geld mit dem Surfen im Ausland machen. Es ist an den Kunden, sich zu wehren. Wenn sich plötzlich alle Kunden an die Ombudscom wenden oder notfalls sogar vor Gericht gehen (aber vorher mit einem Juristen absprechen), dann müssten die Anbieter schnell umdenken. Liebe Grüsse Ralf Beyeler comparis.ch

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  • Naja

    Die Warnung an sich kann man ja nicht oft genug herunter beten - da ist schon was dran. Aber warum sind eigentlich immer die Anderen Schuld? Die Tarife sind klar definiert, verantwortlich ist der Benutzer (einzelne Ausnahmen bei Fehlfunktionen mal beiseite gelassen). Die Leute umgeben sich leider mit hochmodernen Mikrocomputern und haebn von tuten und blasen keine Ahnung. Ein bisschen Eigenverantwortung sollte JEDER schon noch wahrnehmen.

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  • Eigenverantwortung ja, aber

    Ja, man sollte Eigenverantwortung wahrnehmen. Aber auch die Anbieter sollten ihre Verantwortung wahrnehmen. Wenn die Anbieter eine Dienstleistung im Ausland so abartig viel teurer verkaufen, dürfen sich die Anbieter auch nicht wundern, dass die Kunden überfordert sind. Warum nicht einfach, einfache Tagespauschalen einführen. z.B. 2 Franken pro Tag für unlimitiertes Surfen? Liebe Grüsse Ralf Beyeler comparis.ch

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  • Jawohl

    Da ist viel Wahres dran. Ich wollte je einesfalls die Anbieter in Schutz nehmen. Ich beobachte nur diese technische Welt mit Augen eines Technikers - machen wir uns nichts vor: Hightech war früher etwas für Fachleute! Heute rennt fast jeder mit hochkomplexer Technik rum, die er gar nicht versteht. Und dann kommt es auch zu solchen Problemen --> dies ist die eine Seite. Andererseits haben die Provider da dringenden Nachholbedarf in Sachen Transparenz. Die haben doch auch alle nur Dollarzeichen (oder eben Fränkli) auf der Pupille, sonst hätten sie schon lange andere Modelle am Start. Um Erhlichkeit und anderes Blabla sucht man bei den Mobilfunkanbietern leider vergebens. Im Ausland gibt es z.B. sogar schon Provider, die den Kunden die im letzten Monat nicht gebrauchten Einheiten wieder gut schreiben - soviel macht halt Konkurrenzdruck möglich :-) Aber den gibt es ja hierzulande leider nicht :-(

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  • Smartphones sind jetzt Massenmarkt

    Genau. Solange sich Angebote an Freaks richten und die Leute auch verstehen, was im Hintergrund passiert, sind solche Regelungen eher möglich. Aber heute versuchen die Anbieter die Geräte an jeden Kunden zu bringen, es ist ein Massenprodukt und die meisten Kunden verstehen nicht, was im Hintergrund passiert. Dass die Datennutzung im Ausland so viel teurer ist, ist auch einfach unerklärlich. Liebe Grüsse Ralf Beyeler

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